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Bilderberg-Konferenz in Dresden Ein Fest für Verschwörungstheoretiker

Kein Wort zu niemandem: Sas ist das Motto bei der Bilderberg-Konferenz. In Dresden trifft sich gerade die globale Machtelite - offiziell redet man nur. Aber was wirklich hinter den verschlossenen Türen passiert, weiß keiner.

Von: Miriam Harner

Stand: 10.06.2016 | Archiv

Bilderberg Konferenz | Bild: BR

Es ist das Highlight des Jahres für alle Verschwörungstheoretiker: die Bilderberg-Konferenz. Drei Tage lang sitzt die Crème de la Crème der europäischen und nordamerikanischen Elite zusammen: Wirtschaftsbosse, Politiker, Militärs, Wissenschaftler und Adelige. Offiziell reden die da einfach nur mal miteinander. Aber: Niemand hat einen Plan, worüber eigentlich. Deswegen gibt’s die krassesten Verschwörungstheorien zu diesem Treffen.

Die einen vermuten, dass das die geheime Weltregierung ist, die anderen sagen, das sei bloß ein harmloser Kaffeeklatsch der Mächtigen und Reichen. Was von beidem stimmt? Wir haben nach Antworten gesucht.

Was ist die Bilderberg-Konferenz wirklich?

Seit 1954 treffen sich Politiker, Wissenschaftler, Militärs, Adelige und Journalisten einmal im Jahr. Das erste Treffen hat im Hotel "De Bilderberg" in den Niederlanden stattgefunden - woher der Name kommt, ist also klar. Bei dem Treffen nie dabei sind  Vertreter der Zivilgesellschaft, also zum Beispiel NGOs wie Amnesty International oder Gewerkschaften. Auch Politiker von den Linken hat noch keiner bei der Konferenz gesehen. Trotzdem behaupten die Veranstalter, dass die Gästeliste so besetzt ist, dass eine "wohlinformierte, ausgeglichene Diskussion" möglich ist. Ziel der Konferenz ist es, den Austausch zwischen Nordamerika und Europa zu fördern. Offiziell beschließen die Teilnehmer nichts, es gibt aber weder Protokolle noch Berichte über den Inhalt der Gespräche. Die Bilderberg-Konferenz ist streng geheim.

Wer ist 2016 dabei?

In diesem Jahr gibt es insgesamt 130 Teilnehmer aus über 20 Ländern. Die Liste kann man sich auf der Homepage der Bilderberg-Konferenz ansehen. Aus Deutschland sind zum Beispiel Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen und Innenminister Thomas de Maizière dabei. Auch Paul Achleitner, der Aufsichtsratsvorsitzende der Deutschen Bank und  Mathias Döpfner, der CEO von Axel Springer, geben sich die Ehre.

Wer verschickt die Einladungskarten?

Der Vorsitzende Henry de Castries lädt ein. Er ist noch bis September 2016 Chef der AXA Group, einem französischen Versicherungskonzern, und ein enger Freund des französischen Ex-Präsidenten Sarkozy.

Worüber wird gesprochen?

Wenn man das so genau wüsste. Eingeweiht sind nur wenige Personen. Einige Tagesordnungspunkte werden aber auf der Bilderberg-Webseite vorab veröffentlicht. In diesem Jahr geht es unter anderem um China, Cyber-Sicherheit, Energie-Politik und Rohstoffpreise. Alles in allem strotzen die Stichpunkte aber nicht gerade vor Aussagekraft. Wer weiß schon, worüber die 130 der vielleicht mächtigsten Leute weltweit da abends nach dem offiziellen Konferenzteil noch gemütlich bei einem Whiskey an der Hotelbar oder in der Sauna reden? Die Teilnehmer verteidigen ihre Gespräche hinter verschlossenen Türen übrigens unter anderem mit dem Argument, "einfach mal ungestört reden zu wollen."

Welche Verschwörungstheorien gibt es zu der Konferenz?

Hauptsächlich ziemlich absurde. Manche Leute glauben zum Beispiel, dass die Bilderberger hinter politischen Morden, der Ölkrise von 1973 und dem Irakkrieg stecken. Neonazis sagen, dass sich das Weltjudentum dort zum jährlichen Kongress trifft. Wieder andere Aluhutträger vermuten, dass die Bilderberg-Konferenz eine Fortsetzung der Nazi-Herrschaft ist. Das ist natürlich alles Quatsch. Denn auf der Konferenz vernetzen sich Leute, knüpfen Kontakte oder handeln sogar Deals aus. Vermutlich betreiben sie auch politisches Agenda Setting. Das heißt, sie sorgen dafür, dass bestimmte Themen auch in anderen Kontexten diskutiert werden. Wissenschaftler vermuten zum Beispiel, dass der Euro eine Idee der Bilderberg-Konferenz ist. Wer so gar nichts raus lässt von seinen Treffen, der muss sich nicht wundern, dass dann Legenden entstehen.

Ist die Kritik berechtigt?

Politiker sind gewählte Volksvertreter. Also müssen sie im Sinne des Gemeinwohls handeln und sind ihren Wählern Rechenschaft schuldig. Dass also zum Beispiel keiner weiß, mit wem Frau von der Leyen worüber redet, ist eigentlich nicht okay. Dieser Punkt spielt auch bei der Finanzierung der Bilderberg-Konferenz eine Rolle. Die Teilnehmer zahlen ihre Anreise und Hotelbetten zwar brav selbst und die Organisationskosten werden durch private Spenden gedeckt - aber durch das riesige Sicherheitsaufkommen rund um die Veranstaltung entstehen auch öffentliche Kosten. So gilt in Dresden dieses Jahr ein Versammlungsverbot. Und für den Polizeieinsatz letztes Jahr bei der Konferenz in Österreich mussten die Steuerzahler zum Beispiel über drei Millionen Euro blechen. Spätestens dann, wenn wir für ein solches Treffen die Rechnung zahlen müssen, sollten wir auch wissen, was da besprochen wird


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