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Klammern um jüdische Namen Wie rechte Trolle Leute als Juden kennzeichnen

Drei Klammern um den Nachnamen: So markieren Neonazis und Trump-Anhänger in den USA jüdische Menschen auf Twitter. Und schicken ihnen einen Shitstorm aus Hass auf die Timelines. Eine Gegenbewegung nutzt jetzt das gleiche Zeichen.

Von: Christine Auerbach, Hardy Funk

Stand: 07.06.2016 | Archiv

Nazis und Trump-Anhänger trollen Juden in sozialen Netzwerken, indem sie drei Klammern um ihre Nachnamen schreiben | Bild: BR

Wer auf Twitter oder in Foren unterwegs ist, hat sie vielleicht schon mal gesehen: Jüdisch klingende Namen, die in dreifachen Klammern stehen - also nach diesem Muster: (((Nachname))). Vor allem auf amerikanischen Seiten und Accounts verbreitet sich diese seltsame Art der Kennzeichnung. Dahinter verbirgt sich ein Code unter Nazi-Trollen, die so jüdische Leute taggen - und ihnen damit eine Art virtuellen Judenstern anheften. Damit machen sie den getaggten Leuten klar: Wir beobachten dich. Und sie ermuntern andere rechte Trolle, die Betroffenen zu beschimpfen und zu beleidigen - bis hin zu Morddrohungen.

Diese Art des Trollings trifft zurzeit vor allem Journalisten und Autoren, die gegen den US-Präsidentschaftskandidaten Donald Trump sind, wie zum Beispiel den New-York-Times-Autor Jonathan Weisman. Die drei Klammern werden also von einer unguten Mischung aus Neonazi-Trollen und "Alles, was nicht weißes Amerika ist"-Hassern genutzt - den sogenannten Alt-rights, von denen sich viele unter den Trump-Anhängern finden.

Eine eher unrühmliche Rolle in dieser Sache spielt auch Google: Nazi-Trolle haben nämlich anscheinend ein Addon für Google Chrome entwickelt, das diese Klammern automatisch um jüdisch klingende Namen setzt. Das hat die Technik-Nachrichtenseite Mic letzte Woche rausgefunden. Google hat diese Erweiterung zwar mittlerweile blockiert, die Sache aber nicht weiter kommentiert.

Ursprünglich waren die Klammern mal ein Zeichen dafür, dass man eine Person virtuell umarmt. Die Neonazis haben wohl vor allem deshalb auf diese Art der Kennzeichnung zurückgegriffen, weil man mit Suchmaschinen nicht nach Satzzeichen suchen kann. Die Klammern bekommen also nur die mit, die sie um ihren eigenen Namen sehen, und diejenigen, die den Neonazis in sozialen Netzwerken folgen. Man kann sie nicht einfach googeln und einzelne Posts kann man auch nur sehr schwer zurückverfolgen. Die Täter bleiben also meistens unbekannt.

Es gibt jetzt aber auch eine Gegenbewegung. Auf Twitter lassen Leute die Klammern trenden, damit andere darauf aufmerksam gemacht werden und es kein geheimer Code unter Nazis mehr ist und auch, um darauf aufmerksam zu machen: Antisemitismus, das ist nichts, was es nicht mehr gibt. Das ist immer noch ein aktuelles, ätzendes Problem. So setzt zum Beispiel der Journalist Yair Rosenberg - der für eine jüdische Zeitschrift schreibt und sich schon lange gegen Antisemitismus im Netz wehrt - seinen eigenen Namen in Klammern.

Das hilft allerdings nicht, das größte Problem anzugehen: Dass Twitter, Facebook und Google immer noch keine Strategie haben, wie man gut und schnell auf Hate Speech und andere Hassattacken reagieren kann.


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