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Olympische Winterspiele 2014 Alles für Olympia, nichts für Sotschi

100 Tage vor dem Beginn der Olymischen Winterspiele im russischen Sotschi ist die Vorfreude auf das Sportfest getrübt. Vor allem bei den Bürgern vor Ort hagelt es Kritik, vom teuren Olympia-Hype fühlen sie sich ausgegrenzt.

Von: Katharina Kestler

Stand: 30.10.2013

Die Olympischen Ringe stehen bereits vor Beginn der Winterspiele in Sotschi | Bild: picture-alliance/dpa

Im Juli vor sechs Jahren ist der Jubel in Sotschi riesig: das Olympische Komitee verkündet die Austragungsstätte der Olympischen Spiele 2013. Die Entscheidung fällt gegen Salzburg, auch gegen Pyeongchang in Südkorea, stattdessen für das russische Sotschi.

Teurer als alle Winterspiele zusammen

Damit ist klar: Sämtliche Wettkampfstätten müssen neu gebaut werden. Es entstehen eine Autobahn, eine Bahnstrecke, Hotels, Unterkünfte für Athleten, Pressezentren sogar eigene Kraftwerke. Kostenpunkt: 38 Milliarden Euro. Damit kosten die Spiele in Sotschi mehr als alle bisherigen olympischen Winterspiele zusammen. Sotschi 2014 ist unendlich weit weg davon, ökologisch oder nachhaltig zu sein. Für den Umweltaktivisten Walerij Sutschkow ist die gigantische Umweltzerstörung der größte Kritikpunkt. Als die Olympiaentscheidung bekannt wurde, erzählt er, sollten den Nationalparks der Schutz entzogen werden, um dort Sportstätten bauen zu können. "Unsere Umweltschützer kämpften sehr hart dafür und gewannen sogar einen Prozess in erster Instanz." meint Sutschkow. Am Ende wurden den Flächen der Status Nationalpark trotzdem entzogen, was der Aktivist als "absolut unzulässig" bezeichnet.

Baustelle eines neuen Stadions in Sotschi

Doch auch sonst wird die Umwelt schwer in Mitleidenschaft gezogen. Müllkippen werden in die Berge gebaut, Wege für Bären in ihrem natürlichen Umfeld abgeschnitten und auch das Fisch-Sterben nimmt zu.

Haufenweise leere Versprechen

Doch nicht nur die Art und Weise, wie mit der Natur umgegangen wird, drückt auf die Stimmung. Auch die Bewohner von Sotschi sehen die Politik hinter den Olympischen Winterspielen zunehmend kritisch. Anfangs war die Begeisterung unter den Leuten in Sotschi riesig, man freute sich auf ein großes Infrastrukturpaket aus Abwasserleitungen, Gas- und Stromleitungen. Jetzt stehen die Spiele vor der Tür, und passiert ist davon nach Ansicht der Menschen in Sotschi wenig. Irina wohnt vor Ort und beschwert sich über die leeren Versprechungen des Bürgermeisters: "Er erzählt uns, dass wir noch ein ganz kleines bisschen Geduld haben sollen, aber wir haben keine Geduld mehr".

Entgegen aller Hoffnungen wird es durch Olympia auch nicht mehr Arbeit für die Bürger Sotschis geben. Zum Schuften wurden nämlich Gastarbeiter engagiert, die vermutlich nicht einmal fair entlohnt werden. Hoffnung, Vorfreude, Vertrauen - in Sotschi ist das alles verpufft. "Das Land ist in zwei Lager gespalten", sagt Wladimir aus Sotschi. "Es gibt ihre olympischen Spiele und unsere." Unterstützung von ihrem Bürgermeister erwarten Sotschis Bewohner längst nicht mehr.


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