Jetzt You Don't Know Loyle Carner feat. Kiko Bun & Rebel Kleff

Info Den Sound von Loyle Carner aus London beschreibt der NME als "gefühlvoll und eloquent". Das finden wir gut. Kate Tempest und Joey Badass wohl auch, denn die beiden durfte Loyle am Anfang seiner Karriere als Vorband begleiten.


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Interview // Olympia-Kommentator Jan Wiecken Einen Stepptanz auf das Eisenrohr zwirbeln

Aus Pretzel-Style macht Olympia-Kommentator Jan Wiecken die Brezel. Ein Teil der Freestyle-Szene mosert. Die anderen finden: Wiecken ist schon jetzt Kult. Er selbst hätte mit so viel Fame nicht gerechnet.

Von: Katharina Kestler

Stand: 14.02.2014

Ein Slopestyle Skifahrer in der Luft | Bild: picture-alliance/dpa

PULS: Nach dem ersten Slopestyle Wettbewerb, den du kommentiert hast, regnete es Lobes-Tweets. Wie hast du davon erfahren?

Jan Wiecken: Das war Wahnsinn. Ich hatte Snowboard Slopestyle kommentiert und war fertig, wirklich im wahrsten Sinne des Wortes. Ich habe da zweieinhalb Stunden durchgeredet, das war anstrengend, hat Kraft und Energie gekostet. Ich ging dann raus und bekam eine SMS von meiner Frau: "Schau mal hier auf Twitter". Und da stand dann: "Der neue Kultmoderator, schon jetzt Jan Wiecken. Ausgeflippt beim Snowboard Slopestyle" und dann dachte ich mir, wollen die mich verarschen? Ich habe dann meine Frau angerufen und gesagt: "Die machen sich lustig über mich, oder?" Und sie: "Nein, lies mal weiter." Und dann ist es mir wie Schuppen von den Augen gefallen. Offenbar hat es dem ein oder anderen ganz gut getaugt, was ich da gemacht hab.

Du weißt, dass Henrik Harlaut Szene-Liebling ist, wo die Skifahrer im Herbst trainiert haben – man merkt, dass du Plan von der Sache hast. Wie hast du dich vorbereitet?

Jan Wiecken: Also die beste Vorbereitung – kein Witz – ist, dass ich selber Snowboard fahre seit ich elf Jahre alt war. Ich bin auch Halfpipe und Slopestyle Wettbewerbe gefahren. Aber Skifahren ist nochmal was anderes. Dafür hab ich mit Leuten aus der Szene geredet. Die erzählen einem dann: "He's the man, den musste dir anschauen."
Es hat auch viel gebracht, dass ich im November auf dem Gletscher beim Trainingslager dabei war und da mal mit dem ein oder anderen quatschen konnte. Und schlussendlich habe ich mir die letzten eineinhalb Monate vor den Spielen jeden Abend bis zwölf Uhr X Games Videos reingezogen, von Harlaut, von Nick Goepper und wie die ganzen Burschen heißen.

Gibt schlimmere Jobs, sollte man meinen…?

Jan Wiecken: Absolut. Ich hatte das Glück, dass mir Gerd Rubenbauer ein bisschen unter die Arme gegriffen und mich gecoacht hat. Der hat gesagt: Jan, dich auf Olympische Spiele vorzubereiten ist wie auf eine Schulaufgabe zu lernen, du musst dir das alles in den Kopf eintrichtern. Nach einer Weile habe ich mir gedacht: Das ist überhaupt nicht wie eine Schulaufgabe. Das ist ja viel, viel geiler, das macht richtig Spaß!

Gerd Rubenbauer coacht also Slopestyle Kommentatoren. Wirklich?

Jan Wiecken: Ja. Ich war auch skeptisch, aber der Rubi ist ein Kommentator der alten Schule, der das über Jahre gemacht hat und auch sehr beliebt ist. Außerdem ist Rubi nach wie vor neugierig und voller Energie. Der hat sich mit mir da rein gestürzt, obwohl er selber keine Ahnung hatte und hat dann mit mir zusammen Dinge erarbeitet, die ich anwenden konnte und die On Air offensichtlich auch ganz gut funktioniert haben.

Trotzdem beschweren sich die ganz Pingeligen, dass das jetzt ein Spin und kein Flatspin war – was sagst du zu denen?

Wiecken nannte Henrik Harlaut "Die fliegende Unterhose aus Schweden"

Jan Wiecken: Natürlich ist es mein Anspruch jeden Trick zu erkennen und auch gleich richtig zu benennen. Aber ich habe mir jede Menge X Games angeschaut und auch die Kommentatoren, die das seit zehn Jahren machen, erkennen nicht jeden Trick. Wenn da 24 Fahrer nacheinander runterdonnern, hat man am Ende gefühlt 275.000 Sprünge gesehen. Irgendwann ist das dann einfach auch eine Konzentrationsgeschichte. Mein Anspruch ist, den Sport  so gut wie möglich der breiten Masse zu erklären. 95 Prozent der Menschen, die bei uns vorm Fernseher sitzen, haben Slopestyle noch nie gesehen und wissen überhaupt nicht was da los ist. Für die habe ich es gemacht. Die sollten danach rausgehen und sagen: "Hey fantastisch, was führen die jungen Wilden da eigentlich auf. Hochachtung!"

PULS: Alle unter einen zu Hut bringen, wie kann das funktionieren?

Jan Wiecken: Ich habe es so versucht, wie es mir auch zum Teil vorgeworfen wird: mit einem Mittelweg. So dass die Szene das Gefühl hat, dass ich mich auskenne, die anderen es aber auch noch verstehen. Aus dem Pretzel-Style habe ich zum Beispiel die Brezel gemacht. Da kann man sich besser was drunter vorstellen. Die Omi auf der Couch denkt sich dann: "Ah die Brezel ist geschwungen, erst linksrum, dann rechtsrum, das könnte also die Gegendrehung sein." Das ist echt eine Gratwanderung und ich verstehe, wenn sich der ein oder andere aus der Szene auf den Schlips getreten fühlt.

PULS: Du bist selber Slopestyle gefahren – jetzt sind es deine ersten Olympischen Spiele und die ersten deiner Disziplin – wie fühlt sich das an?

Stale Sandbech ist Wieckens Lieblingsathlet

Jan Wiecken: Das ist unfassbar! Da oben in der Kabine zu sitzen, direkt über dem gewaltigen Zielareal, mit drei Monsterkickern und den Rails vor mir. Sechstausend jubeln, wenn Mark McMorris da seinen Triple reinstellt... Wenn du vorher aufgeregt bist – ich war ja wirklich nervös – und das dann aufsaugst und einbringen kannst in deinen Kommentar, das fühlt sich fantastisch an. Hier unten springt der Funke nicht so über, da haben sie ein paar Hotelkomplexe reingestellt, das ist ein bisschen wie Las Vegas für Arme. Insgesamt hätte ich mir gewünscht, dass es nicht hier in Russland ist.

Was ist dein absoluter Lieblingsathlet bei den Spielen?

Mein Mann ist Snowboarder Stale Sandbech. Meiner Meinung nach auch zu Unrecht nur Zweiter, weil er genau die richtige Mischung gebracht hat aus Akrobatik und Style. Sage Kotsenburg, der hat den Style gebracht, aber Stale hatte beides. Darüber kann man heiß diskutieren, das sind subjektive Judge-Entscheidungen. Aber ich durfte Stale kennenlernen, im November am Stubaier Gletscher. Er hat sich bei mir mit einem förmlichen Handschlag vorgestellt und verabschiedet, dazwischen hat er eine halbe Stunde mit mir über Triple Corks und Norwegen geredet und wie's ihm in Österreich gefällt. Er ist ein unheimlich netter, sympathischer Kerl, der auch in der Szene sehr beliebt ist und trotzdem bodenständig. Ihm hätte ich das Gold gegönnt.

Und bei den Skifahrern?

Bene! Bene Mayr ist eine Granate. Der ist schwer in Ordnung, verbindlich und ein netter Kerl. Einer, der wirklich was für den Sport tut und auch von der Persönlichkeit den Sport weiter bringen kann. Schade, dass es für ihn nicht geklappt hat mit dem Finale .


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