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Interview mit ehemaligem AfD-Mitglied Jenny Günther "Wer nicht mitzieht, wird gemobbt"

Jenny Günther war Mitglied bei der Jungen Alternative. Mittlerweile ist sie ausgetreten. Auch die AfD will sich jetzt von ihrem Nachwuchs distanzieren. Jenny hat mit uns darüber gesprochen, wie radikal die Junge Alternative ist.

Von: Kevin Ebert, Maxim Landau

Stand: 05.12.2018 | Archiv

Jenny Günther war in der AfD und Vorsitzende der Jungen Alternative in Brandenburg. Weil ihr die Partei zu extrem wurde, ist sie wieder ausgetreten. | Bild: privat

Jenny Günther ist 34 Jahre alt und hat Politikwissenschaft studiert. 2016 trat sie in die AfD und die Junge Alternative ein - aus Protest. Es störte sie, dass die Politik nicht auf die Probleme einging, die die Menschen in ihrem Umfeld haben. Lange blieb Jenny aber nicht bei der AfD. Im Interview erzählt sie von ihren Erfahrungen in der Jungen Alternativen.

PULS: Der Parteivorstand der AfD hat jetzt gesagt, er sieht mit Abscheu, dass es innerhalb der JA menschenverachtende Äußerungen gibt. Er fordert sogar den Ausschluss einzelner Mitglieder. Klingt nach einer deutlichen Distanzierung, oder?

Jenny Günther: Naja, deutlich würde ich nicht sagen. Sie machen das wie immer. Sie erwecken den Anschein, sie würden sich distanzieren. Richtig tun sie es aber nicht. Es gibt auch innerhalb des AfD Bundesvorstandes eine klare Gegenbewegung zu dieser Distanzierung, sodass da wieder zurückgerudert wird. Die Art und Weise, wie die AfD sich verhält überrascht mich nicht.

Warum dann die Kritik am Nachwuchs?

Es ist ganz klar der Versuch, sich nach außen zu distanzieren. Der Verfassungsschutz beobachtet die Junge Alternative in Niedersachsen, in Bremen und Baden-Württemberg. Das droht auch der AfD als Gesamtpartei. In der Öffentlichkeit versucht sich die AfD von den extremeren Teilen zu distanzieren. Dazu gehört auch die Junge Alternative. Es ist der Versuch des Imagebewahrens - sie schaffen‘s aber nicht so richtig.

Der Verfassungsschutz beobachtet die Junge Alternative auch wegen Verbindungen zu rechtsextremen Gruppen. Was für Kontakte gibt es da?

Zum Beispiel zur Identitären Bewegung. Als ich Neumitglied bei der Jungen Alternative war, wurde mir Martin Sellner und sein YouTube-Kanal empfohlen. Ich weiß von bestimmten Leuten, dass sie zum Kreis der Identitären Bewegung gezählt haben. Ich weiß auch, dass Vertreter der Jungen Alternative mit einer rechten Burschenschaft in Berlin ein Gartenfest gefeiert haben. Anwesend waren übrigens auch AfD-Abgeordnete aus Berlin. Also da gibt’s schon ziemlich enge Verbindungen.

Denkst du es könnte zu einer Trennung zwischen AfD und Junger Alternative kommen?

Nein, in meinen Augen wird es zu keiner Trennung kommen. Dafür bräuchte es eine Zweidrittelmehrheit auf dem Parteitag. Schon im Parteikonvent wird dieser Antrag scheitern.

Wie wichtig ist die Junge Alternative denn für die AfD?

Die Junge Alternative ist eine Kaderschmiede. Da lernen die Jungen, wie man sich als Politiker zu geben hat. Und eben auch: Im Wahlkampf helfen und besonders provozieren. Die Junge Alternative wird ja beobachtet, weil die AfD schon weit rechts ist, wenn nicht sogar rechtsextrem in weiten Teilen. Wenn man eine solche Mutterorganisation hat, dann ist die Jugendorganisation jenseits von Gut und Böse.

Heißt das, Jugendorganisationen sind immer radikaler als die Mutterpartei?

Genau. Man kann das nicht ganz vergleichen, aber man sieht das auch bei der SPD. Die Jusos haben eine klarere Haltung, was linke Politik angeht. Die Mutterpartei selbst hat eher realpolitische Konzepte. Vor allem, wenn sie in der Regierung ist. Jugendorganisationen sind extremer, was ihre Haltung angeht und die Art und Weise, wie sie diese umsetzen wollen. Die junge Alternative hat oft gezeigt, dass sie ihre Aufgabe darin sieht, noch mehr zu provozieren, als die AfD.

In der AfD gibt es zwei große Lager: Die Moderateren, vor allem in Westdeutschland und dann die rechten Hardliner, vor allem in den ostdeutschen Bundesländern. Wie sieht es denn bei der JA aus, gibt's da auch so eine Aufteilung?

Die Aufteilung ist mittlerweile, glaube ich, nicht mehr so klar. Viele, die man eher als liberal oder bürgerlich bezeichnen könnte, sind sehr schnell gegangen. Dann waren bloß noch die wirklich extremen in der Jungen Alternative. Das liegt daran, dass es eine Organisation ist, die nicht viel Raum für Kritik oder gemäßigte Äußerungen lässt. Wer nicht mitzieht, wird gemobbt. Und zwar auf eine Art und Weise, die nicht mehr schön ist. Und dann ist es einfacher, da auch auszutreten.

Wie wird da gemobbt?

Also mich hat das nicht dermaßen schlimm betroffen, ich war nicht so aktiv in der Jungen Alternative, auch wenn ich stellvertretende Vorsitzende in Brandenburg war. Ich weiß aber zum Beispiel von einer WhatsApp-Gruppe, in der eine "Endlösung für Muselmänner" gefordert wurde. Wer sich kritisch dazu geäußert hat, wurde fertiggemacht. Vor allem verbal. Es wurde auch körperliche Gewalt angedroht und es gab sogar Prügeleien. Solche Sachen sind da dann doch Usus.

Hattest du dann auch Angst davor, wieder aus der AfD auszutreten?

Angst hat man sowieso. Man hat Angst in die "normale" Gesellschaft zurückzukehren, weil manche Menschen dann nicht mit einem reden wollen, wenn man in der Jungen Alternativen beziehungsweise der AfD war. Ich glaube, Angst zu machen ist allgemein ein Mittel, das die Junge Alternative, aber auch die AfD anwendet. Vor allem soll man nicht auffallen mit Gegenrede. Darum geht’s hauptsächlich.

Sendung: Filter am 05.12.2018 ab 15 Uhr