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Menschenverachtendes Crowdfunding Wie Rechtsextreme die Flüchtlingsrettung im Mittelmeer verhindern wollen

Jeden Tag retten Ehrenamtliche tausende Menschen vor dem Ertrinken. Die Identitäre Bewegung Österreich will das verhindern – mit einem eigenen Schiff im Mittelmeer. Dafür sammeln die Rechten gerade Geld im Netz.

Von: Miriam Harner

Stand: 07.06.2017 | Archiv

Identitäre wollen Flüchtlingsrettung im Mittelmeer verhindern | Bild: PULS

In diesem Jahr sind nach jüngsten Schätzungen bisher mindestens 1650 Menschen auf der Flucht von Afrika nach Europa ertrunken – Tendenz steigend. Ohne ehrenamtliche Rettungsorganisationen wie zum Beispiel den Sea Eye e.V. aus Regensburg gäbe es vermutlich noch viel mehr Tote.

Doch die lebensgefährliche Arbeit der Retter auf hoher See könnte in Zukunft noch schwieriger werden: Der österreichische Ableger der neurechten Identitären Bewegung will unter dem Titel "Defend Europe" aktiv gegen die Helfer vorgehen, indem sie die Rettung von Flüchtlingen mit einem eigenen Schiff behindern - und sogar verhindern wollen. Für diesen Zweck haben sie Mitte Mai auf ihrer Facebook-Seite zu einer menschenverachtenden Crowdfunding-Aktion aufgerufen. In einem Video schwadroniert ein Aktivist der Identitäre Bewegung davon, "in See stechen" zu wollen, um "das Unrecht dort zu beenden, wo es anfängt", sich den Hilfsorganisationen aka. "Schleppern" "in den Weg zu stellen" und "Europa zu verteidigen".

Selbsternannte "Europe-Retter"

Inzwischen sollen bereits 63.000 Euro an Spenden eingegangen sein. Das sei zwar genug Geld, um ein Schiff zu chartern - nur fehlt genau das noch. Ein Schiff bekommen die selbsternannten Europa-Retter nämlich angeblich aufgrund der "medialen Berichterstattung" nicht, weswegen sie darum jetzt öffentlich im Internet betteln.

Dass der Aufruf der Identitären nicht nur ein übler PR-Gag sein könnte, zeigt eine Aktion der Rechten am 12. Mai in Italien. Französische Aktivisten hatten ein Boot gemietet und damit kurzzeitig ein Rettungsschiff der Hilfsorganisation "SOS Mediterranee" im Hafen der sizilianischen Stadt Catania am Auslaufen gehindert. Erst nach Eingreifen der Hafenbehörde konnte die NGO in Richtung lybischer Küste aufbrechen.

Auch Michael Buschheuer, Vorsitzender des Sea Eye e.V., hat Angst vor den möglicherweise tödlichen Folgen einer Störungsaktion der Identitären auf offener See:

"Das Ganze ist wirklich ganz enorm humorlos. Stellen Sie sich vor, Sie haben so einen Rettungseinsatz und es kommt so ein Schiff auch nur in die Nähe, das wäre ein absolute Katastrophe. Wenn ein Helfer nicht einen gewissen Schutz genießt vor Anfeindung. Es ist ja nicht möglich auf hoher See die Polizei zu rufen, es gibt ja nicht mal eine Zuständigkeit. Wir sind da verbundbar, wie ein Arzt, der sich über seinen Patienten beugt."

Michael Buschheuer, Sea Eye e.V.

Selbst wenn die Identitäre Bewegung es tatsächlich schaffen sollte, ein Schiff zu organisieren, bleibt die kleine Hoffnung, dass sie ihren Plan - Rettungsaktionen auf dem Mittelmeer tatsächlich zu blockieren - nicht umsetzen werden. Die Identitären werden zwar vom Verfassungsschutz beobachtet, allerdings gibt es laut Recherche von Zeit Online in Deutschland nur wenige hundert gut vernetzte Mitglieder. In Österreich schätzt man die Zahlen ähnlich ein. Und für ein Schiff braucht es Manpower.

Gegenaktion aus Wut

Die große Stärke der neurechten Scheinriesen sind ihre zwar letztlich unbedeutenden, aber medienwirksamen Aktionen. Bleibt zu hoffen, dass ihr neuester menschenverachtende Streich doch in die Kategorie PR fällt.

Ob sie es nun in die Tat umsetzen oder nicht: einen positive Effekt haben die ekelhaften Pläne der Identitären Bewegung. Die britische Journalistin Caroline Criado-Perez hat aus Wut über die rassistische Vorhaben eine Gegenaktion gestartet.

Per Crowdfunding sind innerhalb von drei Tagen bereits knapp 80.000 Euro zusammengekommen. Das gesammelte Geld der "United Against Terror"-Kampagne soll an "Ärzte ohne Grenzen" gespendet werden. Die Hilfsorganisation ist mit einem der größten Such- und Rettungstrupps für in Not geratende Flüchtlinge auf dem Mittelmeer unterwegs. Und ohne die Identitären wäre vielleicht nicht so schnell so viel Geld zusammengekommen. Ein Danke gibt es trotzdem nicht.

Sendung: Filter, 07. Juni 2017 - ab 15 Uhr.