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Sinn und Zweck der Truppenbetreuung Entertainment an vorderster Front

Bob Hope, die Monroe, die Dietrich: Alle haben sie an vorderster Front gekämpft - als Entertainer und Truppenbetreuer. Auch in Deutschland hat der Rummel Tradition. Und manchmal steckt weit mehr dahinter als Entertainment und PR.

Von: Karl Weidenbeck

Stand: 12.10.2011 | Archiv

Der US-Schauspieler und Komiker Bob Hope tritt 1972 auf der  Yokota Air Base in Japan vor US-Soldaten auf. Hope, dessen Familie 1907 von England in die USA auswanderte, begann seine Karriere 1920 als Komödiant im Theater und drehte 1938 seinen ersten Film. Der mit zahlreichen Auszeichnungen (u.a. vier "Oscars") überhäufte Künstler spielte in über 70 Kinofilmen und wirkte in mehr als 300 TV-Shows sowie rund 1000 Radiosendungen mit. Fünfzig Jahre lang unterhielt er regelmäßig US-Soldaten überall auf der Welt. Bope Hope wurde am 29.5.1903 in Eltham bei London geboren und starb in der Nacht zum 28.7.2003 in Toluca Lake, Kalifornien. | Bild: dpa/picture-alliance

Einmal mehr ist Amerika das Vorbild: Im Mutterland des Showbiz geht die Liaison zwischen Militär und Entertainern bis auf den Zweiten Weltkrieg zurück. Damals war es ausgerechnet die gebürtige Deutsche Marlene Dietrich, die mit ihrer Stippvisite den Kampfgeist der Army gegen Nazi-Deutschland beflügelte. Kurz zuvor hob der US-Kongress auf Initiative des Präsidenten Roosevelt die United Service Organizations (USO) aus der Taufe. Seither bemüht sich die Nichtregierungsorganisation, den GIs, die in den Krisengebieten rund um den Globus stationiert sind, das Leben zu erleichtern und die Truppenmoral mit wohldosierten Kulturspritzen zu heben. Die Dienste der Organisation umfassen zwar auch unspektakuläre Dinge wie etwa die Kommunikation zwischen den Einsatzkräften und deren Angehörigen oder die Seelsorge für Kriegsopfer. Ihr Aushängeschild stellt jedoch das Event-Management dar.

Sexbomben & Testosteronexplosionen

Dieses erreichte 1954 einen ersten Höhepunkt, als Marilyn Monroe an die innerkoreanische Grenze reiste, wo ihre Landsmänner gerade den Kommunismus eindämmten. Denen kam die viertägige Tour der Diva gerade recht. Der Krieg war gelaufen. Der Waffenstillstand hielt. Zeit also, sich der Hollywoodgöttin in High Heels und halb offener Bomberjacke zuzuwenden. Die setzte bei ihren Gigs noch einen drauf, tauschte den Military-Style trotz der Schafskälte gegen ein Trägerkleid, und die Sexbombe ging hoch wie der Testosteronspiegel im Publikum.

Eine Reaktion, die so und nicht anders gewünscht war. Denn Testosteron hat kriegsstrategische Relevanz. Es hemmt die Angst, stimuliert Aggression und taugt somit als Kampfdroge. Das wusste schon die Wehrmacht, die bereits 1939 mit dem Männerhormon dopte. Die USA bauten im Vietnamkrieg auf ähnliche Hormonpräparate. Sie schickten leicht bekleidete Playmates in den südostasiatischen Dschungel, die mit ihren Bühnenshows die Soldaten anheizten. Das Sex-Bombardement, das in den Jahren zuvor von der Dietrich, MM und Lauren Bacall bestritten wurde, hatte sich also bewährt. Heutzutage setzen Stars wie Scarlett Johansson und Pamela Anderson die Tradition fort. Im Irak wird zudem ein alternatives Modell der Testosteronexplosion erprobt: Seit 2003 richtet die World Wrestling Entertainment (WWE) alle Jahre wieder zur Adventszeit in Bagdad das "Tribute To The Troops" aus.

Beschuss mit Spaßkanonen

Eine weitere Facette des patriotischen Showbiz stellt die Comedysparte dar. Bob Hope, das Komiker-Urgestein der Nachkriegsjahrzehnte, war praktisch immer dabei, wenn US-Truppen im Einsatz waren. Der Beschuss mit Spaßkanonen wird gezielt als psychologische Waffe zur Zerstreuung der Soldaten eingesetzt. Angesteckt von der guten Stimmung erwidern sie die Witz-Offensive mit Lachsalven. Und vergessen darüber das Kriegselend. Hinzu kommt die große Wertschätzung für die Army, die sich darin ausdrückt, dass hochrangige Bühnenstars exklusiv für sie auftreten.

Allein die Liste der Vietnam-Besucher liest sich wie ein Who-is-Who der damaligen Leinwand-Prominenz: Neben Dauerbrenner Bob Hope bespaßten im Auftrag der USO Charlton Heston, John Wayne, Nancy Sinatra, Clint Eastwood und diverse Profisportler die Armee in Indochina. Heute sieht es nicht anders aus: Bruce Willis, Robin Williams und George Clooney sind nur einige von zig Hollywoodgrößen, die im Irak und in Afghanistan für die Stärkung der Truppenmoral sorgten.

Betreuungsmaßnahmen der Bundeswehr

Dagegen nimmt sich das Truppen-Entertainment anderer Länder recht mager aus. Großbritannien schickte neulich die Casting-Show-Jurorin Cheryl Cole an den Hindukusch. Bei der Bundeswehr ist allein die Wortwahl schon ein Rohrkrepierer: Eine "Betreuungsmaßnahme" soll es sein, wenn Gunter Gabriel mit Songs wie "Es steht ein Haus im Kosovo" versucht, die Moral der KFOR-Truppen zu steigern. In Afghanistan spielte Paul Kalkbrenner mal ein DJ-Set. Und Teilzeit-Kabarettisten wie "Der Flotte Dreier" bemühten sich, mit Kalauern die Stimmung aufzuhellen.

Zu Guttenberg und Kerner erreichten noch am ehesten das US-Level, sowohl was den Unterhaltungswert als auch das Medienecho anbelangt. Dabei bietet gerade die Verschränkung von Truppenbesuch und Berichterstattung großes Potential, das auch Schauspieler Clemens Schick erkannte. Seine Afghanistanreise war weit mehr als das übliche Sahnehäubchen auf dem Soldatenalltag. Während seines Aufenthalts ließ er sich von einem Kamerateam begleiten. Aus den Bildern entstand die Reportage "Der Truppenunterhalter: Clemens Schick spielt Theater in Afghanistan" - und trugen so zur Aufklärung der Deutschen über die Situation ihrer Soldaten bei. Wenn es also darum geht, Bildung und Unterhaltung zu kombinieren, sind wir sogar den Amis voraus.


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