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Anti-Pegida-Demo in München Endlich mal "Für" statt "Gegen"

12.000 Menschen haben sich gestern Abend in München versammelt, um ein Zeichen gegen Pegida zu setzen. Unser Autor war dabei und ist froh, dass sich im echten Leben mehr Menschen gegen Rechts stark machen, als auf seiner Timeline.

Von: David Würtemberger

Stand: 23.12.2014

Anti-Pegida-Demo in München | Bild: picture-alliance/dpa

In letzter Zeit hatte ich den Glauben an die Menschheit irgendwie verloren. Jedes mal wenn ich auf Facebook unterwegs bin, lese ich Posts voller Hass, Angst und Ablehnung. Ich sehe Videos von Flüchtlingen, die auf deutschem Boden in scheinbarer Sicherheit von Wachleuten misshandelt werden. Und ich sehe die grausamen Kommentare auf diese Videos. Weltschmerz befällt mich. Was wäre, wenn ich Hilfe bräuchte?

Zwei Tage vor Heiligabend, es ist 18 Uhr. Ich stehe auf dem Max-Josef-Platz in München. Normalerweise wuseln hier vor der Oper die Touristen. Jetzt aber haben sich tausende Menschen hier versammelt. Statt Selfie-Sticks halten sie Fahnen und Plakate hoch. Und ich stehe mitten drin. Der Leitspruch der Kundgebung: "Platz da! – Flüchtlinge sind willkommen!". Ausgerufen wurde sie vom Münchner Bündnis "Bellevue di Monaco". Es sprechen Aktivisten und Betroffene, der syrische Flüchtlingschor, bekannt aus der ZDF-Sendung "Die Anstalt", singt für die gebannte Menge. Immer wieder spielen Künstler und Bands: The Notwist, Sportfreunde Stiller, Fiva und viele mehr.

Auch die Staatsoper zeigt Solidarität.

Es sind so viele gekommen, die Polizei riegelt den Platz zwischenzeitlich ab. Wer nicht rein kommt, steht hinter der Bühne. Über 12.000 Menschen zeigen Solidarität mit Verfolgten und heißen Flüchtlinge willkommen. Es geht nicht ums "Gegen", es geht ums "Für". Für Hilfsbereitschaft, für Nächstenliebe, für Menschlichkeit.

Nennt mich ruhig Gutmensch. Denn ich weiß nicht, ob ich zittere, weil ich schon seit über zwei Stunden im Freien stehe oder weil ich wieder Hoffnung schöpfe. Hoffnung, dass "wir Deutschen" uns doch nicht in einer Festung abschotten, sondern Flüchtlinge willkommen heißen. Ich bin so gerührt, ich habe Tränen in den Augen und einen Kloß im Hals. Es beruhigt mich, dass im echten Leben mehr Menschen dem Hass entgegentreten als auf meiner Timeline. Und das zählt für mich mehr als Kommentare unter Facebook-Posts.


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