44

Studie aus Oxford Warum eine Fleischsteuer sinnvoll wäre

Fleisch ist für viele das bessere Gemüse. Aber Massentierhaltung produziert Treibhausgase und die sind schlecht für die Umwelt. Eine Fleischsteuer könnte helfen - hätte aber auch ihre Tücken.

Von: Stefan Jaentsch

Stand: 23.11.2016

Fleischsteuer | Bild: BR

60 Kilogramm Fleisch haut sich der durchschnittliche Deutsche jedes Jahr zwischen die Rippen. Das ist zu viel und definitiv nicht gut. Weder für die Gesundheit, noch für die Umwelt. Denn durch die Tierhaltung entstehen große Mengen an Treibhausgasen. Insgesamt ist die Landwirtschaft der zweitgrößte Treibhausgasproduzent in Deutschland. Und trotzdem verzichten nur die wenigsten auf ihre Wurstsemmel und den Döner am Katersonntag. Was also tun, wenn die Menschen immer noch hemmungslos nach der 99-Cent-Salami greifen?

Forscher der Universität von Oxford glauben die Antwort gefunden zu haben. In einer Studie, die Mitte November in der Fachzeitschrift "Nature Climate Change" veröffentlicht wurde, haben Experten des "Oxford Martin Programme on the Future of Food" ausgerechnet, wie hoch eine Steuer auf Fleisch- und Milchprodukte sein müsste, um den CO2-Ausstoß auszugleichen. Berechnet wurde die Steuer weltweit, für jedes Land und jede Region unter Berücksichtigung des jeweiligen Konsumverhaltens. Ziel der Forscher ist: Weniger Fleischkonsum und damit eine Einsparung von rund einer Milliarde Tonnen CO2-Emmissionen pro Jahr. Das entspricht dem Ausstoß des weltweiten Luftverkehrs pro Jahr.  

Rindfleisch hat es in sich

Nach Berechnungen der Wissenschaftler müsste in solch einem Modell Rindfleisch mit 40 Prozent am höchsten besteuert werden. Grund: Für die Viehhaltung müssen riesige Waldflächen abgerodet und Weideflächen geschaffen werden. Etwa eine Milliarde Bäume werden jedes Jahr gefällt. Die Tiere scheiden zusätzlich das klimaschädliche Treibhausgas Methan aus. Dazu kommt, dass in vielen Länder gigantische Mengen an Tierfutter importiert werden müssen. All das kostet wahnsinnig viele Ressourcen und trägt schließlich zum Klimawandel bei. Andere Fleisch- und Milchprodukte würden bis zu 20 Prozent versteuert werden.

Doch trotz dieser beindruckenden Zahlen sehen die Umweltschützer des WWF die Einführung einer solchen Steuer eher kritisch. Durch eine Fleischsteuer würde beispielsweise auch "gutes", also nachhaltig produziertes Biofleisch teurer werden. Die teilweise positiven Entwicklungen in der deutschen Landwirtschaft würden damit außer Kraft gesetzt werden. Eine Subventionierung des Obst- und Gemüsemarktes ist auch keine echte Alternative, wie es die Studie eigentlich fordert.  Zu schlecht sind die Erfahrungen mit subventionierter Milch. Viele Michbauern können die laufenden Kosten nicht mehr decken. Hier geht es an die Existenz.

Andere Länder, anderes Essen

Viel wichtiger als eine Fleischsteuer ist also eine vollständige und umfassende Aufklärung der Gesellschaft. Erst muss sich das Grundverständnis für Fleisch, Landwirtschaft und Konsum ändern, bevor man an eine Fleischsteuer denken kann. So zumindest sieht es der WWF. Viele Menschen wissen nicht wie Lebensmittel produziert werden und wie moderne Landwirtschaft funktioniert. Bauernhofidylle war gestern. Selbst Bio-Bauernhöfe sind mittlerweile leistungsstarke, hoch technologisierte Großbetriebe mit hunderten von Tieren und riesigen Ackerflächen.

In Dänemark gab es zwischen 2011 und 2012 eine "Fettsteuer". Pro Kilogramm gesättigter Fettsäuren wurden rund zwei Euro Steuern erhoben. In Mexiko gibt es die Zuckersteuer auf Softdrinks. Mit den Einnahmen wird kostenloses Trinkwasser in Schulen finanziert.

Auch wenn eine realpolitische Umsetzung der Studie unwahrscheinlich erscheint, so gibt sie genug Nährboden, um den eigenen Fleischkonsum einmal zu hinterfragen. Denn wie heißt es so schön: Weniger ist mehr.    


44