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Interview // Welcome Feder Ein Zeichen für Flüchtlingshilfe

Atomkraft nein Danke, die Pace- oder die Regenbogen-Fahne: Viele Organisationen und Bewegungen haben ihr eigenes Symbol. Der Flüchtlingshilfe fehlt so etwas noch. Zwei Münchner wollen das jetzt ändern - mit der Welcome Feder.

Von: Matthias Hacker

Stand: 15.07.2015

Welcome Feder | Bild: Khudor Lamaa

Die Welcome Feder will so etwas sein wie die Pace-Fahne für die Friedensbewegung oder die "Atomkraft Nein Danke"-Sonne bei den Atomkraftgegnern: Ein organisations- und politikübergreifendes Zeichen, das besagt, dass Flüchtlinge willkommen sind, ein Zeichen für Toleranz. Die Idee kommt von Andi und seinem Freund Khudor, dem Besitzer des "beirut beirut", einem Falafel-Restaurant im Münchner Schlachthofviertel. Khudor ist selbst Libanese und kam mit sechs Jahren nach Deutschland. Heute beschäftigt er in seinem Restaurant syrische Flüchtlinge. Er, seine Frau, seine Schwägerin und Andi machen die Welcome Feder im Alleingang, sie lassen sie drucken und sie verschenken sie im Laden, damit sie überall klebt.

PULS: Khudor, du und Andi, ihr habt ein Symbol entworfen und nennt es die "Welcome-Feder". Sie ist in Regenbogenfarben angemalt und beschriftet mit dem Wort "Welcome". Das Ganze gibt’s auch als Aufkleber, den man überall hinkleben kann. Wieso habt ihr euch ausgerechnet für eine Feder entschieden?

Khudor Lamaa: Es ging uns darum, ein Zeichen zu setzen, das sich auch ohne Worte erklärt. Anfangs ist es jetzt noch beschriftet, aber irgendwann wollen wir dann auch das "Welcome" weglassen und auch die Unterschrift, sodass die Feder für sich alleine steht. Wenn man sich mit der Symbolik etwas auseinandersetzt, dann lernt man, dass die Feder in der Geschichte der Menschheit eigentlich schon immer ein Zeichen für Solidarität, für Freiheit und für Menschlichkeit war, auch in verschiedenen Kulturen. Wir haben dann länger darüber nachgedacht, was es für ein Symbol werden könnte. Meine Frau und meine Schwägerin, die Tine und die Katja, sind Designerinnen und haben sich auch über mehrere Wochen mit der Thematik auseinandergesetzt – bis sie dann auf die Feder gekommen sind. Und wie man sieht, ist es sehr gelungen - also das finde ich zumindest. Es ist auf der einen Seite optisch ansprechend und auf der anderen Seite geht es aber auch um einen Inhalt, der damit ausgedrückt werden soll.

Vermutlich ist es auch kein Zufall, dass ihr die Idee gerade jetzt hattet, da Flüchtlinge aktuell natürlich ein großes Thema sind?

Das ist absolut kein Zufall. Genau darum geht es ja auch. Es ist ein Thema, das uns schon länger beschäftigt und auch in Zukunft mehr und mehr für uns alle ein Thema werden wird. Der Flüchtlingsstrom wird zunehmen, er wird auf keinen Fall aufhören. In der gesamten Welt nehmen Not und Elend leider mehr und mehr zu und das bedeutet, dass immer mehr Menschen versuchen werden, nach Europa zu kommen. Und wer sich jetzt gerade nicht damit befasst, der verschläft da leider etwas.

Ihr seid keine große Organisation wie beispielsweise Amnesty International oder Human Rights Watch. Warum denkt ausgerechnet ihr euch so ein Symbol aus?

Naja, wir haben gedacht, dass es möglich sein muss, ein kleines Zeichen zu setzen. Und zwar ohne Bürokratie, ohne Politik und ohne Organisationen. Also: Was können wir als einfache Leute dafür tun, um Aufmerksamkeit für dieses Thema zu schaffen? Oder vielleicht auch einen Weckruf zu starten. Mehr ist es eigentlich nicht, aber eben auch nicht weniger. Wir wollen einfach zum Nachdenken animieren und die Leute dazu bringen, sich mit der Thematik auseinanderzusetzen. Es sollen sich Meinungen bilden, es sollen sich Haltungen bilden. Wir wollen sensibilisieren, darum geht es am Ende. Und wir haben darin jetzt einen unkomplizierten und direkten Weg gefunden, um genau das zu tun.

Für dich ist es aber auch nur der nächste Schritt, den du gehst. Du betreibst ja auch ein Restaurant, in dem du syrische Flüchtlinge beschäftigst. Wie viel Aufwand steckt dahinter? Denn für sie ist es doch recht schwierig, hier zu arbeiten, oder?

Stimmt, einfach ist es wirklich nicht. Aber für Syrer ist es immer noch wesentlich einfacher, als für andere Flüchtlinge, die aus Nicht-Kriegsgebieten kommen und als "Wirtschaftsflüchtlinge" gelten. Bei solchen Menschen kann es Jahre dauern, bis eine Arbeitserlaubnis da ist. Bei Syrern hingegen wird erst festgestellt, ob sie auch wirklich aus Syrien kommen. Und von da an können sie dann eigentlich auch arbeiten. Das geht meist Hand in Hand mit der Aufenthaltserlaubnis. Je nach Fall kann es trotzdem zwischen fünf und sechs Monaten dauern. Es ist generell aber schon besser geworden. Wenn man daran zurückdenkt, wie es war, als wir damals vor 30 Jahren nach Deutschland gekommen sind, da war es noch außergewöhnlich, als mein Vater gesagt hat, dass er arbeiten möchte. Damals hieß es noch: "Ihr wollt doch gar nicht arbeiten!" Mein Vater ist dann vor Gericht gegangen und hat seine Arbeitserlaubnis über zwei Jahre eingeklagt. Das war damals in Bayern glaube ich der erste Fall. Von diesem Aspekt her betrachtet ist es jetzt einfacher, aber man muss auch dazu sagen, dass dies eben nur für Flüchtlinge gilt, deren Asylstatus anerkannt wurde. Andere können, wenn es blöd läuft, auch mal zehn Jahre auf ihre Arbeitserlaubnis warten.

Ihr wollt mit dem Symbol also daran was ändern. Wo bekomme ich die Feder denn?

Ich habe die Möglichkeit, die Federn über meine Läden als kleinen Anlaufpunkt und Quelle zu nutzen und sie dort kostenlos auszulegen. Außerdem haben wir eine Homepage eingerichtet, auf der man sich einen kostenlosen Download holen kann. Damit kann man dann auch selbst was Kreatives anfangen und die Feder auf T-Shirts drucken oder auf Buttons, Fahnen, was auch immer. Das ist völlig frei, da freuen wir uns auch über Ideen und kreativen Umgang damit.


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