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Review // "Chasing Shadows" 3 Gründe, warum ihr den 66. Warren Miller Film schauen müsst!

Warren Miller erreicht weltweit mehr Zuschauer als alle anderen Skifilme – mit konventioneller Machart und fast nur US-Athleten. Der Erfolg in Europa hält sich deshalb in Grenzen. "Chasing Shadows" müsst ihr trotzdem sehen.

Von: Katharina Kestler

Stand: 03.11.2015 | Archiv

Warren Miller "Chasing Shadows"  | Bild: Warren Miller

1. Warren Miller ist Kult und deswegen ein Muss

Mein erster Skifilm war ein Warren Miller. Und das ging nicht nur mir so: Warren Miller ist Kult, denn er ist Pionier im Schneefilmbusiness. 1950 kam sein erster Film "Deep and Light" raus. Damals war offenbar Slalomfahren um in den Schnee gepickte Äste der heißeste Scheiß. Der Film wurde in Theatern und Turnhallen in der Nähe von amerikanischen Skigebieten vorgeführt, der Soundtrack kam aus einem extra Tonbandgerät und Warren Miller hat den Text in unverwechselbarer Art höchstpersönlich vor Ort dazu gesprochen.

Bei der Technik ging Warren Miller mit der Zeit, aber die persönliche Erzählweise aus seiner Sicht und mit seiner Stimme behielt er bei. 1988 gab er den Regiestuhl ab, hatte aber noch ein paar Jahre die Finger im Spiel, bis er sich ganz zurück zog. Mittlerweile produziert die Firma "Active Interest Media" jedes Jahr einen neuen Warren Miller Film. Dabei erinnert sie gerne an die gute alte Zeit, bedient sich dafür im großen Archiv frühere Filme und verwendet sowohl alte Aufnahmen, als auch Zitate aus Millers Text. Warren Miller selbst ist mit den Filmen, die nach seiner aktiven Zeit produziert wurden, wohl nicht so ganz zufrieden. Vielen geht anders, denn die Filme mit seinem Namen erreichen weltweit immer noch mehr Zuschauer, als alle anderen Wintersport-Streifen. Und auch ich werde nie vergessen, wie ich mit zwölf, dreizehn Jahren in meinem ersten Warren Miller Film zum allerersten Mal Skifahrer in Norwegen bis ans Meer fahren sah – und sofort auch dahin wollte.

2. "Chasing Shadows" hat auch Unbekanntes und Unbekannte auf Lager

Ok, sind wir mal ehrlich: innovativ, übermäßig kreativ oder gar künstlerisch sind Warren Miller Filme nicht. Da sind die hier besser. Oder die hier. Oder die. Aber es ist eben auch verdammt schwer, jedes Jahr ein Ski- und Snowboardmovie rauszuhauen, das einerseits die Massen anspricht und gleichzeitig Szene-Insidern ein "Wow" entlockt. Die Gebiete und Spielarten des Wintersports sind endlich. Speedriding in Chamonix, Skifahren in Alaska oder bei Nacht in Japan – alles schon da gewesen. Doch den norwegischen Skifahrer Øystein Aasheim hatten wohl auch geneigte Wintersportfans nicht auf dem Schirm. Er ist einer von zwei europäischen Sportlern in "Chasing Shadows", die anderen knapp 30 Rider sind Amerikaner und überraschend oft weiblich. Wer in Wintersportmovies mitfahren darf, entscheidet übrigens nicht ein Regisseur nach Bekanntheit oder Erfolg, sondern die Sponsoren der Athleten, die die Produktionsfirma dafür bezahlen. Bei Øystein war das das norwegische Outdoorlabel Helly Hanson, das vor allem in Amerika groß ist und sich wohl dachte, es wäre schön auch einen Athleten aus der Heimat zu featuren. Gute Wahl, finde ich: Øystein arbeitet im Sommer in Norwegen als Schreiner, redet nicht so gerne über sich und nutzt lieber seine komplette Freizeit zum Skifahren, als sich über Social Media zu vermarkten. Damit ist er der perfekte Gegenpool zum Überfluss an Amerikanern, die die üblichen Phrasen über Freiheit und mächtige Berge dreschen. Talk less, ski more – I like!

3. It's all about the Gefühl!

Trickfeuerwerk, Powderlines, Helikoptershoots – ja, das kenne ich schon alles und ja, es ist immer irgendwie dasselbe. Aber Skifahren kenne ich auch schon, es ist auch immer dasselbe und trotzdem tu' ich es jeden Winter wieder. Weil es einfach Spaß macht – immer wieder. "Chasing Shadows" steigert die Vorfreude auf den Spaß – nicht mit den derbsten Tricks, den coolsten Dudes, filmischer Innovation oder bislang unbekannten Skigebieten - sondern mit Leuten, die Spaß haben am Skifahren und Snowboarden. Und um mehr geht's doch gar nicht. Wen es nach dem letzten Satz nicht in den Füßen juckt, wer danach nicht unruhig auf dem Sessel hin und her rutscht, der war noch nie auf diesem weißen Zeug aka Schnee und hat sowieso keine Ahnung. Für alle anderen:

The days are getting shorter, the nights are getting colder and soon enough there'll be a dusting of white in the mountains. I'm Katharina Kestler and winter starts now! ;-)


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