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#merkelstreichelt Was die Kanzlerin eigentlich hätte sagen sollen

Mit Shitstorms macht Angela Merkel eher selten von sich reden. Als sie vor Kurzem als Reaktion auf ein weinendes Flüchtlingsmädchen nicht mehr als Streicheln parat hatte, tobte das Netz. Dabei hätte es Alternativen gegeben.

Von: Matthias Hacker

Stand: 17.07.2015

"Schnellere Asylverfahren, das kann die Bundesregierung machen, mehr aber auch nicht." Das waren die Worte von Angela Merkel in einem Gespräch mit einer 14-Jährigen aus dem Libanon, die in Deutschland bleiben möchte. Das Video, das am Donnerstag veröffentlicht wurde, ist immer noch ein großes Thema. Dafür gab es viel Kritik für die Bundeskanzlerin. Aber auch Häme. All das hätte es womöglich gar nicht gebraucht. Denn die Kanzlerin war wohl etwas hinterher, was die aktuelle Flüchtlingspolitik betrifft. Ein Interview mit unserem Berlin-Korrespondenten Achim Wendler.

PULS: Dann verrat uns mal, Achim: Was hätte Angela Merkel eigentlich antworten sollen?

Achim Wendler: Sie hätte zum Beispiel sagen können: "Moment mal, wir haben gerade das Aufenthaltsrecht und das Bleiberecht reformiert und demnach sind die Kriterien jetzt deutlich lockerer für Leute, die hier in Deutschland bleiben wollen." Ausländer, insbesondere Jugendliche, die sich integrieren, müssen jetzt nicht mehr wie bisher sechs Jahre in Deutschland leben, sondern nur noch vier Jahre. Und dieses Mädchen, Reem heißt sie, ist jetzt genau seit vier Jahren in Deutschland. Sie ist integriert, spricht super Deutsch, das heißt, auf sie würde dieses Gesetz zutreffen. Eigentlich hätte die Kanzlerin genau das sagen müssen - dann wäre alles gut gewesen. Vielleicht ist sie einfach zu gestresst wegen der Griechenlandkrise. Denn eigentlich ist Frau Merkel immer sehr gut in solchen Details.

Wie sind denn die Chancen für Reem und vor allem für ihre Eltern? Oder auch für andere Menschen in derselben Situation?   

Für Reem stehen die Chancen insgesamt sehr gut. Man muss das natürlich noch mal genau prüfen: Die Leute, die über Asylanträge entscheiden, schauen dann, ob auch alles stimmt. Sie prüfen, ob Reem wirklich seit vier Jahren da ist, ob sie nichts gegen die freiheitlich-demokratische Grundordnung hat, denn das ist auch noch eine Voraussetzung. Was die Eltern angeht, sieht es auch sehr gut aus. Sie müssten ja dem Gesetz zufolge sechs Jahre in Deutschland sein. Seit vier Jahren sind sie schon hier. Das heißt also, sie müssten noch zwei Jahre geduldet werden - und dann hätten sie auch ein dauerhaftes Bleiberecht. Die Sorgen von Reem, dass ihre Eltern womöglich zurück in den Libanon müssen, sind dann eigentlich unbegründet - wenn dieses Gesetz auch tatsächlich so angewendet wird. Insgesamt sollen 30.000 Ausländer, die im Moment in Deutschland nur geduldet sind, von diesem Gesetz profitieren.

Gestern ging der große Shitstorm im Internet los. Wie hat Angela Merkel darauf reagiert? Hat das Bundeskanzleramt irgendetwas rausgelassen? 

Nein, sie selber hat nicht reagiert. Dafür aber das Bundespresseamt – und zwar ganz merkwürdig. Sie haben über den Bürgerdialog, der vor zwei Tagen in Rostock stattgefunden hat, ganz ausführlich berichtet. Der komplette 88-Minuten-Mitschnitt der Veranstaltung stand im Internet. Außerdem gab es auf bundesregierung.de eine Art Wortbericht zu lesen. Und da stand dann, das Mädchen Reem habe "vor Aufregung weinen müssen". Als dann im Internet so langsam der Ärger unter dem Hashtag #merkelstreichelt losbrach, wurde dieser Eintrag noch mal geändert. Und jetzt steht dort "das Mädchen sei in Tränen ausgebrochen". Von Aufregung ist also keine Rede mehr. Denn das war nun wirklich eine recht besondere Wahrnehmung des Berichterstatters.


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