Moderne Ausbeutung Sklaverei 2.0

Sklaverei ist im Jahr 2018 kein Thema mehr! Leider falsch. Weltweit schuften mehr Menschen als je zuvor als moderne Sklaven, oft unter furchtbarsten Bedingungen. Daran kann und muss sich etwas ändern.

Von: Miriam Harner

Stand: 23.08.2018

Moderne Sklaverei | Bild: BR

Die meisten von uns denken beim Thema Sklaverei wahrscheinlich an schwere Ketten, Peitschenhiebe und Zwangsarbeit auf Baumwollplantagen. An eine Sache also, die nichts mehr mit unsrer modernen Welt zu tun hat. Aber: Menschenhandel und Zwangsarbeit gibt’s immer noch und zwar mehr als je zuvor! 2016 mussten nach Schätzungen des Global Slavery Index weltweit über 40 Millionen Menschen gegen ihren Willen ackern - und das, obwohl Sklaverei eigentlich in jedem LAnd der Welt offiziell verboten ist.

Produkte aus Sklavenhand finden sich überall in unserem Alltag: in unseren Smartphones, unseren T-Shirts oder unserem Morgenkaffee. Und jetzt haltet euch fest: Jeder von uns hält sich im Schnitt 60 Sklaven - indirekt versteht sich. Auf www.slaveryfootprint.org kann sich jeder ausrechnen lassen, wie viele persönliche Sklaven für seinen Konsum arbeiten müssen. Das Hauptproblem dabei sind oftmals die Lieferketten. Viele Produzenten achten nicht darauf, woher die Baumwolle für ihre Shirts, die Kaffeebohnen im Latte Macchiato oder die Metalle, die im Smartphone stecken, kommen.

Armut macht Menschen zu Sklaven

Die Ursache für diese Verbrechen gegen die Menschenwürde ist wie so oft Armut. Menschen in Entwicklungsländern wie Pakistan oder Kambodscha müssen sich oft für Dinge verschulden, die wir einfach aus der Portokasse zahlen können. Wenn zum Beispiel in der Familie jemand krank wird und ein bestimmtes Medikament braucht, dann kostet das für dortige Verhältnisse oft ein Vermögen.

Mal angenommen, die Menschen leihen sich 20 Euro, also aus unserer Perspektive nicht viel Geld: Das reicht schon, um einen wahren Teufelskreis in Gang zu setzen, sagt Dietmar Roller von der Menschenrechtsorganisation International Justice Mission.

"Dann heißt es: Okay, ihr könnt das Geld nicht zurück zahlen, aber ihr könnt es abarbeiten. Und dann kommen dieses Leute irgendwo in eine Vorproduktion von Textilien, in einen Steinbruch oder in die Lederproduktion. In drei Wochen sollten sie alles abgearbeitet haben, aber dann kommt für Unterkunft, für Verpflegung und den Transport so viel Geld drauf, dass sie am Ende mehr Schulden haben als vorher."

Dietmar Roller von www.ijm-deutschland.de

Es gibt deshalb Fälle, bei denen ganze Familien wegen läppischen 20 Euro in der dritten Generation versklavt sind.

Jeder kann was tun

Wer jetzt denkt: Ist mir doch wurscht, klingt nach nem klassischen Dritte-Welt-Problem, der irrt sich gewaltig. Denn auch in Deutschland leben laut Global Slavery Index knapp 170.000 moderne Sklaven. Dabei handelt es sich vor allem um Frauen aus Osteuropa und Russland, die zur Prostitution gezwungen werden, sagt Dietmar Roller.

"Wir haben hier in Deutschland ein sehr liberales Gesetz für Prostitution und wir haben sehr viele Menschen, die in der Prostitution arbeiten. Aber 80% der Frauen in Deutschland kommen aus dem Ausland und von denen ist ein großer Teil eben nicht freiwillig hier."

Dietmar Roller

Wie so oft stellt sich die Frage "Was tun?". Klar, wir können keine Frauen aus der Zwangsprostitution retten. Aber auf andre Weise können wir unseren Beitrag dazu leisten, dem weltweiten Sklavenhandel ein Ende zu bereiten:

Kauft Fair Trade-Klamotten und fragt nach, woher die Produkte kommen. Statt des neuen iPhones oder Samsung-Handys könntet man sich zum Beispiel ein FairPhone kaufen. Das klingt sehr banal und das ist es ja eigentlich auch - jetzt müssen wir nur noch danach handeln. Denn Menschen sind keine Ware.

Sendung: Filter vom 23.08.2018 - ab 15 Uhr