Jetzt Dunkelblau Fynn Kliemann

Info Fynn Kliemann ist dieser Youtuber, der als "Der Heimwerkerking" bekannt geworden ist und allerlei Dinge baut. Aber er kann auch ziemlich gute Songs bauen. So zum Beispiel die Pop-Ballade "Dunkelblau" (2018),

08:51 Uhr Picasso Rikas


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Interview // Freeletics-Mastermind Philipp Hagspiel "Wir wollen jeden einzelnen Menschen!"

Freeletics ist der Trend der Stunde. "Freie Athleten" bilden eine eingeschweißte Community in Parks, auf Großevents und in Sozialen Medien. Philipp Hagspiel meint: Das ist erst der Anfang, denn Freeletics ist ein Bekenntnis.

Von: Anna Bühler

Stand: 27.03.2015

Phillip Hagspiel, Director of Research&Development bei Freeletics | Bild: picture-alliance/dpa

PULS: Philipp Hagspiel, du bist Director of Research&Development bei Freeletics. Warum ist Freeletics so krass eingeschlagen?

Phillip Hagspiel: Wir haben es geschafft, einen Community-Effekt zu erzeugen. Das heißt, dass wir eine Gemeinschaft kreiert haben, in der die Leute nicht nur miteinander trainieren, sondern sich gegenseitig unterstützen und anfeuern. Das ist etwas, das wir natürlich pro-aktiv formen wollen, das heißt wir sind sehr darauf bedacht, dass Leute einerseits die richtigen Orte finden, an denen sie trainieren können, dass wir den Leuten Möglichkeiten bieten zusammen zu kommen und dass wir sie dazu aufrufen, zusammen zu trainieren.

Gibt es auch negative Effekte, die so eine Community vielleicht birgt?

Wir sehen natürlich auch, dass uns der Wettkampfgedanke, der während des Trainings mit sich selber und mit anderen entsteht, sehr effektiv macht. Das ist auch etwas was wir wissentlich vorantreiben. Allerdings ist es auch so, dass wir keinen negativen oder feindseligen Wettkampf wollen. Das ist etwas, was wir sehr stark im Auge haben und dem wir sehr aktiv entgegen arbeiten, dass wir niemals in diese Richtung gehen.

Man kann aber auch den Wettkampf mit mir selbst übertreiben. In der App habe ich Leute gesehen, die dreimal am Tag ein Workout machen. Wie schützt ihr diese Leute vor sich selbst?

Auf inhaltlicher Ebene ist vor allem unser Coachprogramm so strukturiert, dass wir die Leute mit einem Fitnesstest ganz klar abholen und wirklich einschätzen, wie gut jede Person wirklich ist. Jetzt könnte man selbst da noch ansetzten und sagen, dass man trotzdem noch bescheißen kann - und es dann gefährlich wird. Auch da haben wir in unseren Algorithmus Grenzen eingebaut, die klar sagen, dass dies oder das unrealistisch ist und dass man so gut nicht sein kann. Wir hatten auch Anfang dieses Jahres eine sehr große No-Excuses-Kampagne, die sagt: Such dir keine Ausreden, gib Vollgas, geh auch gerne an deine Grenzen. Das meinen wir auch und dazu stehen wir. Das heißt aber, dass man, wenn der Kopf "Nein" sagt, Wege finden soll, das zu überwinden. Davon unterscheiden muss man, wenn der Körper "Nein" sagt. Was wir den Leuten bei unserem Coaching immer wieder klar machen ist, dass es keinen Sinn macht, über einen  Muskelkater zu trainieren.

Du hast jetzt viel von dem Coach gesprochen, das ist ja im Grunde genommen die bezahlte Version der App. Ist das dann vielleicht auch ein Kaufargument? Dass, wenn man sich die App nicht kauft, eventuell ungesund trainiert.

Es ist überhaupt kein Kaufargument. Wir wurden es auch nie so hinstellen, dass man nur mit dem Coach gesund trainieren kann, das stimmt auch nicht. Ich sage immer: es gibt keine gesundheitsgefährdenden Übungen. Es gibt nur eine gesundheitsgefährdende Ausführung. Auch für die User, die nicht die Coaching-Version haben, gibt es Videotutorials. Sobald wir von dir bestimmte Übungen "verlangen", geben wir dir alle notwendigen Hinweise, damit du diese Übung auch wirklich sicher machen kannst.

Zu Zeiten der Selbstoptimierung, warum passt Freeletics so gut in unsere Zeit?

Wir glauben nicht nur, sondern wir wissen auch, dass jeder einzelne Mensch das Potenzial hat, sein Leben so zu gestalten, wie er oder sie das möchte, um maximal glücklich und zufrieden zu werden. Wir wissen aber auch, dass es gewisse Voraussetzungen gibt, die es den Leuten dann ermöglichen, ihr Potential dahingehend zu entfalten. Das sind vor allem physische Stärke, mentale Stärke, also Willenskraft, und Selbstüberzeugung. Das sind Dinge, die wir ganz gezielt bei den Leuten trainieren wollen. Wenn man sagt, man soll das Leben selbst in die Hand nehmen und alles so formen, wie man es selber will, um maximal glücklich zu werden, wenn man sagt, dass das eine Selbstoptimierungswelle ist, kann ich auch sehr gut damit leben, dass man sagt: Freeletics ist nicht nur ein Teil der Trends, sondern treibt diesen Trend sogar an.

Du benutzt jetzt so Begriffe wie Willensstärke, also Stärke allgemein, glücklich sein und streben und so was. Warum benutzt ihr so einen immensen Pathos?

Weil es die Leute emotional berührt und darum geht es auch, dass man es den Leuten nicht nur auf rationaler Ebene erklärt, dass man 25 Burpees machen soll, sondern dass es darum geht, die Leute emotional abzuholen und emotional zu berühren. Weil genau das das ist, was das Verhalten der Leute langfristig ändert.

Und welche Rolle spielt es dann, das ihr die Leute vielleicht bindet?

Es ist natürlich für uns als Unternehmen, aber vielmehr für uns als Bewegung, ein absolutes Ziel die Leute an uns zu binden. Aber nicht als Selbstzweck, sondern weil wir ja geradesagen, dass wir dieses zwei Monatsprogramm sind, dass dir den Beachbody gibt und danach lebst du dein Leben weiter, sondern, dass Freeletics ein Bekenntnis ist.

Wird euch vielleicht auch manchmal vorgeworfen, dass ihr eine so fette Community seid, dass wenn man in den Park geht, nur die ganzen "Freeletics-Soldaten" rumspringen sieht?

Wir sind sehr stolz drauf, dass wir so viele Leute bewegen und wir sagen auch ganz klar, dass das erst der Anfang ist, weil wir jeden einzelnen Menschen auf der Welt erreichen wollen. Das meine ich auch so, wie ich es sage und wir wissen auch, dass wir jeden einzelnen Menschen auf der Welt erreichen können.


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