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Oscar Verleihung 2016 Rassismus, Rape und Roben

Schon im Vorfeld wurde die 88. Oscar-Verleihung mit #OscarsSoWhite kontrovers diskutiert. Bei der Verleihung heute Nacht gingen die Debatten auf der Bühne weiter. Und das ist das Beste, was dem Oscar hätte passieren können.

Von: Alexandra Reinsberg

Stand: 29.02.2016 | Archiv

Mark Rylance, Brie Larson, Leonardo DiCaprio and Alicia Vikander (v.l.n.r.) | Bild: dpa-Bildfunk/Paul Buck

Chris Rocks Eröffnungsrede setzte die Latte hoch. "If they nominated the host, I wouldn‘t even get this job", sagte der Comedian und spielte damit auf die heftige Kritik im Vorfeld der Oscarverleihung 2016 an. Schon zum zweiten Mal in Folge waren in den wichtigsten Kategorien keine Afroamerikaner nominiert.

Deftig ging es weiter. Um die verpassten Nominierungen wieder gut zu machen, sollten im traditionellen Nachruf-Film, der jedes Jahr die verstorbenen Kinogrößen ehrt, nur schwarze Menschen vorkommen. Und zwar diejenigen, die auf dem Weg ins Kino von Polizisten erschossen wurden, forderte Chris Rock. Warum es vor den 88. Oscars noch keine Proteste gegen diskriminierte und vergessene schwarze Schauspieler gab? "Wir Schwarzen waren damals damit beschäftigt, vergewaltigt und gelyncht zu werden", kommentierte Rock. "Wenn deine Großmutter an einem Baum hängt ist es schwer, sich auch noch um den besten Dokumentarfilm zu kümmern."          

Bei diesen Witzen wusste so mancher Prominenter im Publikum sichtbar nicht, wie viel Lachen noch politically correct wäre. Aber nicht nur der Host positionierte sich klar - auch die Preisträger und Acts setzten Statements.

Lady Gaga kämpft gegen Rape Culture

Besonders Lady Gagas Performance von "Til It Happens To You" war ein Highlight des Abends. Den Song hatte Lady Gaga für den Dokumentarfilm "The Hunting Ground" geschrieben, der sich mit Vergewaltigungen an US-Unis beschäftigt. Um auf den Kampf gegen Rape Culture aufmerksam zu machen, holte Lady Gaga einen Chor von Opfern sexueller Übergriffe auf die Bühne. Das Publikum würdigte das mit standing Ovations, auch wenn Sängerin Kesha nicht wie erwartet bei dem Auftritt dabei war.

Eine wunderbare Geste kam auch von der "besten Hauptdarstellerin" Brie Larson. Als die Kameras aus waren, umarmte sie jedes einzelne Chormitglied. Schließlich hatte sie sich für ihre ausgezeichnete Rolle im Film "Room" mit dem Thema beschäftigt. Larson spielt darin eine Frau, die seit sie 17 ist von einem Triebtäter gefangen gehalten wird.

Missbrauch, Rassismus, Diskriminierung

Rassismus und Vergewaltigung, zwei an sich schon unglaublich relevante und bedrückende Themen. Damit war bei der diesjährigen Oscarverleihung aber noch nicht Schluss. Die Auszeichnung für "Spotlight" als besten Film des Jahres brachte auch noch den Missbrauch in der katholischen Kirche zur Sprache. Der Produzent des Films rief sogar den Papst auf, endlich etwas gegen Vergewaltigungen zu unternehmen. Die Auszeichnung von Alicia Vikander als "beste weibliche Nebendarstellerin" in "The Danish Girl" lenkte dann Aufmerksamkeit auf den Umgang mit Transsexuellen.

Ausgezeichnet für die beste Regie bei "The Revenant" äußerte sich auch der Mexikaner Alejandro González Iñárritu zu den rassistischen Übergriffen in Amerika: "Wir haben die Möglichkeit uns frei zu machen von allen Vorurteilen, um sicherzustellen, dass ein für alle Mal deine Hautfarbe so unwichtig wird wie deine Haarlänge."

Und wo wir schon bei "The Reventant" sind: Selbst Leonardo di Caprio, der endlich, endlich mit einem Oscar für den besten Hauptdarsteller geehrt wurde, brachte in seiner Dankesrede noch den Klimawandel unter.

Der großen Gala haben die kritischen Hiebe und kontroversen Themen auf jeden Fall gut getan. Bleibt zu hoffen, dass die Jury aus der Kritik in diesem Jahr wirklich Konsequenzen zieht. Anfangen könnten sie beispielsweise bei der eigenen Besetzung. Die Academy hat insgesamt 6261 wahlberechtigte Mitglieder: Noch sind 94 Prozent davon weiß, 77 Prozent der Jurymitglieder sind männlich.


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