Jetzt Follow Me Juju Rogers

Info Juju Rogers macht sich ernsthaft daran, den Demograffics in Sachen englischsprachigem Rap aus Deutschland Konkurrenz zu machen. Mit "Follow Me" (2019) wollte er sich - wie er selbst sagt - "soundästhetisch aus dem Fenster lehnen".

Kommentar Auch Frauen verstehen Fußball, ihr Arschnasen!

Im offiziellen FIFA-WM-Trailer jongliert eine Frau eine Handtasche - keinen Ball - und Sportkommentatorin Claudia Neumann muss sich wieder miese, sexistische Kommentare anhören. Unserer Autorin reicht’s!

Von: Verena Fücker

Stand: 19.06.2018

Frauen verstehen Fußball genauso | Bild: BR

Seit Wochen kommt mir beim Blick in meine Timeline einfach nur das kalte Kotzen: Pünktlich zu Fußball-Großereignissen wie WM oder EM glauben Frauenzeitschriften, sie müssten ihrer scheinbar komplett parfum-umnebelten Zielgruppe mal wieder die wichtigsten Regeln des Männersports schlechthin erklären. Dabei kommen dann Artikel mit so schönen Überschriften raus: "Handtaschen-Check: 5 Dinge, die du beim Public Viewing IMMER dabei haben solltest!", "Flirttipps fürs Public Viewing" oder "WM 2018: 11 Fußball-Sätze, mit denen du für eine Kennerin gehalten wirst." Oder ein nettes Bullshit-Bingo für den Herren, der leider, leider seine Freundin zum Spiel mitschleppen muss.

Leute! Echt jetzt? Eurer Meinung nach ist die deutsche Frau scheinbar prinzipiell nicht dazu in der Lage, sich ernsthaft für Fußball zu interessieren. Wir sind im besten Fall noch: Event-Fans. Danke auch! Schön, dass wir Frauen auch von Frauenzeitschriften nur auf unser Aussehen reduziert werden und zur WM die besten Stylingtipps fürs Public Viewing bekommen. Zum Beispiel soll man unbedingt eine goldene Lederjacke zu schwarzer Shorts und rotem Spitzentop kombinieren, weil das ja die Farben der deutschen Nationalmannschaft sind. Ach so.

Ja, der DFB hat auch weibliche Mitglieder

Schon klar, die einschlägigen Blätter wie Instyle oder die Brigitte machen damit ihr Geld. Aber ganz ehrlich? Der DFB, immerhin der größte nationale Sportverband der Welt, hat unter seinen Mitgliedern über 772.000 Frauen und mehr als 322.000 Mädchen. Dann gibt’s da noch die unzähligen Mädels und Frauen, die Woche für Woche ins Stadion gehen oder die Sportschau gucken. Und ja: Wir wissen, wie Fußball funktioniert! Wir brauchen keine Floskeln, die man mal so beim Spiel droppen kann.

Selbst wenn sich das die meisten Männer und (Frauen-)Magazine nicht vorstellen können: Ich gehe auch mal alleine ins Stadion, wenn sonst niemand Zeit hat. Und da habe ich als Blondine schon genug mit Vorurteilen zu kämpfen. Ich habe echt keine Lust mehr darauf, mir von den Herren der Schöpfung hinterherrufen zu lassen: "Du trägst ein altes Schweinsteiger-Trikot? Bist du Erfolgsfan oder willst du Spielerfrau werden? Ey, Süße! Jetzt dreh dich halt mal um! Dann erklär ich dir das noch mal mit dem Abseits." Solche Kommentare reichen mir so dermaßen! Da brauch ich nicht auch noch Stylingtipps für die WM-Party oder Werbung wie die von Dr. Oetker aus der Schweiz:

Sowohl Dr. Oetker, als auch Telekom Sport tun ihre Ideen mit Ironie und einem Augenzwinkern ab. Das macht es für Frauen wie mich nicht einfacher.

Es gibt mehr weibliche Fußballfans als nüchterne Hooligans

Und Flirttipps fürs Public Viewing brauch ich erst recht nicht. Ich bin nämlich nicht da, um Männer zu beeindrucken. Ich will Fußball gucken, verdammt! Ja, sowas gibt's tatsächlich! Frauen, die sich wirklich fürs Spiel interessieren – und die sind gar nicht mal so exotisch wie ein nüchterner Hooligan. Mich hat kein Freund dazu gezwungen, Fußball zu gucken. Auch mein Vater war daran ziemlich unbeteiligt und einen großen Bruder, der mich mit ins Stadion geschleift hätte, habe ich nicht. Nein, und ich bin - anders als das allerdümmste Klischee überhaupt – auch nicht lesbisch. Und selbst wenn - als würde das irgendwas zur Sache tun. Sorry, wenn euch das jetzt schockiert, aber: Ich liebe diesen Sport einfach!!

Ich sage ja gar nicht, dass alle Frauen in Deutschland echte Fußballfans sind und sich total auskennen. Müssen sie auch nicht - eben so wenig, wie alle Männer das müssen. Aber dieser Umgang mit Frauen rund um Fußball - egal ob von der FIFA oder in Artikeln - fördert Vorurteile, so unüberwindbar wie der Abwehrriegel der Russen gegen Saudi-Arabien. Und wegen ihnen kann sich die Öffentlichkeit nicht vorstellen, dass es auch Frauen wie mich gibt. Echte, weibliche Fußball-Fans. Und dann kommt‘s im Endeffekt zu solchen Shitstorms wie Claudia Neumann ihn jetzt gerade wieder erleben musste – weil ihr Chef endlich mal dachte, es ist eine gute Idee, eine Frau bei der WM ans ZDF-Mikro zu lassen. Und, liebe Modekolumnistinnen und Hobbytrainer: Das ist es auch – eine wirklich gute Idee!

Sendung: Filter, 20. Juni 2018 - ab 15 Uhr.