Jetzt Who R U? Anderson .Paak

Info Der kalifornische Rapper und Sänger Brandon Paak Anderson nennt sich Anderson .Paak. Der Punkt ist kein Tippfehler unsererseits. Aber langsam sollte das wirklich jeder wissen. Dieser Typ hat HipHop auf ein neues Level gehoben.


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Interview // Laura Ramirez Amerikanerin zweiter Klasse

Flucht für die Kinder: Weil ihre Eltern durch den Rio Grande schwammen, wurde Laura Ramirez in den USA geboren. Im Interview erzählt sie, warum sie sich trotz amerikanischem Pass nicht als vollständige Amerikanerin fühlt.

Von: Christine Auerbach

Stand: 27.06.2014

Laura Ramirez | Bild: Christine Auerbach

Laura Ramirez sitzt im "Boys and Girls Club" in einem Vorort von Atlanta. Hier ist sie aufgewachsen, wie sie sagt. Seit sie zehn Jahre alt ist, kommt sie in den Club. Er ist ihr zweites Zuhause. "Eigentlich sogar mein erstes", sagt Laura. Weil die Eltern arbeitsbedingt wenig Zeit hatten, sind auch ihre drei Geschwister hier aufgewachsen.

PULS: Aus was für einer Familie kommst du?

Laura Ramirez: Meine Eltern stammen aus Mexiko. Sie sind vor 24 Jahren hierher gekommen. Meine Mama war damals schwanger mit meinem Bruder. Sie hat gesagt: meine Kinder müssen amerikanische Staatsbürger werden. Sie sagt immer, dass sie gar nicht richtig verstanden hat, was das bedeutet, aber dass sie wusste, dass es wichtig ist. Und der einzige Weg, um uns mehr Chancen, mehr Möglichkeiten im Leben zu geben. Wir hatten Glück, dass unsere Eltern verstanden haben, was es bedeutet, in den USA geboren zu sein. Alle meine Geschwister und ich sind hier geboren.

Wie sind sie in die USA gekommen?

Meine Eltern kamen "durch den Fluss", wie sie es nennen. Mein Vater het drei oder vier Mal die Grenze überquert. Er sagt, er musste erst einmal schauen, wie es da drüben ist. Ob es wirklich so ist wie in den Filmen. Als er es mochte, hat er meine Mutter nachgeholt.

Wie lief die Flucht deiner Eltern ab?

Meine Mutter kann nicht schwimmen. Als dann der Fluss kam, sagte sie: Ich kann einfach nicht. Ich gehe unter. Sie haben uns immer erzählt, wie furchtbar das war. Mein Vater sagte ihr, sie soll es für die Kinder tun. Irgendwie hat sie es dann geschafft. Wenn du heute von Mexiko in die USA willst, dann kannst du durch die Wüste kommen, durch den Fluss, oder du springst auf den Zug auf, der die Grenze passiert. Es gibt Geschichten von Leuten, die einen Arm oder ein Bein verloren haben, als sie aufspringen wollten.

Auch in deinem Umfeld?

Eine meiner Verwandten ist in der Wüste verloren gegangen, weil die so groß ist, dass du wirklich wissen musst, wie du durchkommst. Es gibt Schleuser, die einen durchführen. Dort gibt es jetzt so viel Security. Aber die Leute versuchen es immer noch und schaffen es auch. Schon lustig irgendwie, da bauen sie immer neue Barrieren. Aber die Leute finden immer neue Wege.

Wie lange waren deine Eltern illegal in den USA?

Sie mussten zehn Jahre warten, bis sie sich um Papiere bewerben konnten. Dieses Verfahren läuft immer noch. US-Bürger sind sie immer noch nicht, aber sie sind jetzt wenigstens offizielle Einwohner von Georgia. Mein Vater hat sehr gut Englisch gelernt. Er ist Restaurantchef und oft unterwegs in verschiedenen Bundesstaaten. Er betreut neun verschiedene Läden. Das ist wirklich großartig: Mein Vater hat als Tellerwäscher angefangen, ganz unten. Und jetzt ist er diese große Person. Er wollte immer besser sein und uns zeigen, dass wir alles erreichen können.

Und heute?

Inzwischen haben sie eine Arbeitserlaubnis. Ihre Arbeitgeber wussten von Anfang an, dass sie illegal sind. Aber mein Vater war schon ein bekannter Koch und sein Arbeitgeber trug das Risiko mit. Die Stelle hat ihnen eine Aufenthaltserlaubnis für Georgia ermöglicht und eine Arbeitserlaubnis. Mein Vater sagt jetzt: Super dass ich offiziell arbeiten darf, aber ich bin immer noch eingeschränkt, weil ich nicht fahren darf. Arbeiten – aber nicht fahren, das ist ein großes Problem für uns.

Du meinst Autofahren?

Genau. Das dürfen meine Eltern nicht, sie müssen öffentlich fahren. Hier in Georgia gibt es das Gesetz, dass du schon ein paar Jahre offiziell hier wohnen musst, oder eben US-Bürger sein musst, um den Führerschein machen zu dürfen. Und meine Eltern sind noch nicht lange genug Bürger hier. Also fahre ich sie immer - was schwer ist, weil ich Vollzeit studiere. Mein Bruder und ich teilen uns auf, einer macht die Tagschicht, einer die Nachtschicht. Wir gehen damit auf Nummer sicher, weil wenn meine Eltern erwischt werden ohne Führerschein, dann könnte man sie ins Gefängnis werfen oder sofort zurückschicken. Mein Papa sagt, immer, bis wir herausgefunden hätten, wo sie sind, wäre er wahrscheinlich schon nach Mexiko abgeschoben.

Du dagegen hast einen amerikanischen Pass. Fühlst du dich als US-Bürgerin?

Nicht wirklich. Mir passiert es immer noch, dass mich Leute nach meinem Nachnamen beurteilen, meiner Hautfarbe oder sogar meiner Sprache. Manchmal rufe ich irgendwo an und sie verbinden mich mit der "internationalen Abteilung". Nur weil mein Nachname spanisch klingt. Dann sage ich: ich bin keine ausländische Studentin oder Angestellte. Ich bin hier geboren. Ich fühle mich nicht als vollständiger Amerikaner, obwohl ich einer bin. Ich denke nicht, dass wir jemals so anerkannt sein werden, wie wir sollten.


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