Interview // Florian Siekmann Vom Hörsaal in den Landtag

Bachelor in der Tasche… Und jetzt? Florian Siekmanns Antwort ist eindeutig: Ab in die Politik! Er ist als jüngster Abgeordneter ins bayerische Parlament eingezogen. Uns hat er erzählt, welche Aufgaben jetzt auf ihn zukommen, was aus seinem Master wird und wie er sich sein Leben als Berufspolitiker so vorstellt.

Von: Nina Lenz

Stand: 19.10.2018

Florian Siekmann ist der jüngste Abgeordnete des Bayerischen Landtags. | Bild: Andreas Gregor

PULS: Florian, du hast gerade erfahren, dass du es als jüngster Abgeordneter überhaupt für die Grünen in den bayrischen Landtag geschafft hast. Wie hast du dich in dem Moment gefühlt?

Florian Siekmann: Als ich gesehen habe, dass es wirklich gereicht hat, war das kurz überwältigend. Als ich vor einem Jahr angetreten bin, habe ich das nicht für möglich gehalten. Ich habe zwar gedacht, dass das ein cooler Wahlkampf wird, aber dass ich dann echt in den Landtag eingezogen bin, war schon echt überwältigend.

Wie stellst du dir jetzt deinen Alltag im Landtag vor?

So wie ich das bis jetzt sehe, sind ein ganz großer Teil die Plenartage, an denen ich Sitzungen habe, im Landtagsbüro arbeite, Anträge vorbereite und an Gesetzestexten mitschreibe. Der andere Teil ist die regionale Arbeit, zu der es gehört, im Stimmkreis präsent zu sein, Veranstaltungen zu besuchen und Menschen einzuladen, mit einem zu sprechen.

Das klingt nach einer ganzen Menge Arbeit. Du studierst nebenbei, schaffst du es überhaupt, das zeitlich unter einen Hut zu bekommen?

Das nächste halbe Jahr werde ich den Fokus mit Sicherheit voll auf die Arbeit im Parlament legen. Ich wurde von den Leuten gewählt, die haben mir durch ihre Stimme auch ihr Vertrauen geschenkt. Jetzt ist es auch meine Aufgabe, sie im Parlament zu repräsentieren. Und da muss mein Master-Studium halt mal hintenanstehen. Wie die Situation in einem Jahr aussieht, kann ich jetzt natürlich noch nicht sagen.  

Glaubst du, jetzt wo du Landtagsabgeordneter bist, werden die Leute anders mit dir umgehen?

Ich hoffe, dass die meisten mich weiterhin duzen, sonst fühlt man sich auf einmal auch noch alt. Ich will nicht, dass die Distanz zu mir wächst. Aber ich kann mir schon vorstellen, dass mich manche Menschen distanziert behandeln werden, zumindest die, die mich noch nicht gut kennen. Das will ich dann aber so gut wie möglich abbauen.

Was kannst du als junger Mensch im bayrischen Landtag besser als deine älteren Kollegen?

Ich glaube, ich bringe einen ganz neuen Blickwinkel in den Landtag. Wenn ich Anträge einbringe oder an Abstimmungen teilnehme, schaue ich darauf, was diese Abstimmung für uns in 20 Jahren bedeutet - weil es für mich dann auch einfach noch relevant sein wird. Außerdem ist es mir wichtig, die Gesellschaft so voranzubringen, dass junge Menschen eben gute Zukunftschancen haben. Ich glaube, so etwas geht schnell verloren, wenn man schon lange im Parlament sitzt.

Vor welcher Aufgabe hast du am meisten Respekt?

Respekt habe ich natürlich, wenn ich an meine erste Rede im Plenum denke. Das wird eine ganz andere Situation sein, ich muss viel stärker mit Argumenten überzeugen. Da werde ich wahrscheinlich auch sehr aufgeregt sein. Aber: Jeder neue Abgeordnete bei den Grünen bekommt einen erfahrenen Abgeordneten als Mentor zur Seite gestellt. Deshalb spüre ich keinen Druck, sondern eher ganz große Unterstützung.

Wie wirst du nach dem ganzen Stress entspannen?

Ich hoffe, dass ich mehr wandern gehen kann, das ist im Wahlkampf ein bisschen auf der Strecke geblieben. Da wird bestimmt der ein oder andere Sonntag für eine Wandertour reserviert werden, wenn kein Wochenendtermin dazwischenkommt.

Sendung: Filter, 19.10.2018 - ab 15.00 Uhr