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Interview // Nicolas Hale-Woods "Freeriden heißt sich Anpassen!"

Nicolas Hale-Woods, der Chef der Freeride World Tour, wartet auf ein Schönwetter-Fenster in Haines, Alaska. Zeit genug, um mit PULS Playground über den ersten Stopp in Alaska und die Kritik an der Tour zu plaudern.

Von: Claudia Gerauer & Katharina Kestler

Stand: 16.03.2015 | Archiv

Nicolas Hale-Woods | Bild: Freeride Word Tour

PULS Playground: Wer an Freeriden auf höchstem Niveau denkt - steile Hänge und krasse Lines - der denkt meistens auch an Alaska. Kein Freeride-Film kommt ohne beeindruckende Ski-Szenen aus Alaska aus. Warum erst jetzt ein Stopp dort?

Nicolas Hale-Woods: Ein Stopp der Freeride World Tour kostet ungefähr 800.000 Euro. Wir können die Tour nur finanzieren, weil die Hälfte der Kosten von den Skiressorts oder Regionen getragen werden, in denen die Stopps stattfinden. Genauso wie in vielen anderen Sportarten: Wenn der FIS Weltcup nach Schladming kommt, zahlt der Ort auch eine Menge Geld dafür. Das ist eine Partnerschaft: Die Ressorts bekommen durch uns erstens eine große Medienpräsenz, verdienen zweitens direkt Geld, weil Leute in den Hotels übernachten, Sauerkraut essen oder Lifttickets kaufen und können sich drittens mit dem Image einer guten Freeride-Destination schmücken. Doch in Alaska gibt es einfach keine richtigen Skiorte, nur einen sehr kleinen in der Nähe von Anchorage. Wir konnten einen Stopp in Alaska also lange nicht finanzieren, hatten aber viel Unterstützung von der Community in Haines und beschlossen, das Investment dieses Jahr zu wagen.

Wie schwierig war es ein Face zu finden?

Das wird in Alaska wohl das Wettkampfs-Face. Es heißt "The Venue".

Wir hatten voher schon ein paar Faces auf dem Schirm, die wir in den letzten Jahren gefahren sind. Wir haben sie alle auf Sicherheit und Schneequalität überprüft – das ändert sich ja jeden Tag. Es ist noch dazu eine tricky Saison in Alaska mit wenig Schnee – unter 900 Meter  ist alles grün. Für uns war das aber nicht so schlimm, denn die Faces, die für uns in Frage kommen, liegen allesamt höher und die Bedingungen sind dort gut. Jetzt hoffen wir, dass es ein Schönwetter-Fenster gibt, das ausreicht um alle dort hin und sicher wieder zurück zu bringen.

Nicht mal die Hälfte der Fahrer, nur die besten Rider der bisherigen Tour, durften mit nach Alaska. Warum?

So ein Event außerhalb der Infrastruktur eines Skiortes, ohne Lifte oder ohne Schneeraupen durchzuführen, ist eine logistische Herausforderung. Für alles brauchst du einen Helikopter. Wir sind insgesamt 100 Leute, 36 Fahrer, ungefähr 30 Filmer und Fotografen... – eine Riesencrew. Deswegen mussten wir die Anzahl der Fahrer einschränken, auch um die Qualität des Events zu halten. Mit mehr Fahrern wäre es einfach zu komplex geworden den Contest im Nirgendwo zu organisieren. Aber das ist ja auch die Magie daran: Du brauchst nur eine gute Internetverbindung und kannst dabei sein, egal wo du bist. Du weißt nicht wann, aber plötzlich kriegst du eine E-Mail und schaltest ein.  Wir wollen mit den besten Athleten zum besten Schnee – da können nicht immer Zuschauer dabei sein. Aber wir haben bis zu acht Kameras am Start und liefern einen qualitativ hochwertigen Livestream. Das ist und wird auch in Zukunft das Modell für solche Actionsportarten sein.   

Kritiker der Freeride World Tour sagen aber, dass die Tour den Sport nicht angemessen repräsentiert und ein falsches Bild vom Freeriden zeichnet.

Fabian Lentsch auf der Tauplitzalm 2012 | Bild: RedBull Contentpool zum Artikel Freeskier Fabian Lentsch "Ich mache nichts, das ich nicht will"

Fabian Lentsch hat gleich im ersten Jahr Schluss gemacht: Als einer der derzeit besten Freeskier hat er der Freeride World Tour nach nur einem Stopp wieder den Rücken gekehrt. Uns hat er erklärt, warum. [mehr]

Ja, manche Fahrer wollen jeden Tag perfekten Pulverschnee fahren. Die sind einfach ein bisschen naiv, wenn ich das sagen darf. Ich vergleiche das gerne mit dem Surfen: Der Sport ist uns in punkto Budget oder Medienproduktion zehn Jahre voraus. Kelly Slater ist einer der größten Namen im Actionsport, zehnmaliger Surfweltmeister und 43 Jahre alt. Er ist die besten Wellen der Welt gesurft und surft trotzdem immer noch – wie manche sagen – Scheiß-Wellen an der Ostküste von Australien, weil da eben nun mal ein Event ist. Kleine Wellen oder schlechter Schnee sind einfach Teil des Spiels, die Realität. Damit klarzukommen macht einen guten Athleten aus. Wir haben das bei Sam Smoothy in Andorra gesehen. In einem Face, das manche für schlecht hielten, ist er eine unglaubliche Line gefahren. Das Video von Sam’s Run hat mehr als 500.000 Klicks und das Event war ein großer Erfolg, trotz des Frühlingsschnees.
Freeriden bedeutet per Definition sich Anpassen an verschiedene, auch schlechte Bedingungen. Dieser Winter ist in vielen Teilen der Welt eine Herausforderung, die Ressorts, die Skifirmen – alle haben zu kämpfen. Die Freeride World Tour versucht mit gutem Beispiel voran zu gehen: Wir passen uns an, die Fahrer zeigen, sie können bei allen Bedingungen so fahren, dass es gut aussieht. Das finde ich viel besser, als zu sagen: Die Bedingungen sind nicht perfekt, lass es uns canceln!


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