4

Satirisches "Gruntgesets" für Reichsbürger Ainichkeit und Rächt und Freiheit

Gerade ist eine neue Version des Grundgesetzes erschienen. Es steht dasselbe drin wie in der gültigen Version, aber die 146 Artikel wimmeln vor Rechtschreibfehlern. Autor Gregor Weichbrodt will damit auf Reichsbürger aufmerksam machen.

Von: Johannes Berthoud, Ron Kühler und Alexandra Reinsberg

Stand: 08.01.2016

Gregor Weichbrodts Gruntgesets | Bild: Gregor Weichbrodt

"Gruntgesets für die Bundesrepublik Deutschlant" steht auf dem Umschlag von Gregor Weichbrodts neuer Version der Verfassung. Ouch! "GrunTgesetS"?! Ja, wirklich. Die Rechtschreibfehler sind Absicht.

Das Ganze ist ein Satireprojekt, um auf die Reichsbürger aufmerksam zu machen. Die Reichsbürger sind oft rechtsextreme Verschwörungstheoretiker. In ihren Augen gilt zum Beispiel das Grundgesetz nicht und sie halten die BRD für ein von den USA besetztes Land. Ihre Theorien verbreiten die Reichsbürger gerne im Internet - und genau daher hat Gregor Weichbrodt auch seine Rechtschreibfehler.

Vor einem Jahr hatte Weichbrodt mit seinem Kollegen schon den "Pegida Korpus" herausgegeben, ein Sammlung von 300.000 Pro-Pegida-Kommentaren. Schon damals waren ihm die vielen Schreibfehler aufgefallen. Um nicht das gesamte Grundgesetz mit Fehlern versehen abzutippen, hat Weichbrodt extra ein Programm entwickelt, das die Arbeit erledigt:

"Ich habe ein Programm geschrieben, dem ich die Schreibfehler beigebracht habe. Das Programm hat dann den Originaltext des Grundgesetzes aufgenommen und verunstaltet."

Gregor Weichbrodt im PULS Interview

Sein "Gruntgesets" soll aber keine wissenschaftliche Beobachtung sein. Und Weichbrodt garantiert auch nicht dafür, dass sich wirklich alle Fehler im Netz tummeln:

"Ich würde nicht behaupten, dass ich das Original-Schriftbild getroffen habe. Es ging eher darum, ein Phänomen abzubilden, als tatsächlich empirische Daten abzugeben."

Gregor Weichbrodt im PULS Interview

Experiment ohne politische Aussage?

Ihm sei aufgefallen, dass die Reichsbürger einem immer nur im Netz begegnen und sich dort oft auf eine ganz bestimmte Art und Weise äußern. Deshalb wollte er diese seltsame Sprache in die Offline-Welt holen. Das Ganze sei ein Experiment ohne klare konkrete politische Aussage. Es gehe ihm nicht darum, sich über die Schreibschwäche anderer Leute lustig zu machen, sagt Weichbrodt selbst.

Aber ob er will oder nicht: Ein "Gruntgesets", das mit diesem Artikel 1 beginnt, macht sich über Schreibschwächen und alle "besorgten Bürger" lustig, die Kommentare nur im Capslock-Modus schreiben und großzügig mit Ausrufezeichen umgehen:

"ARTIKEL (1) DIE WÜRDE DES MENSCHEN IST UNANTASTBAR!!!! SIE ZU ACHTEN UND ZU SCHÜTZEN IST FERPFLICHTUN ALLER STAATLICHE GEWALLT!!!!"

Auszug aus dem 'Gruntgesets'

Auch die Reaktionen auf sein provokatives Projekt zeigen das. Die meisten Leute würden darin eine abgehobene, oberflächliche Kritik sehen, so Weichbrodt, der die Diskussion um sein "Gundgesets" trotzdem in Ordnung findet. Denn ganz gleich, wie sein Projekt letztendlich aufgefasst wird: das Thema Reichsbürger ist in jedem Fall in den Köpfen angekommen.

"Das Ziel war, sich das Schriftbild der Bewegung anzueignen und in die Offline-Welt zu übertragen, in der man dieser rechtsnationalen Bewegung vielleicht reflexartig gerne aus dem Weg geht, weil es peinlich ist."

Gregor Weichbrodt im PULS Interview


4