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Ausbildung in Deutschland Acht Azubi-Probleme und wie ihr sie lösen könnt

Was mache ich, wenn ich Zoff mit dem Chef habe oder den Betrieb wechseln will? Julia Kanzog berät seit sechs Jahren Azubis und weiß, dass sich die meisten zu spät Hilfe holen. Sie erklärt, wie es besser geht.

Von: Anne Hemmes

Stand: 30.10.2015 | Archiv

Tipps für Azubis | Bild: BR

Julia Kanzog berät seit sechs Jahren Azubis in München. Sie hat die Erfahrung gemacht, dass die meisten Azubis erst kurz vor knapp kommen. "Oft holen sie sich erst Hilfe, wenn es eigentlich schon zu spät ist", sagt sie. Sie rät Azubis, möglichst früh zu kommen, wenn es irgendwo hakt. Wir haben Julia Kanzog mit ein paar Problemen, die Azubis häufiger haben, konfrontiert und um Tipps gebeten.

1. Was mache ich, wenn ich mit meinem Ausbilder oder Kollegen nicht klarkomme?

Julia Kanzog: Wenn es zu einem Streit gekommen ist, ist es wichtig, dass ihr nicht versucht, in der Streitsituation nach einer Lösung zu suchen. Das führt meistens zu weiteren Eskalationen. Ihr solltet einen Gesprächstermin ausmachen und das gut vorbereiten: Was ist euer Ziel in dem Gespräch und welche unterschiedlichen Lösungsmöglichkeiten könnt ihr eurem Ausbilder anbieten? Ganz wichtig: Überlegt euch, wo eure Grenze ist. Wenn ihr merkt, ihr kommt mit Reden nicht weiter, holt euch Unterstützung. Oft gibt es einen Betriebsrat, eine Jugend- und Auszubildendenvertretung oder einen Ansprechpartner für Azubis - das kann auch die Mitauszubildende sein, die den Konflikt mitbekommen hat.

2.  Das Ausbildungsgehalt reicht nicht zum Leben. Was kann ich tun?

Wenn ihr alleine wohnt, kann es hilfreich sein, eure Einnahmen und Ausgaben pro Monat aufzuschreiben und zu überschlagen, wo ihr noch einsparen könnt. Außerdem gibt es viele Azubi-Tarife, zum Beispiel ein verbilligtes Girokonto oder eine Art Studentenausweis für Azubis, mit dem man zum Beispiel beim Kinobesuch sparen kann. Wenn ihr nicht mehr zu Hause wohnt, könnt ihr eventuell staatliche Unterstützung beantragen, die sogenannte Berufsausbildungshilfe (BAB). Das ist das Pendant zum Bafög, muss aber nicht zurückgezahlt werden. Bei der BAB gibt es einiges zu beachten - zum Beispiel, was ihr verdient, was eure Eltern verdienen und was ihr an Geld ausgebt. Ich rate trotzdem, den Antrag zu stellen, damit ihr seht, ob ihr das bekommt.

Azuro

Azuro ist eine Einrichtung vom Kreisjugendring der Stadt München und der DGB-Jugend. Im Schnitt suchen 30 Azubis pro Woche Kontakt zur Beratungsstelle - persönlich, am Telefon oder per Chat. Die Probleme sind ganz unterschiedlich: Mal geht es um das Ausbildungsgehalt, mal um Probleme mit Kollegen oder eine Kündigung. Julia Kanzog sagt, dass in den letzten Jahren immer mehr Azubis Hilfe suchen - im letzten Jahr kamen besonders viele, die den Ausbildungsbetrieb wechseln wollten.

3. Darf ich einen Nebenjob haben?

Grundsätzlich ja, ihr müsst aber euren Betrieb informieren. Der kann einen Nebenjob nur verbieten, wenn ihr für ein Konkurrenzunternehmen arbeitet oder der Nebenjob eure Leistung negativ beeinflusst. Wenn ihr beispielsweise in der Gastrobranche jobbt und bis sechs Uhr arbeitet und morgens total müde in der Ausbildungsstelle seid, kann es der Betrieb verbieten. Außerdem müsst ihr die Arbeitszeiten beachten, die werden nämlich für den Nebenjob und die Ausbildung zusammengerechnet: Minderjährige dürfen nicht mehr als 40 Stunden pro Woche Woche arbeiten, bei Volljährigen sind es 48 Stunden pro Woche.

4. Was mache ich, wenn ich regelmäßig im Betrieb alleine gelassen werden?

Das ist ein großes Problem, weil damit das Ausbildungsziel nicht erreicht werden kann. Da wäre es wichtig, das Gespräch zu suchen und den Betrieb auch mit einzubeziehen. Für den ist es nämlich von Vorteil, wenn ihr schnell viel lernen könnt, weil ihr dann schneller eingesetzt werden könnt. Damit kann man das dem Betrieb ganz gut vermitteln.

5. In manchen Branchen ist der Umgangston ziemlich hart. Was muss ich mir gefallen lassen?

Für eine Person ist es nicht schlimm, wenn jemand etwas lauter wird, für jemand anderen ist da die Grenze erreicht. Generell hat euer Ausbilder euch gegenüber aber eine Fürsorgepflicht, das heißt, er oder sie muss euch unterstützen, wenn es zu Beleidigungen oder Diskriminierungen kommt.

6. Ich muss regelmäßig Überstunden machen. Kann ich mich dagegen wehren?

Als erstes solltet ihr die Überstunden dokumentieren, damit ihr einen Nachweis habt. Dazu könnt ihr Schichtpläne kopieren. Wenn es darüber keine Nachweise gibt, raten wir die Arbeitszeit so genau wie möglich aufzuschreiben: Wann habt ihr angefangen, wann habt ihr aufgehört, wann habt ihr Pause gemacht? Wenn ihr das im Idealfall von eurem Ausbilder oder einem Mit-Azubi  unterschreiben lasst, seid ihr auf der sicheren Seite. So habt ihr eine gute Gesprächsgrundlage. Denn in der Ausbildung sind Überstunden nicht vorgesehen. Das heißt, euer Betrieb kann euch nicht verpflichten, Überstunden zu machen. Wenn ihr sie trotzdem macht, sind sie freiwillig. Und sie müssen entweder als Freizeit oder zusätzliche Vergütung ausgeglichen werden.

Julia Kanzog gibt Azubis Tipps, wenn es in der Ausbildung mal hakt.

7. Ich lerne überhaupt nichts und muss dauernd putzen. Was jetzt?

Ihr habt ein Berichtsheft, in dem wird dokumentiert, welche Aufgaben ihr macht. Schaut euch das an und prüft, ob das nur gefühlt so ist, dass ihr immer wieder das Gleiche macht oder ob ihr wirklich nichts lernt. Außerdem könnt ihr den Ausbildungsrahmenplan anschauen. Der ist bindend für jeden Beruf in Deutschland und legt fest, was ihr während der Ausbildung lernen müsst. Vergleicht das mit dem, was ihr bis dato gemacht habt. Wenn ihr merkt "Oh Gott, ich lerne wirklich nichts.", rate ich euch dringend im Betrieb nachzufragen, wann ihr die fehlenden Sachen lernt. Wenn das alles nichts hilft, holt euch Unterstützung oder weist den Betrieb nochmal schriftlich auf seine Pflichten hin. Wenn das auch nicht hilft, könnt ihr euch überlegen, den Ausbildungsplatz zu wechseln.

8. Was mache ich, wenn ich den Betrieb wechseln will?

Es ist ganz, ganz wichtig, dass ihr das gut vorbereitet. Sucht euch erstmal eine neue Ausbildungsstelle. Dann müsst ihr das Ausbildungsverhältnis im jetzigen Betrieb beenden. Das geht einmal mit einem Aufhebungsvertrag, das ist keine Kündigung, sondern da wird der Vertrag in beiderseitigem Einverständnis vorher aufgelöst. Die andere Möglichkeit ist eine "Kündigung aus wichtigem Grund". Das tritt ein, wenn der Betrieb extrem gegen seine Pflichten verstoßen hat.  Dann könnt ihr fristlos kündigen. Die Kündigung solltet ihr nicht alleine schreiben, sondern euch Hilfe holen. Ist die Kündigung bzw. der Aufhebungsvertrag unterschrieben, könnt ihr sofort im neuen Betrieb anfangen.


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Bruno, Sonntag, 08.November 2015, 18:59 Uhr

2. Azubi Probleme und ihre Lösungen

Sehr gut diese Zusammenstellung ! Sie schärft den Blick für Probleme, fordert die Eigenverantwortung und macht kompetenter im Lösen von schwierigen Situationen.

Thomas Hemmes (berufsschullehrer), Samstag, 31.Oktober 2015, 18:31 Uhr

1. Azubi - Sein

Aus meiner Erfahrungssicht eine gute, klare und eindeutige Beratung mit allen wichtigen Hinweisen und Empfehlungen.
Anmerken möchte ich: Ausbildungs-Gehalt ist das falsche Wort. Es gibt eine AusbildungsVERGÜTUNG. Wäre es wirklich so etwas wie ein Gehalt, dann käme angesichts der Ausbildungsstunden ein Stundenlohn heraus, der an Ausbeutung grenzt :-)
Noch ein Tipp: gerade in medizinischen Hilfe-Berufen kommt es gerne mal zu Überstunden. Ganz wichtig: unter 18 Jahren dürfen keine Überstunden verlangt werden (Jugendarbeitsschutzgesetz!). Das ist in der Probezeit (4 Monate) immer wieder ein Problem. Wegen Überstundenverweigerung kann in der Probezeit nicht gekündigt werden. Da sollte man sich als AzubI/ Azubine nicht ins Bockshorn jagen lassen ... Prima der Hinweis: Überstunden aufschreiben und von anderen bestätigen lassen.
Th.H.

  • Antwort von MK, Montag, 02.November, 16:22 Uhr

    "Wegen Überstundenverweigerung kann in der Probezeit nicht gekündigt werden. Da sollte man sich als AzubI/ Azubine nicht ins Bockshorn jagen lassen ... "

    Es Bedarf keines Grundes, um in der Probezeit zu kündigen. Kein Betrieb wird so dumm sein und dennoch einen Grund, und dazu noch so einen, angeben. Ich rate zu Augenmaß bei Überstunden: soll ich gelegentlich mal eine halbe Stunde länger bleiben, darf dafür aber auch mal früher gehen? Oder muss ich 4 mal die Woche je zwei Stunden länger arbeiten?