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Fridays for Future Welche Future haben die Fridays?

Die Klimaaktivist*innen von Fridays for Future werden jetzt konkret. Das könnte für die Zukunft der Proteste zum Problem werden. Experten sagen: Die Bewegung muss sich jetzt was Neues ausdenken, um am Leben zu bleiben.

Von: Tobias Krone

Stand: 10.04.2019 | Archiv

08.04.2019, Berlin: Die Klima-Aktivisten Svenja Kannt (l-r), Sebastian Grieme, Linus Steinmetz und Sana Strahinjic stellen bei einer Pressekonferenz im Sauriersaal des Museums für Naturkunde die konkreten Forderungen der deutschen Bewegung von Fridays For Future vor. Seit einigen Monaten streiken Schüler, Studenten und Auszubildende jeden Freitag bundesweit für besseren Klimaschutz. Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ | Bild: dpa-Bildfunk/Bernd von Jutrczenka

Die Klimaforderungen der Aktivisten von Fridays for Future an die Politik sind nur teilweise radikal. Sie bleiben in einem gewissen realistischen Rahmen. Dabei dachten viele, dass Greta, Luisa und Co. die die CO2-Stinker Nummer eins, die Kohlekraftwerke, sofort abschaffen wollen. Stimmt aber nicht. Sie wollen der Kohlestromindustrie noch 10 Jahre geben – also 2030 aussteigen. Das sind immerhin acht Jahre früher als der offizielle Kompromiss der deutschen Kohlekommission, also der Gruppe aus Umweltschutzorganisationen, Politik und der Kohleindustrie. Die hatten sich auf 2038 geeinigt. 

Die Forderungen sind frech, aber theoretisch machbar

Ein bisschen frecher sind die Forderungen dann aber schon. Zum Beispiel will Fridays for Future, dass noch in diesem Jahr die Subventionen für Kohle und Öl abgeschafft werden und dass eine CO2-Steuer kommt. Die Münchner Biologiestudentin Lucie, die den Forderungskatalog mitgeschrieben hat, verteidigt die Forderungen gegenüber allen, die sich mehr erhofft hatten:

"Das Ziel ist nicht, die radikalsten Forderungen aufzustellen, die jemals aufgestellt wurden. Wir fordern exakt das, was nötig ist, um das 1,5-Grad-Ziel einzuhalten."

Lucie, Aktivistin bei Fridays for Future

Sie sagt, die Forderungen orientieren sich an dem, was Wissenschaftler fordern. Auch wenn Fridays for Future tatsächlich leicht über die Forderungen von der Gruppe Scientists for Future hinausgehen.

Fridays for Future stehen „an einem kritischen Punkt“

Wie geht es weiter mit den Demos? Lohnt es sich noch zu demonstrieren, wenn die Forderungen eigentlich jetzt für alle klar sind? Lucie meint: Auf jeden Fall. "Das ist aktuell das wirksamste Mittel, um unsere Politik endlich wachzurütteln."

Aber das Medieninteresse und damit auch die Zahl der Demonstrierenden dürften demnächst nachlassen, sagt der Soziologe Dieter Rucht, der schon seit den siebziger Jahren soziale Bewegungen erforscht. Er sieht Fridays for Future an einem kritischen Punkt:

"Jetzt ist der Zeitpunkt, wo sich die Bewegung überlegen muss: Wie geht’s weiter? Stehen neue Dinge an?"

Dieter Rucht, Soziologe

Neue Protestformen: entweder harmlos oder radikal

Der Kampf um das Klima muss sich jetzt neue Formen suchen, ist Rucht überzeugt. Das könnte in zwei Richtungen gehen: Entweder in konkrete Aktionen für den Umweltschutz, zum Beispiel gemeinsames Müllsammeln im Wald. Oder in offensivere Protestaktionen: "Das heißt, über diese friedlichen, netten Demonstrationen, die von den Mehrheiten  beklatscht werden, hinauszugehen." Das könnten aus seiner Sicht zum Beispiel Sitzblockaden von Brücken sein, wie 2018 in London, bei denen niemand verletzt und nichts beschädigt wird. Der Vorteil von diesem zivielen Ungehorsam: Die Aktion würde die Aufmerksamkeit der Medien auf sich ziehen. Der Nachteil: Bei solchen Aktionen riskiert man natürlich auch, vor Gericht zu landen.

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Fridays For Future mit Luisa Neubauer | Was kann ich gegen den Klimawandel tun? Folge 5/5 | Bild: Die Frage (via YouTube)

Fridays For Future mit Luisa Neubauer | Was kann ich gegen den Klimawandel tun? Folge 5/5

Fridays for Future könnten die Politik ändern – aber nicht sofort

Die Forderungen an die Politik stehen jetzt. Doch dass Kanzlerin Angela Merkel und ihre Minister sie in der nächsten Zeit umsetzen, hält Dieter Rucht für unrealistisch. Zum einen gibt es Verträge – zum Beispiel für die Kohlesubventionen, die die Regierung verpflichten, die nächsten Jahre Kohlegruben in Deutschland finanziell zu unterstützen. Zum anderen zeigt auch die Erfahrung mit anderen sozialen Bewegungen in der Vergangenheit: Schnell gewinnt man nicht.

"Es gab schon mächtigere Bewegungen – ich erinnere an die Friedensbewegung der achtziger Jahre, die mit Hunderttausenden unterwegs war. Da hat die Regierung auch gesagt: Na gut, die können demonstrieren, aber wir halten erstmal an der Stationierung von Raketen fest."

Dieter Rucht, Soziologe

Damals, in den Achtzigern, hat die Nato dann erstmal die Atomraketen nach Deutschland geholt, weil ihnen die Abschreckung des russischen Militärs wichtiger war als die Proteste. Aber auf lange Sicht hat wahrscheinlich auch die Friedensbewegung ihren Anteil daran gehabt, dass nach dem Zusammenbruch des Kommunismus in der Sowjetunion die Atomraketen wieder aus Deutschland abgezogen wurden. Fridays for Future könnte also auch für eine aktivere Klimapolitik der Bundesregierung sorgen – aber nur auf lange Sicht und nur, wenn sie dranbleibt.

Sendung: Hochfahren, 10. April 2019, ab 8 Uhr