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Update: Die unendliche Halfpipe-Geschichte "Warum kann der Verband nicht einmal husten und dann steht da 'ne Pipe?"

Es gibt wieder Hoffnung auf eine Halfpipe in Deutschland. Wenn es gut läuft, soll sie bis 2017 am Jenner in Berchtesgaden gebaut werden. Doch das dauert nicht nur viel zu lang, sondern hat auch einen großen Haken.

Von: Kilian Medele

Stand: 18.12.2015 | Archiv

Halfpipe | Bild: Jeff Brockmeyer/Red Bull Content Pool

Bei einem großen Pressetermin hat der Deutsche Snowboardverband vor kurzem den Plan präsentiert am Jenner in Berchtesgaden bis 2017 eine Halfpipe zu bauen. Johannes Höpfl, der beste deutsche Halfpipe-Snowboarder reagierte auf die eigentlich gute Nachricht nur verhalten, denn er findet die Location am Jenner extrem ungünstig:

"Der Jenner ist ziemlich steil und eine Halfpipe soll normal eine Neigung von 15 bis maximal 20 Grad haben – ich weiß nicht, wie sie sich das vorstellen, die da rein zu bauen oder ob sie die Halfpipe quer zum Hang reinbauen wollen. Ich bin gespannt, welche Antworten es darauf gibt und wie das grobe Konzept aussehen soll." (Snowboarder Johannes Höpfl im PULS Playground-Interview)

Realistischer Plan oder Halfpipe-Hirngespinst?

Johannes hat erst bei der Pressekonferenz von den Plänen erfahren. Ein typisches Beispiel für die verbesserungsfähige Kommunikation zwischen Sportlern und Verband, die immer nach einem ähnlichen Schema abläuft: Die Verbandsmeier tüfteln am Schreibtisch was aus, ohne mit den Leuten zu sprechen, die es tatsächlich betrifft. Der Sportdirektor des Deutschen Snowboardverbands weißt solche Vorwürfe allerdings zurück:

"Der Athleten-Input ist uns sehr wichtig. In diesem Fall ist es uns nicht neu: Wenn wir das Gelände nicht ummodelieren, dann ist es zu steil. Aber es ist ja durchaus möglich, mit entsprechenden Erdbewegungen auch Gelände zu modifizieren. Wenn ich ein Haus am Berg baue auch so: Da wird auch keiner sagen, da kannst kein Haus hinbauen, da ist es ja schräg. Und genau diese Punkte eruieren wir grad."

(Stefan Kirsch im PULS Playground-Interview)

Ob 2017 tatsächlich eine Halfpipe am Jenner steht, ist fragwürdig. Es hakt nicht nur am steilen Gelände, sondern auch an der Höhe des Berges. Auf der Zugspitze wäre der einzige Platz in Deutschland, wo es von der Höhe und folglich den Schneeverhältnissen her langfristig sinnvoll wäre, eine Halfpipe zu bauen. Der Jenner ist mit seinen knapp 1.900 Metern hingegen eher niedrig. Um die Halfpipe trotzdem den ganzen Winter auch bei wenig Schnee nutzen zu können, soll sie in den Boden geformt werden. Genehmigungen für die notwendigen Bauarbeiten sind allerdings schwer zu bekommen. Und: Die Kosten für den Bau würden wohl an der drei Millionen Euro Marke kratzen und die Instandhaltungskosten belaufen sich auf 300.000 Euro im Jahr. Welche Gemeinde, welcher Bergbahnbetreiber und welche Sportförderung möchte das bezahlen?

"Pipe Aid" - oder wie es auch gehen könnte

Doch hakt es wirklich nur am Geld oder werden die Prioritäten nach wie vor eben nur bei den konventionellen und alten Disziplinen gesetzt? Das Thema Halfpipe ist laut Stefan Kirsch zumindest "sinnbildlich für infrastrukturelle Probleme, die im Bereich Freestyle-Disziplinen in Deutschland vorherrschen". Oder anders: Freestyle in Deutschland hat es einfach schwer. Nachdem die Pipe an der Zugspitze vor zehn Jahren platt gemacht wurde, hat die offizielle Seite viel diskutiert, geplant und doch wieder verworfen. 2010 haben sich dann ein paar Privatleute - unter ihnen Alexander Schwan - zusammen getan, die Initiative "Pipe Aid" gegründet und mit Sponsorengeldern eine Halfpipe am Nebelhorn im Allgäu gebaut. Dort wurde auch die Deutsche Snowboardmeisterschaft Halfpipe ausgetragen.

"Wir haben gezeigt, dass es funktioniert hat und wenn wir das als private Initiative können, dann sollten eigentlich die Verbände und die Skigebiete kein Problem damit haben, das auch zu machen!"

(Alexander Schwan im PULS Playground-Interview)

Hatten sie aber dann doch. Denn nach drei Jahren haben Alex Schwan und "Pipe Aid" das Handtuch geworfen und die Verantwortung für das Projekt den Bergbahnen, Tourismusverbänden und dem Snowboardverband Deutschland übertragen. Das war das Ende für die Halfpipe am Nebelhorn. Alex Schwan glaubt, es sei ein Problem der Prioritäten.

"Was hat nochmal die Skisprungschanze in Garmisch-Partenkirchen gekostet? Budgetiert war, glaube ich, die Hälfte von dem, was sie am Ende gekostet hat. Wenn der deutsche Skiverband in Garmisch einmal hustet, dann steht da nächste Woche ein neuer Lift. Warum kann denn der deutsche Snowboardverband in Garmisch nicht einmal husten, und dann steht da ne Pipe? Wenn's um die Modernisierung der Bobbahn am Königssee geht, dann ist ja auch Geld da."

(Alexander Schwan im PULS Playground-Interview)

Dabei gäbe es eine ganze Reihe "High-Potentials" sagt Stefan Kirsch, die in der Halfpipe internationalen Erfolg haben könnten. Neben Johannes Höpfl ist gerade die erst 14-jährige Leilani Ettel in die Nationalmannschaft aufgenommen worden. Doch wie heißt es so schön: Von nix, kommt nix. Ohne Pipe wirds auch mit der Medaille in der Pipe schwer.


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Andreas Jügelt, Freitag, 04.Dezember 2015, 23:00 Uhr

2. Innovative Ideen für die Freestyle Infrastruktur der Zukunft gemeinsam pushen!

Ja, die Kommunikation zwischen Sportler und Verband könnte hier manchmal besser sein. Allerdings sollten wir gemeinsam an Lösungen arbeiten und diese auch öffentlichkeitswirksam kommunizieren und zielorientiert diskutieren. Nur so können wir Politiker und Bergbahnen zum Umdenken bewegen. Die Freestyle Infrastruktur Strategie wird übrigens in enger Abstimmung mit Experten entwickelt (Bundestrainer Snowboard Germany & Freeski Network, Schneestern & QParks, uvm.). Die 300T€ Betriebskosten entstehen vor allem auch durch hohe Qualitäts-Kriterien – u.a. mit dem Ziel einer möglichst frühen Eröffnung, Flutlicht, eigenem Pipe-Lift, Windenraupe und professioneller Shape-Crew, ... – Stichpunkt: Rodler trainieren auch nicht auf einer zu kurzen, löchrigen Eisbahn und Skispringer nicht auf krummen Schanzen. Wir denken auch über einiges mehr nach als nur eine Halfpipe! Für künftige Zusammenarbeit gerne bei mir melden. Zum Nachdenken: https://www.facebook.com/SnowboardTeamBayern/posts/767067470065321

Millhaus, Donnerstag, 26.November 2015, 14:44 Uhr

1. das ist so nicht richtig.

"Seit zehn Jahren warten die deutschen Freestyle-Winersportler jetzt schon." - ist nicht ganz korrekt. Zum einen fehlt ein "t" - zum zweiten finden sich weitere Informationen hier: https://www.facebook.com/PipeAid/?fref=ts