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Freeski-ABC Welcher Ski passt zu mir?

Skimodelle kommen mittlerweile in allen Längen, Breiten und Shapes daher. Damit ihr nicht den Überblick verliert, zeigen wir euch die vier wichtigsten Einsatzbereiche im Freeskiing - und garantiert auch den Ski, der zu euch passt.

Von: Hans-Martin Kudlinski

Stand: 15.12.2014

Welcher Ski passt zu mir? | Bild: BR

Auch wenn der Schnee noch auf sich warten lässt, können es die meisten Freerider gar nicht mehr erwarten, endlich in den Winter zu starten. Am besten mit neuen Ski an den Füßen - nur mit welchen? Mittlerweile gibt es gefühlt tausend Skimodelle in zig verschiedenen Längen, Breiten und Shapes. Damit ihr den Durchblick behaltet, haben wir die vier wichtigsten Einsatzbereiche im Freeskiing aufgelistet und zeigen euch, welcher Ski am besten zu euch passt. Und wir haben ein kleines Freeski-Glossar mit den wichtigsten Begriffen zusammengestellt, die euch beim Skieinkauf unterkommen können.

Der Allmountain-Freerider

Ihr seid knapp bei Kasse und habt keinen Bock, für mehrere spezialisierte Skimodelle endlos viel Kohle auszugeben? Wenn ihr trotzdem einen Ski fahren wollt, der alles mitmacht, kommt ihr am Allmountain-Freerider nicht vorbei. Der Gedanke der Entwickler dahinter: Dieser Ski vereint das Beste aus allen Welten in nur einem Modell.

Das ist aber gar nicht so leicht: Denn was im knietiefen Powder perfektes Surf-Feeling bringt, endet auf der Piste meist in einem schwerfälligen Eiertanz. Ein guter Kompromiss klappt am besten bei Skimodellen mit einer Mittelbreite zwischen 90 und 100 Millimetern. In Kombination mit einer etwas ausgeprägteren Taillierung bleibt man auf der Piste trotzdem noch wendig. Auch wenn so ein Modell nicht sonderlich breit wirkt, sorgt es im Tiefschnee für einen ordentlichen Auftrieb - besonders in Kombination mit dem Rocker* an der Schaufel, also dem vorderen Skiende.

Der Freeride-Ski

Woche für Woche in die Berge pilgern und schwerelos durch den hüfttiefen Powder gleiten - davon träumen wohl alle Freerider und auch die, die es noch werden wollen. Damit dieser Traum auch für jeden wahr werden kann, haben sich die Entwickler der Skifirmen in den letzten Jahren einiges ausprobiert - und Freeride Ski bekamen deswegen viel Rocker an der Schaufel und enorme Mittelbreiten über 130 Millimeter. Das Ergebnis: fast unsinkbare Powderplanken, die auch Einsteigern das Surf-Feeling bescheren.

Bei den modernsten Freeride-Ski ist aber schon wieder Downsizing angesagt. Viele aktuelle Modelle beschränken sich auf Mittelbreiten von 115 bis 120 Millimeter. Für die ideale Powder-Performance sorgt dann das ausgeklügelte Zusammenspiel der Biegelinie, sprich des Rockers* und des Shapes*. Manche Modelle lehnen sich sogar an die Formgebung von Surfbrettern an, so dass sich der Ski im tiefen Pulver besonders leicht fährt - auf der Piste wird’s dann jedoch umso schwieriger.

Der Big-Mountain-Ski

Wenn ihr schon den ein oder anderen Winter hinter euch habt, euch in technisch anspruchsvollem Gelände und bei hohen Geschwindigkeiten wohlfühlt, dann ist der Big-Mountain-Ski genau das Richtige für euch. Dabei kommt‘s vor allem auf die Länge an: Um auch bei Highspeed stabil die Spur halten zu können, sollte die Länge des Skis in etwa eurer Körpergröße entsprechen, plus zehn Zentimeter oben drauf. Denn je länger der Ski, desto besser klappt's mit dem Spurhalten.

Neben der Länge ist der Flex* entscheidend. Um bei wechselnden Schneebedingungen die Kontrolle zu behalten, sollte der Ski einen hohen Härtegrad, also einen harten Flex haben. Das kostet zwar mehr Kraft beim Fahren, gibt aber bei wechselhaftem Schnee und auch bei Schlägen im Gelände mehr Kontrolle. Selbst bei einem kurzen Abstecher auf die Piste hat dieser Skityp genug Grip. Typisch für den Big-Mountain-Ski ist auch die moderate Taillierung von etwa 110 bis 120 Millimeter und das meist flache Tail*. Der Kurvenradius ist deswegen verhältnismäßig groß - aber perfekt für langgezogene Highspeed-Turns im Powder.

Der Park-Ski

Powder interessiert euch nicht? Stattdessen wollt ihr viel lieber im Snowpark über Kicker springen und geile Tricks raushauen? Auch wenn nicht die nächste Olympia-Quali auf dem Plan steht, braucht ihr dafür einen Ski mit ganz besonderen Eigenschaften.

Viele Tricks werden rückwärts, also switch angefahren und gelandet. Deswegen ist beim Park Ski nicht nur die Schaufel, sondern auch das Skiende aufgebogen, das heißt Twintip*. Dadurch und dank der teils komplett symmetrischen Taillierung fährt sich dieser Ski vorwärts und rückwärts genau gleich. Damit er für die Tricks wendig genug ist, ist er nur 80 bis 90 Millimeter breit. Um dann bestmöglich switchen zu können, muss die Bindung zentral auf dem Ski montiert sein.

*Das kleine Freeski-Glossar

Tip und Tail

Als Tip bezeichnet man das vordere Skiende, also die Schaufel. Das hintere Ende, also das Heck des Skis, heißt Tail.

Twintip

Beim Twintip ist nicht nur das Tip, sondern auch das Tail aufgebogen. Das erleichtert das Rückwärtsfahren, weil sich der Ski so nicht in den Schnee eingräbt.

Flex

Spricht man vom Flex, ist der Härtegrad eines Skis gemeint. Je mehr Kraft es braucht, um den Ski durchzubiegen, desto härter ist der Flex des Skis.

Shape

Der Umriss eines Skis in der Draufsicht ist der Shape - er hängt von der Taillierung, aber auch der Formgebung von Tip und Tail ab.

Vorspannung

Schaut man seitlich auf den Ski, sieht man seine Biegelinie - auch Vorspannung genannt. Bei einer klassischen (positiven) Vorspannung hebt sich der Ski im Bereich der Bindung leicht vom Boden ab und krallt sich damit quasi von selbst in den Untergrund.

Rocker

Ein Ski mit Rocker besitzt eine negative Vorspannung. Legt man ihn also flach auf den Boden, hebt sich die Schaufel vom Boden ab. Länge und Stärke der Aufbiegung variieren: Je mehr Rocker, desto leichter schwimmt der Ski im Tiefschnee und desto leichter fährt man Kurven.


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