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Antisemitismus in Europa Je ne suis pas #juif

Das Video "10 Hours of Walking in Paris as a Jew" hat sich zu einem kleinen Hit im Netz entwickelt. Zu Recht, sagt unser Autor. Denn Europa hat ein Antisemitismusproblem.

Von: Christian Schiffer

Stand: 20.02.2015

Szene aus dem Video "10 Hours of Walking in Paris as a Jew" | Bild: nrg

Zvika Klein wird beschimpft, bespuckt und bedroht. Eine Frau ruft ihm "Vive Palestine!" hinterher, dabei rollt der Journalist nicht in einem israelischen Panzer durch das Westjordanland. Er tut etwas ganz anderes. Er geht. Er geht durch Paris, mit Kippa auf dem Kopf. Und so weiß jeder: Zvika Klein ist ein Juif - ein Jude.

Wir haben ein Antisemitismusproblem

Das Video "10 Hours of Walking in Paris as a Jew" macht auf ein unangenehmes Thema aufmerksam: Wir hier in Europa haben ein Antisemitismusproblem und zwar ein gewaltiges. Kurz nach dem Anschlag auf die Satirezeitschrift Charlie Hebdo wurden in einem koscheren Supermarkt in Paris vier Menschen getötet und das nur aus einem Grund: Weil sie Juden waren. Schon 2012 kam es in Toulouse zu einem Massaker an einer jüdischen Schule und gerade erst wurde in Kopenhagen ein jüdischer Wachmann ermordet. In Deutschland kommt es immer wieder zu Übergriffen auf Juden und als im Sommer letzten Jahres der Gaza-Krieg eskalierte, wurden auf zahlreichen Demonstrationen antisemitische Parolen gegrölt.

Selbst Gerichte drücken ein Auge zu

Damals steckten zwei Männer eine Synagoge in Brand, letztens standen sie vor Gericht und durften sich über ein mildes Urteil freuen. In der Begründung hieß es, die Tat sei nämlich nicht antisemitisch motiviert gewesen, mit dem Brandanschlag hätten die zwei Männer lediglich Aufmerksamkeit für den Gaza-Krieg schaffen wollen.

So so, Aufmerksamkeit für den Gaza-Krieg wollten sie also schaffen? Was für ein Bullshit! Wenn es überhaupt einen Konflikt auf der Welt gibt, dem garantiert nicht zu wenig Aufmerksamkeit entgegengebracht wird, dann ja wohl dem Nahostkonflikt! Nirgendwo dürfte die Dichte an Auslandskorrespondenten größer sein als in Israel, die Zeitungen waren damals voll mit Berichten zum Gaza-Krieg.

Das Anzünden einer Synagoge geht heutzutage als etwas robustere Form von Israelkritik durch. Mal abwarten, wann die nächste Arschgeige eine Moschee in Brand setzt und sich dann auf Saudi-Arabien-Kritik oder Iran-Kritik herausredet.

Keine Solidarität aus der Gesellschaft

Der Nahostkonflikt ist wohl auch der Grund dafür, dass der neue Antisemitismus hierzulande keine Welle der Solidarität mit den europäischen Juden auslöst. Der Grund dafür, dass zwar alle #Charlie sein wollen oder #Ahmet, aber kaum jemand #Juif.

27 Prozent der Deutschen sind laut Umfragen allen Ernstes der Meinung, Israel würde mit den Palästinensern exakt dasselbe tun wie die Nazis im Dritten Reich mit den Juden. Bullshit again. Der Antisemitismus wird rationalisiert, so nach dem Motto: "Die Juden sind selbst schuld, wegen des ganzen Beefs da im Nahen Osten."
So lange die Stimmung so ist, wird man weiterhin nicht mit Kippa auf dem Kopf in Ruhe durch Paris schlendern können.


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Nils, Samstag, 21.Februar 2015, 20:13 Uhr

1.

Leider total unreflektiert und voller Rechtschreib- und Grammatikfehler. Wer bitte soll so etwas ernst nehmen?

  • Antwort von PULS, Sonntag, 22.Februar, 17:19 Uhr

    Hallo Nils,

    danke für den Hinweis, die Fehler haben wir korrigiert. Inhaltlich kann man sich an einem Kommentar natürlich immer reiben.

    Viele Grüße
    Nicole