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Hass gegen Mountainbiker Wanderer, lasst uns endlich in Ruhe!

Die Trails in meiner Hood sind mein Rückzugsort und meine Spielwiese. Was ich nicht brauchen kann: Spaßbremsen. Schon gar nicht in Form von angepissten Wanderern und versteckten Nagelbrettern. Kommt endlich klar mit uns Bikern!

Von: Sophie Kernbichl

Stand: 29.04.2016 | Archiv

Wanderer vs. Mountainbiker | Bild: BR

Wenn ich meinen Kopf frei kriegen will, mich draußen bewegen – einfach kurz ein bisschen Zeit auf dem Bike verbringen, sind die Trails bei mir in Regensburg quasi direkt hinterm Haus die beste Lösung: Flowiger Waldboden, gut ausgebaute Anlieger, kleine Sprünge ins moosbedeckte Flat und ein Steinfeld sorgen für die technische Herausforderung. Die Luft riecht nach Laub und wenn ich eine Pause brauche, setze ich mich auf die Bank aus Baumstämmen und hör den Vögeln beim Zwitschern zu – fast zu idyllisch, um wahr zu sein. Bei meiner dritten Abfahrt höre ich plötzlich, wie mir jemand von weitem etwas zu ruft. Ich bremse scharf, nehme den Helm ab und sehe einen Spaziergänger 20 Meter entfernt, der „Drecksau!“ ruft. Ich bin völlig perplex, rufe zurück „Bitte?!“, darauf er noch einmal „du Drecksau!“. Keine Frage, dass das für diesen Tag meine letzte Abfahrt war – zu groß war meine Angst, dass der Typ noch auf ganz andere Ideen kommt.

... Körperverletzung ist also so eure Liga?!

Es gibt schließlich genügend geistige Tiefflieger, die ihren Groll gegen die MTB Community dadurch zum Ausdruck bringen, dass sie Nägel in Bretter hämmern und diese dann als Fallen unter einer Schicht Laub oder in Pfützen verstecken. Diese Selbstjustiz-Idioten gibt es leider in ganz Bayern: Gröbenzell, Mittenwald, Regensburg – um nur die aktuellsten Fälle zu nennen. Dass solche Fallen nicht nur zu Sachschäden führen, sondern im schlimmsten Fall auch den Fahrer ernsthaft verletzen, scheint diesen Leuten piepegal zu sein. Wo bitte liegt deren Problem? Wenn sie Bock auf Aktivismus haben, dann können sie sich beim Bayrischen Waldverein für die nächste Schachtenpflege-Aktion melden – da wird der Natur tatsächlich was Gutes getan, anstatt hirnrissig Mensch und Tier in Gefahr zu bringen. Vielleicht ist diese Verbitterung auch ein deutsches Problem: Hat der Nachbar vielleicht schönere Blumen auf dem Balkon? Hat vielleicht jemand irgendwo mehr Spaß als ich? Vielleicht sogar hier im Wald?! Mit einem Fahrrad?!

Runter von unserem Trail!

Erinnert ihr euch noch, was eure Mama immer gesagt hat? Wenn dich jemand ärgert, einfach ignorieren und weggehen. Das mach‘ ich und die meisten anderen Biker auch. Panorama-Wege zum Beispiel sind im Kopf des Mountainbikers schon lange als Sperrzone und klares Revier der radlosen Frischluftfraktion markiert. Wir meiden beliebte Wanderwege und Joggingstrecken, selbst überlaufene Radl-Klassiker wie die Isartrails fahren wir nur im absoluten Notfall. Für neue Trails suchen wir uns abgelegene Waldstücke. Strecken ab vom Schuss bieten ohnehin oft das reizvollere Terrain. Wenn den frisch gebauten, offiziellen Trail dann aber plötzlich Familien mit Kindern zum Abenteuerspielplatz erklären, dann sind es trotzdem wieder die rüpelhaften Biker, die harmlose Spaziergänger in Gefahr bringen. Dabei ist das so, als würde man seine Kinder auf einer Formel1-Strecke Straßenkreidebilder malen lassen und dann die bösen Autofahrer verfluchen, weil sie nicht Schrittgeschwindigkeit fahren. Merkt ihr selbst, was?

Ihr vertreibt uns nicht!

Mountainbiker machen nicht alles kaputt!

Also, liebe Spaziergänger, Wanderer, Bergsteiger, Hobby-Alpinisten, Trailrunner, Mittelgebirgs-Fans, Frischluftfanatiker - warum zur Hölle habt ihr so ein Problem mit uns Bikern???  Ja es gibt sie, ein paar Taurin vollgepumpte Idioten, die wortlos in Hochgeschwindigkeit an verschreckt zur Seite springenden Fußgängern vorbeiballern, dass der Dreck meterweit fliegt. Doch das ist kein Problem des Mountainbikers, sondern ein Problem des Idioten. Und Idioten gibt es bekanntlich überall, selbst bei euch, liebe Wanderer! Die Mehrheit der Biker tickt anders – und das würde euch vielleicht auch auffallen, wenn ihr euch nicht so sehr in euren Hass reinsteigern würdet. Radler sind nicht zwangsläufig fiese Umweltzerstörer. Sogar der DAV – eigentlich doch "euer" Verein – gibt mittlerweile Mountainbikekurse und setzt sich für ein "tolerantes Miteinander der Radler und Wanderer" ein. Gut so, denn Mountainbiken wächst und auch ein paar Fallen werden es nicht tot kriegen. Vielleicht macht der E-Bike-Boom ja sogar euch Lust, euch mal mit dem Rad in den Wald zu wagen? Ich würd‘ euch mitnehmen, auf meinen Trail!

Zusammenhalten, Mountainbiker!

PULS Playground Reporterin Sophie Kernbichl beim Biken.

Und das ist jetzt wirklich ein großes Friedensangebot! Nicht nur weil ich finde, dass E-Bikes gar nicht gehen, sondern auch weil Trails zu verraten in Mountainbiker-Kreisen grad gar nicht schick ist. Und da seid auch ihr dran schuld, liebe Hater! Ihr habt es geschafft, die Community zu spalten. In den Facebook-Gruppen, in denen sich Biker – Anfänger wie Profis – austauschen und vernetzen, wird stark diskutiert: Sollen neue Trails überhaupt veröffentlicht werden? Bei den Überlegungen spielt nicht nur die Angst vor absichtlicher Sabotage eine Rolle. Auch der Zusammenhalt untereinander scheint angeschlagen. Zum Beispiel beim Thema Anfänger. Die hinterlassen oft tiefe Bremsspuren im Waldboden, die nur mühevoll repariert werden können. Anderseits haben gerade Anfänger nicht gleich den Mut die schwerste Strecke im Bikepark runter zu heizen, sondern brauchen Trails, auf denen sie üben können.

Deshalb auch ein Memo an uns selbst: No Digging – No Riding. Wer nicht mit baut, der fährt auch nicht. Und bitte nicht im Alleingang bestehende Trails nach den persönlichen Wünschen umgestalten, weil man gerade Bock auf einen flacheren Sprung hat. Genau für die Abstimmung solcher Geschichten müssen wir uns auch weiterhin vernetzen und zusammenhalten. Brauchen wir dafür wirklich einen Verhaltenskodex für Biker? Oder können wir uns alle – egal ob mit oder ohne Rad – nicht vielleicht einfach darauf einigen, keine Idioten zu sein?!


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