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Arabisches Magazin Abwab Eine Zeitung als Türöffner für Flüchtlinge

Flüchtlinge haben den selben Anspruch wie Deutsche: Sie wollen über das informiert werden, was in der Welt passiert. Eine Zeitung aus Bayern hat sich jetzt vorgenommen, speziell syrische Flüchtlinge zu erreichen.

Von: Verena Fücker

Stand: 03.02.2016

Ramy Al-Asheq | Bild: Abwab

"Sind wir Rassisten?", "10 Schritte zur Integration" oder "Merkel - Das Ziel ist die Lösung des Konflikts ohne Assad" - so lauten die Schlagzeilen der ersten Ausgabe von Abwab, einer Zeitung von Flüchtlingen für Flüchtlinge. Sie erscheint auf Arabisch und richtet sich an Flüchtlinge aus Syrien und Irak. "Abwab" heißt Türen - der Name passt gut, denn die Zeitung will ein Türöffner sein. Die große Weltpolitik ist da gar nicht immer so wichtig, erzählt der Deutsch-Türke Necati Dutar, der die Zeitung mitentwickelt hat:

"Es geht mehr um das Leben hier in Deutschland. Wenn da jetzt über 500.000 Menschen als Community hier ansässig sind, dann gibt es genügend Themen - und vor allem, wenn man über so positive Dinge berichtet, ist das auch ein Ansporn für andere, die dann sagen: Mensch, wir sind jetzt hier für wer weiß wie lange und das Leben geht weiter, aber es gibt auch Kultur und andere Dinge, an denen wir teilhaben können."

Necati Dutar

Die Zeitung Abwab wird im oberfränkischen Hof gedruckt und einmal im Monat kostenlos in Flüchtlingsunterkünften in ganz Deutschland verteilt. Abwab lebt von Spenden - und vom Herzblut seiner Macher: Die Kosten für Druck und Verteilung übernehmen zwei große Sponsoren, die Journalisten arbeiten ehrenamtlich. Die Vision der Macher ist, dass Abwab zur Integration der Flüchtlinge beiträgt. Deswegen liegt der Schwerpunkt auf Artikeln, die das Leben und den Staat in Deutschland erklären, die von News in der syrischen und irakischen Gemeinschaft in Deutschland berichten und die Themen wie Feminismus erklären. Natürlich geht es in der neuesten Ausgabe auch um die Silvesternacht in Köln, erklärt Ramy Al-Asheq, Chefredakteur von Abwab, der selbst in Köln wohnt:

"Wir haben schon darüber geredet, was an Silvester passiert ist. Für uns ist es aber wichtiger, was sein wird! Zum Beispiel Karneval. Deswegen gibt es Artikel, in denen die Frauenrechte erklärt werden und die Gleichheit von Mann und Frau. Ein Islamwissenschaftler hat über Respekt geschrieben, auch gegenüber Flüchtlingen, aus einer neuen islamischen Sichtweise."

Ramy Al-Asheq

Ramy Al-Asheq bezeichnet sich als Feminist, Atheist und Assad-Gegner. Er kommt aus Syrien und hat dort im Tourismus gearbeitet, bis 2011 die Revolution ausbrach. Danach hat er für syrische und ausländische Medien gearbeitet und ihnen geholfen, über das Assad-Regime zu recherchieren. Als er im November 2014 nach Deutschland gekommen ist, hätte er sich eine Zeitung wie Abwab gewünscht.

"Wir Flüchtlinge brauchen jemanden, der uns über das Leben in Deutschland informiert. Wir lernen ja gerade immer noch die neue Kultur kennen, die neue Gesellschaft, wie Deutsche mit ihrem System umgehen. Und auch jetzt, nach einem Jahr in Deutschland, habe ich noch ziemlich viele Fragen."

Ramy Al-Asheq


Ramy betont, dass auch Flüchtlinge Information brauchen und über Politik und das Land, in dem sie jetzt leben, diskutieren wollen. Online-Angebote auf arabisch, wie sie viele deutsche Medien mittlerweile anbieten, reichen noch nicht.

"Es ist nicht so einfach, einen Internetzugang zu bekommen. Neuankömmlinge leben oft in Unterkünften, in denen es überhaupt keinen Internetanschluss gibt. Deswegen ist das Internet nicht immer hilfreich - und deswegen brauchen wir auch Zeitungen."

Ramy Al-Asheq

Trotzdem wird es auch bald von Abwab eine Online-Ausgabe geben. Denn noch ist die Auflage der Zeitung zu klein, um alle arabischsprechenden Flüchtlinge in Deutschland zu erreichen. Und ein großes Problem sind laut Ramy auch falsche Nachrichten, die über soziale Netzwerke verbreitet werden und dann die ganze Community in Aufruhr versetzen. Umso mehr brauchen die Flüchtlinge Infos wie die von Abwab.


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