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Obdachlos im Winter Warum Münchner Obdachlose Kunststoff-Iglus bekommen sollen

Kunststoff-Iglus für Obdachlose – das ist die Idee eines CSU-Stadtrats in München. Doch die Obdachlosen fühlen sich missverstanden. Denn das eigentliche Problem wird damit nicht gelöst.

Von: Tobias Krone

Stand: 05.12.2018 | Archiv

Iglus für Obdachlose in München? | Bild: BR

In Paris und Bordeaux werden sie schon ausprobiert und sollen Obdachlose vor dem Erfrieren schützen: weiße Iglus aus *Kunststoff und Aluminium. Auch in München könnten diese Iglus, die 200 Euro pro Stück kosten, demnächst an Obdachlose ausgegeben werden, so die Idee von CSU-Stadtrat Reinhold Babor. Da manche Obdachlose die Kälteschutzangebote der Stadt nicht annehmen würden, könnten ihnen die Iglus helfen. Außerdem würden die Iglus ein besseres Bild abgeben "als die Matratzenlager, die wirklich nicht schön sind".

In Kälteschutzeinrichtungen fühlen sich manche Obdachlose nicht sicher

Diese Matratzenlager gibt es in Großstädten oft unter Brücken und in Straßenunterführungen. Kürzlich hat sie das Wohnungsamt in München geräumt – unter Protest ihrer Bewohner und Unterstützer. Das Wohnungsamt sagt: Im Winter gibt es Schlafplätze für alle im Kälteschutzprogramm. Doch manche Obdachlosen verzichten darauf, weil sie dort nicht übernachten wollen, wie auch Ismet Yashar. Er wohnt unter der Brücke in München – und schläft dort auch, lieber als in der Kälteschutzunterkunft. Dort in den Schlafsälen ist es ihm zu laut.

Ismet Yashar | Bild: BR

"Ein Problem mit der Einrichtung ist, dass man erst ab 17 Uhr reindarf. Und um 7 Uhr müssen müssen wir wieder raussein. Wir können unsere Sachen da nicht lassen, das ist auch ein Problem."

Ismet Yashar, Obdachloser aus München

Außerdem können Obdachlose ihre Sachen dort nirgends einsperren – manche fürchten, nachts von anderen in der Unterkunft beklaut zu werden.

Jeder hat ein Recht auf eine Wohnung – nur EU-Ausländer nicht

Eigentlich bekommt jeder ein Dach über dem Kopf. Wenn jemand seine Wohnung nicht bezahlen kann und rausfliegt, dann hilft ihm im Notfall die Gemeinde mit Soforthilfeunterkünften oder Clearing-Houses, wo man so lange bleiben kann, bis man wieder eine Wohnung findet, die man selbst zahlen kann. Aber eine Ausnahme gibt es: EU-Ausländer fallen bei uns durch das soziale Netz. Denn formal haben sie ja einen Wohnsitz – nur eben beispielsweise in Bulgarien oder Rumänien. Von dort kommen vor allem Männer nach Bayern, um eine Arbeit zu finden, so wie auch Ismet. Weil sie aber oft nur schlecht bezahlte Tagelöhner-Jobs haben, oft ohne Arbeitsvertrag, haben sie auf dem Mietmarkt keine Chance.

Deshalb versuchen die osteuropäischen Obdachlosen jetzt auch politischen Druck zu machen. Sie wollen auch ein Recht auf eine Sozialwohnung haben. Und zumindest in der Kälteschutzunterkunft auch tagsüber sein – und sich dort auch was kochen können. Die Unterstützer der Initiative "Wir wollen wohnen" sehen deshalb die Iglu-Idee kritisch, denn sie sei ein "geschickter Versuch (...), von den berechtigten Forderungen der Betroffenen abzulenken". Sie finden: Viele Obdachlose wollen nicht auf der Straße leben. Aber sie müssen.

Sendung: Filter, 5.12.2018, ab 15 Uhr

*Anmerkung der Redaktion: Ursprünglich war fälschlicherweise von "Styropor-Iglus" die Rede gewesen. Wir haben den Fehler ausgebessert.