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Ig-Nobelpreis 2015 verliehen Was ihr schon immer über Dino-Hühner und Exzessknutschen wissen wolltet

Wo am Körper schmerzt ein Insektenstich am schlimmsten? Und was passiert, wenn man lange knutscht? Für die Beantwortung solcher Fragen gibt es den Ig-Nobelpreis. Manche Wissenschaftler lösen aber noch weit abstraktere Fragen.

Stand: 18.09.2015

Duhn | Bild: BR

Fast alle Säugetiere pinkeln im Schnitt 21 Sekunden. Aber wieso eigentlich? Auch interessant: Wo am Körper schmerzt ein Insektenstich am meisten? Und was passiert, wenn man sehr lange knutscht? Mit Forschung, die solche Fragen beantwortet, gibt es seit einigen Jahren einen Blumentopf zu gewinnen. Diese abgegriffene Floskel trifft es genau, denn beim Ig-Nobelpreis (Ig steht für ignoble, was so viel wie unwürdig bedeutet) werden die Gewinner mit einem Blumentopf geehrt - natürlich ohne Pflanze.

Der alternative Nobelpreis wurde jetzt schon zum 25. Mal verliehen. In der Kategorie Biologie ging er zum Beispiel an die Wissenschaftler um Bruno Grossi von der Universität in Chile. Sie haben Hühnern eine Art Saugglocke am Hintern befestigt und dabei entdeckt, dass die Tiere sich dann ähnlich wie Dinosaurier bewegen.

"Ziemliche harte Arbeit" war nach eigener Aussage die Forschung von Wissenschaftlern aus Japan und der Slowakei. Die hatten sich damit beschäftigt, was die Folgen und der Nutzen sind, wenn man sehr intensiv knutscht. Und ja, auch dafür gab es einen Preis, in der Kategorie Medizin. Hier eine kleine Übersicht der anderen Kategorien.

Physiologie und Insektenkunde

Manche Forscher nehmen für ihre Arbeit echte Schmerzen auf sich. Michael L. Smith von der Cornell University in den USA hat sich von Bienen stechen lassen - in den Kopf, die Zehenspitze, den Oberarm, den Nasenflügel, die Oberlippe und (wirklich!) in den Penis. Warum? Er wollte rausfinden, wo es am meisten weh tut (Nasenflügel, Oberlippe, Penis) - und wo am wenigsten.

Physik

Patricia Yang aus den USA hat rausgefunden, dass fast alle Säugetiere ihre Blase innerhalb von 21 Sekunden - oder bis zu 13 Sekunden schneller oder langsamer - leeren. Wir nennen es das "Gesetz des Urinierens", erklärten die Wissenschaftler auf der Bühne.

Mathematik

Kann der marokkanische Sultan Mulai Ismail zwischen 1697 und 1727 wirklich 888 Kinder gezeugt haben? Das steht nämlich in Überlieferungen. Elisabeth Oberzaucher und Karl Grammer von der Universität Wien haben versucht, das auszurechnen. Oberzaucher kam zu dem Schluss, dass der Sultan dafür jeden Tag seines Lebens ein- bis zweimal Sex gehabt haben müsste. "Wirklich eine Menge Arbeit", findet sie.

Medizin

Forscher aus Großbritannien wurden geehrt, weil sie entdeckt haben, wie man eine Blinddarmentzündung korrekt diagnostizieren kann. Dazu muss der Patient nur über einen Hügel auf der Straße gefahren werden, die dazu da sind, dass Autofahrer nicht zu schnell fahren. Je nachdem wie stark der Schmerz dann ist, fällt die Diagnose aus.

Literatur

Huh? Beziehungsweise Hä? Dieses Wort gibt es scheinbar in allen Sprachen der Welt. Warum, wissen die Forscher um Mark Dingemanse vom Max-Planck-Institut für Psycholinguistik im niederländischen Nijmegen nicht. Dafür haben sie einen Preis bekommen. Hä?

Und warum jetzt das Ganze?

Der Ig Nobelpreis zeichnet Forschung aus, die "erst zum Lachen und dann zum Denken anregt". Die Preise sollen "das Ungewöhnliche feiern und das Fantasievolle ehren". Läuft, könnte man sagen. Die Gala ist mittlerweile auch so beliebt, dass sie schon im Voraus ausverkauft ist. Verliehen wird der Preis in stilechter Atmosphäre an der US-Eliteuniversität Harvard: Es werden Papierflieger geschmissen, die Preisträger führen Sketche auf oder singen ihre Dankesrede. Hauptsache das Ganze dauert nicht zu lange. Dann erscheint ein kleines Mädchen namens Miss Sweetie Poo auf der Bühne und motzt, dass sie sich langweilt.

Aufräumen müssen das Chaos hinterher übrigens echte Nobelpreisträger, die im Publikum sitzen. Moderiert wird die Gala von Marc Abrahams, dem Herausgeber einer wissenschaftlichen Zeitschrift über kuriose Forschung. Der Mann mit dem zerrupften Zylinder beendet die Ig-Nobelpreis-Vergabe immer mit den gleichen Worten: "Wenn Sie dieses Jahr keinen Ig-Nobelpreis gewonnen haben - und besonders dann, wenn Sie einen gewonnen haben: Mehr Glück im nächsten Jahr!"


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