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Studie zur Sperrstunde Wieso die Sperrstunde bayerische Städte gefährlicher macht

Aufhören, wenn's am Schönsten ist? In vielen bayerischen Studentenstädten ist wegen der Sperrstunde um 2 Uhr Schluss mit Party. Die Anwohner haben's vielleicht etwas ruhiger, doch die Gewalttaten werden sogar noch mehr.

Von: Tobias Krone

Stand: 28.05.2018 | Archiv

Rot-weiße Schranke vor Sternenhimmel | Bild: BR

Donnerstagnacht, 2 Uhr, die Stimmung in der Lieblingsbar ist eigentlich viel zu gut, um jetzt schon nachhause zu gehen... doch dann geht die Musik aus. Der Partykiller heißt Sperrstunde – und die ist gesetzlich überall vorgeschrieben, von 5 bis 6 Uhr. In einigen Studentenstädten wie Bamberg, Regensburg und Erlangen gibt es die Sperrstunde aber sogar in verlängerter Ausführung. Hier müssen Bars und Kneipen unter der Woche um 2 Uhr dicht machen, denn die Anwohner wollen ihre Ruhe haben.

Sperrstunden machen eine Stadt nicht sicherer

Ein bisschen ruhiger mag es dadurch vielleicht ja sein. Doch auf die Sicherheit hat die Sperrstunde keine Auswirkungen. Lukas Hohendorf von der Uni Bamberg hat sich die Statistiken zu Körperverletzungen in 13 verschiedenen bayerischen Städten angeschaut – über einen Zeitraum von zehn Jahren. Sein Fazit: "Die Sperrzeit macht nur sehr wenige Unterschiede, was die Gewaltquote angeht." Heißt im Klartext: An der Sicherheitssituation nachts hat die längere Sperrstunde nichts geändert. Statistisch gesehen sorgt die Sperrstunde teilweise sogar für noch weniger Sicherheit.

"Was die Sperrstunde macht, ist auf jeden Fall Gewalttaten zu verschieben. Das heißt, die Gewalttaten finden dann früher statt. Und in Städten, die schon ein hohes Gewaltpotenzial aufgewiesen haben, ist es wahrscheinlich, dass eine Sperrstunde die Gewaltsituation noch verschlimmert."

Lukas Hohendorf, Politikwissenschaftler an der Uni Bamberg

Das könnte daran liegen, dass die Leute, wenn sie alle nachts um 2 Uhr bei der Sperrstunde gleichzeitig auf die Straße geschwemmt werden, besonders aggro sind. Ein sehr hohes Gewaltpotenzial haben Bamberg, Regensburg und Schweinfurt. Und in allen Städten ist die Zahl der nächtlichen Körperverletzungen zwischen 2002 und 2013 angestiegen – egal, ob mit oder ohne Sperrstunde.

Bamberg will Sperrstunde weiter behalten

In der Stadtverwaltung von Bamberg ist man weiterhin zufrieden mit der Sperrstunde – und fühlt sich von den Wissenschaftlern missverstanden: "Gewalt und Kriminalität standen bei der Debatte um eine kommunale Sperrzeitverlängerung nie im Fokus", schreibt eine Pressesprecherin. Die Stadt ist überzeugt: Das eigentliche Ziel – weniger Lärm in der Nacht – hat die Sperrstunde erreicht.

Viele Studierende in der Stadt haben dazu eine andere Meinung. Auch Wissenschaftler Lukas Hohendorf ist genervt von der Sperrstunde, denn in seinen Augen hat sie auch auf die Kneipenkultur einen negativen Effekt: "Es gibt jetzt weniger Livemusik als davor – und mehr Musik vom Band."

Sendung: Filter, 28.5.2018, ab 15 Uhr