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Interview mit Seenotretter Alexander Draheim Was ein Würzburger während seiner Zeit auf der "Sea-Eye 2" erlebt hat

Alexander Draheim war drei Wochen an Bord des Seenotrettungsschiffs "Sea-Eye 2". Im Interview erzählt der 24-jährige Würzburger, wie die Crew Ende Dezember 17 Flüchtlinge aus dem Mittelmeer gerettet hat und wieso er wütend und enttäuscht war.

Von: Uli Knapp

Stand: 18.01.2019 | Archiv

Seenotretter Alexander Draheim aus Würzburg | Bild: Sea-Eye

PULS: Alexander, wann und wie seid ihr auf die Flüchtlinge gestoßen, die ihr gerettet habt?

Alexander Draheim: Wir waren nördlich der libyschen Territorialgewässer auf Patrouille, als wir auf ein sehr kleines Holzboot mit 17 Leuten getroffen sind. Das war am Morgen des 29. Dezember. Wir haben die Flüchtlinge dann nach einigen Stunden aufgenommen und uns auf den Weg Richtung Malta gemacht. Vor Malta hat die eigentliche Odyssee begonnen: Elf Tage lagen wir vor der maltesischen Küste, weil wir nicht anlegen durften, übernommen hat Malta die Flüchtlinge aber auch nicht. Wir mussten auf See mehr oder weniger verharren. Das Ende der Mission war der 11. Januar.

Weißt du, woher die Menschen kamen, die ihr aufgenommen habt?

Das war ganz unterschiedlich. Insgesamt kamen sie aus fünf oder sechs Nationen: Sierra Leone, Nigeria, Elfenbeinküste und ich glaube auch Syrien war dabei. Unter ihnen waren eine Frau und zwei Jugendliche, ungefähr im Alter von 16 oder 17 Jahren.

Kannst du dich noch an den Moment erinnern, als ihr dann im Hafen von Malta anlegen durftet?

Naja, anlegen durften wir ja eigentlich nie, die Malteser hatten uns nur gebeten, ihnen die Geretteten auf hoher See zu übergeben. Die sind mit zwei Booten gekommen, haben bei uns quasi angedockt und als wir alle Flüchtlinge übergeben hatten, sollten wir wieder aus den Gewässern verschwinden. Ich weiß deswegen auch nicht, wo die Sea-Eye gerade ist. Ich glaube, sie ist auf dem Weg nach Griechenland, um einen anderen Hafen zu suchen.

Was ging in dir vor, als ihr nicht anlegen beziehungsweise an Land gehen durftet?

Wut. Wut und Enttäuschung bei uns allen. Das Paradoxe an der Sache war, dass wir ein deutsches Schiff mit deutscher Flagge in europäischen Gewässern waren und trotzdem nicht anlegen durften. Das war ungewohnt, denn mit deutschem Pass wird man ja überall mehr oder weniger mit offenen Armen empfangen und hat keine Probleme mit Ein- und Ausreise. Zu dem Zeitpunkt lagen wir eh schon drei Meilen vor Malta, damals wütete ein Sturm auf dem Meer. So wollte man uns Schutz geben, damit wir nicht weit draußen dem Unwetter ausgesetzt gewesen wären. Und so waren wir elf Tage der Spielball der Nationen beziehungsweise der Ämter, vielleicht auch einzelner Politiker. Wir alle empfanden das als eine bodenlose Unverschämtheit, das auf dem Rücken der geretteten Leute auszutragen, denen es wirklich nicht gut ging.

Kannst du dich noch an die Situation erinnern, als ihr die Leute vom Meer zu euch an Bord geholt habt?

Die Leute unter uns, die die Menschen an Bord geholt, also die Hand ausgestreckt und ihnen hoch geholfen haben, haben in die Gesichter von Leuten gesehen, die auf jeden Fall tot gewesen wären, wenn wir sie nicht gerettet hätten. Wie gesagt war damals sehr schlechtes Wetter auf See, das hätten die in ihrem kleinen Holzboot nie überlebt. Und so etwas darf nicht sein - dass eine NGO mit freiwilligen Helfern dafür verantwortlich ist, in Europa, an der europäischen Grenze Leben zu retten. Eigentlich sollten wir nicht notwendig sein, sondern überflüssig, weil staatliche Organisationen sich darum kümmern sollten.

Du warst an Bord der Medienkoordinator und hast die Aktionen gefilmt und fotografiert. Warum ist es wichtig, das zu dokumentieren?

Wenn es keine Filme darüber gibt, wenn es keine Fotos gibt, ist es nicht passiert. Das ist ja mittlerweile bei allem so. Spenden kann man nur generieren, wenn man andere auf einen Missstand aufmerksam macht. Und das gesamte Schiff und die Aktionen sind durch Spenden finanziert. Deswegen ist es für uns wichtig, häufig Output zu liefern und dadurch den Spendern, Großspendern und den Vereinsmitgliedern etwas zurückzugeben. Spenden bedeutet Geld ohne Gegenleistung zu geben. Wenn ich aber sehe, dass mit meinem Geld etwas Sinnvolles getan wird - wie Rettungswesten kaufen oder tatsächlich Leute retten - dann ist das natürlich ein größerer Anreiz noch mal zu spenden.

Wo kann man sich die Bilder und Filme denn ansehen?

Sehr viel Material findet man auf der Facebookseite der Sea-Eye, wir wollen aber auch noch viel auf den YouTube-Kanal stellen. Wir haben außerdem mehr als 2.000 Fotos gemacht und noch sehr viel weiteres Filmmaterial. Auch das werden wir in den nächsten Wochen über die verschiedenen Kanäle der Sea-Eye publizieren.

Sendung: Filter, 17. Januar 2019 ab 15 Uhr