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Kristin Amme Stadtkind aus Hallewood

Kristin ist die, die in ihrer Tasche geschmolzene Schokoriegel findet. Die im Winter in den Eisbach fällt, weil sie eine Schaumkrone mit einem Stein verwechselt. Die zum Schliersee will und am Tegernsee ankommt.

Stand: 28.06.2014

PULS Moderatorin Kristin Amme | Bild: Birgit Hart

Die Luft riecht nach Chemie, die Oma wäscht noch von Hand, und Ananas gibt's nur in der Dose (und das auch nur an Feiertagen). So erzählen es die Eltern. Drei Jahre DDR, dann ist der Westen da: eine Kindheit in Halle an der Saale zwischen Platte und Altbau, Ronny und Maximilian, tropischen Früchten und bunten Zuckerbonbons.

Kristin lässt nichts aus: Klavierunterricht, Musikgymnasium, Harfen-Jungstudium. Birkenstock nearly everywhere. Problem: Statt zu üben, schreibt sie lieber. Oder liest. Oder hört Musik. Das Rolling Stone-Abo und die CD-Sammlung ihres Vaters bewahrt sie vor Schlimmerem. Mit zwölf hatte sie noch gewettet, ihr ganzes Leben lang Backstreet Boys-Fan zu sein - die 50 DM schuldet sie ihrem Bruder immer noch.

Bright Eyes, Travis, Radiohead lösen das Boygroupgesäusel ab, und nach dem Abi ist auch endgültig Schluss mit Mozartsonaten und Bachfugen. Na ja, zumindest fast: Neben Soziologie und Komparatistik studiert Kristin auch Musikwissenschaft. In Leipzig. Ganz nett da, aber irgendwie zieht es sie weg. Nach Italien. Da ist so schön viel Sonne. Und nach Berlin. Da ist so schön viel Leben.

Bayern besucht sie auch mal, aber das fühlt sich fast wie Ausland an. Kein Schwarzbier, Frauen in komischen Kleidern in komischen Oma-Wirtshäusern, und drum herum diese Alpen-Heidi-Welt. Bloß weg hier.

Am Ende landet sie doch hier. Ein Sommer in München und sie will nienienie wieder weg. Nur das Schwarzbier, das fehlt ihr bis heute.


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