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"Wunderwuzzi" Sebastian Kurz Wie wird man Kanzler mit 31?

Sebastian Kurz wird wohl der jüngste Regierungschef Europas – mit nur 31 Jahren. Wer steckt hinter dem politischen Talent und wie hat er es so schnell an Österreichs Spitze geschafft?

Von: Paul Schedelbeck

Stand: 16.10.2017 | Archiv

Sebastian Kurz, ÖVP am 15.10.2017 | Bild: picture-alliance/dpa

Fast jeder von uns hat das schon mal gemacht: Einen Brief an sich selbst schreiben. Wünsche und Ziele für die nächsten Jahre in ein hübsches Kuvert stecken – und später irgendwann mal wieder lesen. Ob Sebastian Kurz das auch gemacht hat? Und wenn ja – stand in seinem Brief: "Mit 31 wirst du Bundeskanzler"?

Wohl kaum. Aber jetzt hat er genau das so gut wie geschafft. Die Wahlen in Österreich hat seine Partei, die ÖVP gewonnen – und Sebastian Kurz wird wohl der neue österreichische Kanzler werden.

So richtig geplant hat er das vielleicht nicht, allerdings wusste er schon früh in seiner Karriere, welche Knöpfe er für den größtmöglichen Erfolg drücken muss.

Aufmerksamkeit um jeden Preis

Spätestens seit den Landtagswahlen 2010 ist Kurz in ganz Österreich bekannt. Stellt euch vor, ein 24 Jahre alter Jura-Student mit blauem Hemd und zurückgegelten Haaren stellt sich vor die Kamera und sagt: 

"Der Wahlkampf wird geil werden, weil jeder weiß in der jungen ÖVP: Schwarz macht geile Politik, Schwarz macht geile Partys und Schwarz macht Wien geil und daher starten wir die Jugendkampagne 'schwarz macht geil'."

 Sebastian Kurz im Wahlkampf 2010

Für seine Kampagne posierte Sebastian Kurz mit Mädchen in Hotpants auf einem Hummer SUV, seinem sogenannten "Geil-O-Mobil" und verteilte Kondome als "Geilmacher-Gummis". Und alle so: Was ist denn das für ein Typ?

Arbeitstier und Netzwerker

Einer, der weiß, was er tut. Das wird deutlich, als er nach dem Wahlkampf 2010 gezielt auf sein "Geil-O-Mobil" angesprochen wird.

"Das war im Wahlkampf aktiv. Wahlkampf ist Wahlkampf. Ich habe in der jungen ÖVP sehr viele Kampagnen gemacht. Manche waren erfolgreicher, manche waren weniger erfolgreich."

Sebastian Kurz im ORF, angesprochen auf sein 'Geil-O-Mobil'.

Das war Kalkül. Kurz wusste: Nach dieser Aktion werden mich alle kennen. Sein rhetorisches Talent half ihm danach, in Interviews immer souverän zu wirken und sein Ehrgeiz, seine Parteikollegen und Wähler zu beeindrucken. Das Geil-O-Mobil-Image konnte er schnell hinter sich lassen, gleichzeitig baute er sich ein großes Netzwerk aus einflussreichen Personen auf. Kurz ist Vollblut-Politiker. Sein Jurastudium hat er nie beendet – um sich ganz seiner Karriere zu widmen.

"Er ist jemand, der jeden grüßt, der ihm über den Weg läuft, der ein sehr gutes Gedächtnis hat, der auch an persönliche Dinge denkt, wie einen Geburtstag, oder, weiß ich nicht jemand eine Prüfung hat oder es ihm nicht gut geht."

ÖVP-Politiker Asdin El Habbassi im ORF über Sebastian Kurz

Bettina Rausch, Abgeordnete im Niederösterreichischen Landtag, beschreibt Kurz als Arbeitstier: "Er ist unglaublich fleißig. Wenn es darum geht, sich in neue Aufgaben einzuarbeiten, da habe ich immer auch mitbekommen, dass er keine Feiertage kennt, keine Wochenenden und keine Abende." Auch die Gesundheit bleibt da schon mal auf der Strecke.

"Es kann durchaus passieren, dass Sebastian mal Maltesers oder Gummibären irgendwie schnell einkauft auf der Tankstelle und dann meint, das wäre das Mittagessen für das Team, wenn man unterwegs ist. Er hält das offensichtlich aus – ich oft nicht so gut."

Bettina Rausch, langjährige Weggefährtin von Sebastian Kurz

Wunderwuzzi und Meister der Inszenierung

Dass sich Sebastian Kurz trotz seines jungen Alters schon in großen politischen Ämtern behaupten konnte, hat ihm in Österreich den Spitznamen "Wunderwuzzi" (Tausendsassa) beschert.

Schon mit 27 wurde Kurz Außenminister von Österreich – und das war, bis zu seinem jetzigen Wahlsieg, seine Sternstunde. Als 2015 viele Flüchtlinge über die Balkanroute nach Europa kamen, preschte er vor: Die Balkanroute solle geschlossen werden. Mit seinen strengen Positionen in der Flüchtlingspolitik konnte er sich perfekt als tatkräftig und entschlossen inszenieren. 

Der Innsbrucker Politikwissenschaftler Reinhold Gärtner beschreibt Kurz als Strategen, "eine Projektionsfläche für die Wünsche und Ansprüche der Menschen". Ob er den Wünschen und Ansprüchen wirklich gerecht werden kann, muss Sebastian Kurz wohl bald beweisen – als jüngster Regierungschef Europas.

Sendung: Filter, 16.10.2017, ab 16 Uhr