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Interview // Florian Jung Surfen für weniger Müll im Meer

Das Meer ist die größte Müllhalde der Welt. Aber nicht nur Umweltschützer kämpfen dagegen an, sondern auch Sportler – mit dem Projekt "The Aquapower Expedition". Wir haben dem mit Initiator und Windsurfer Florian Jung gesprochen.

Von: Claudia Gerauer

Stand: 21.04.2015

Windsurfer Florian Jung | Bild: The Aquapower Expedition / Pierre Bouras

PULS Playground: Um was geht’s bei eurem Projekt "The Aquapower Expedition"?

Florian Jung: "The Aquapower Expedition" ist eine Art Surf-Abenteuer über den atlantischen Ozean, mit dem wir als Wassersportler auf die Wasserverschmutzung aufmerksam machen wollen. Die Reise geht mit einem großen Boot von Guadeloupe bis nach Marseille über eine Zeitraum von zehn Wochen. In dieser Zeit wollen wir Brennpunkte beleuchten, aber auch die Schönheit des Meeres durch unseren Sport zeigen, indem wir an eindrucksvollen Spots surfen. Es geht darum, die Menschen für das Problem der Meeresverschmutzung – vor allem durch Plastik – zu sensibilisieren und eine gewisse Faszination fürs Meer hervorzurufen.

Klingt eher nach einer aufregenden Reise als nach einem Umweltschutzprojekt.

Nein, wir haben bei jedem Stopp auch verschieden Projekte geplant: Müllsammeln am Strand, Interviews mit Wissenschaftlern und Locals, die von ihren Problemen berichten, aber auch Dinge zeigen, die gut funktionieren, wie spezielle Recycling-Systeme. Außerdem geht unsere Reiseroute quer durch den Müllteppich auf dem Atlantik, der sich über einige Hundert Kilometer von den Bahamas bis zu den Azoren zieht. Wir haben einen Umweltschützer, der auf Plastikmüll spezialisiert ist und einen Meeresbiologen in unserem Team und mit ihnen werden dort Wasserproben nehmen und Planktontests machen, um zu sehen, wo das Meer am schlimmsten verschmutzt ist.

Gab’s einen konkreten Auslöser, der dich dazu gebracht hat, die Surf-Expedition zu starten?

Ja, ich war letztes Jahr auf einem Surftrip in Bali. Da war ich in der Nähe einer größeren Stadt im Meer und das Wasser war so sehr mit Plastik, aber auch mit Chemikalien verschmutzt, dass ich davon krank wurde und zwei Tage danach im Bett liegen musste. Daraufhin hab ich mir gedacht, dass es so nicht weiter gehen kann. Denn wir als Windsurf-Profis haben auch eine gewisse Verantwortung für die Ozeane, wir sind jeden Tag im Meer und merken, wie die Wasserqualität immer schlechter wird. Ich wollte ein Projekt starten, bei dem man das Thema auf einen besondere Weise beleuchten kann, verbunden mit einem Abenteuer – und deswegen bin ich zu dieser Expedition aufgebrochen.

Am Ende entsteht ein Dokumentarfilm über die Expedition und während der Reise veröffentlicht ihr Web-Episoden über jede Etappe. Aber helfen geile Surfbilder der Natur wirklich?

Ja, denn es geht bei dem Projekt grundsätzlich um Aufmerksamkeit und darum, die Leute für das Müllproblem im Meer zu sensibilisieren. Mit unserem besonderen Konzept, der Verbindung von Sport und Umweltschutz – und auch weil wir Windsurf-Profis sind – sprechen wir eine jüngere Zielgruppe an. Das sind die Leute, die in Zukunft für unsere Umwelt verantwortlich sind und die Ozeane erhalten müssen. Und diese Leute interessieren sich nicht so sehr für eine "normale" Doku – aber wenn die Infos mit coolen Surfbildern angereichert sind und wir die Leute dadurch begeistern, haben wir schon viel erreicht.

So eine Expedition kostet sicherlich viel Geld – könnte man das nicht nachhaltiger in den Umweltschutz stecken?

Wir haben ein recht geringes Budget für eine solche Expedition – es gibt nur einen Sponsor, der das Projekt mit mir zusammen initiiert hat. Aber hauptsächlich geht es darum, dass die Planktontests, die wir auf unserer Reise machen, in ein größeres Forschungsprojekt einfließen. Wir arbeiten mit großen Forschungseinrichtungen zusammen und die können einen Nutzen aus "The Aquapower Expedition" ziehen. Deswegen kann sich unsere Projekt langfristig schon sehr positiv auf die Umwelt auswirken.


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