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Allgäu-Orient-Rallye Mit dem 5er BMW von Oberstaufen nach Amman

Fast 7000 Kilometer bis nach Jordanien, auf der Landstraße, ohne Navi. Klingt irre, aber genau das haben sechs Nürnberger vor: Das Team Franken-Racing fährt bei der Allgäu-Orient-Rallye mit.

Von: Alex Loos

Stand: 08.05.2015

Team Franken startet demnächst Richtung Jordanien | Bild: BR

Schwarz verschmierte Hände und Schweiß auf der Stirn – Philip bekommt die hintere Feder des 5er BMW einfach nicht abmontiert. Dass seine fünf Team-Kollegen um ihn herumstehen und nur kluge Ratschläge geben, obwohl sie genauso wenig Ahnung haben wie er, kennt Philip schon: "Wir packen uns das theoretische Wissen über die Autos mit Youtube-Videos drauf. Der Rest ist learning by doing."

An diesem Samstagvormittag hat sich das Team Franken-Racing in einer Garage in der Nähe von Nürnberg getroffen, um ihre drei Kombis fit für die Allgäu-Orient-Rallye zu machen. Mit ihnen wollen Sie in drei Wochen bis nach Jordanien kommen - denn genau so lange dauert das Auto-Abenteuer von Oberstaufen nach Amman. 2015 findet diese Rallye schon zum zehnten Mal statt. Veranstaltet wird sie von 16 ganz unterschiedlichen Leuten - von Journalisten über Autofans bis hin zu Politikern - mit dem übergeordneten Ziel, Entwicklungsprojekte in Ländern zu unterstützen, in denen die Rallye-Teams ihre Stopps einlegen.

Low-Budget statt High-End

Die sechs Mitglieder des Franken-Racing Teams, alle Mitte 20, sind alles andere als die klassischen Schrauber-Profis. Aber die sollen bei der Allgäu-Orient-Rallye auch gar nicht mitfahren. Es ist eine Low-Budget-Rallye für Amateure. 111 Teams mit jeweils drei Fahrzeugen nehmen teil und keines davon durfte in der Anschaffung mehr als 1.111 Euro kosten. "Wir haben uns für die 5er BMWs entschieden. Die haben genug Platz und sind zuverlässig, obwohl sie schon ordentlich Kilometer auf dem Tacho haben", erklärt Simon, der gerade an einer der Bett-Konstruktionen werkelt. Die haben er und seine Team-Kollegen in die Autos gebastelt, denn geschlafen wird in den Fahrzeugen, drei Wochen lang, jeweils zu zweit.

Fahrende Litfaßsäulen

Die Idee, bei der Rallye teilzunehmen, kam den sechs Team-Mitglieder zum Teil unabhängig voneinander. Alle kennen sich aus der Schulzeit und haben sich schließlich über Facebook zum Team Franken-Racing zusammengefunden. Seit über einem halben Jahr treffen sie sich fast jedes Wochenende, um an den Autos zu basteln, die Route zu planen, aber auch um Pläne für die Finanzierung zu erstellen. Etwa 25.000 Euro wird das ganze Projekt am Ende kosten. Obwohl die Autos nicht teuer sein dürfen, müssen sie umgebaut und für die Reise fit gemacht werden. Das verschlingt Geld. Ohne Sponsoren geht da nichts, erklärt Laura, die einzige Frau im Team: "Wir haben bei Firmen, aber auch bei Freunden und Verwandten gesammelt." Die drei weißlackierten Autos sind deswegen übersäht mit Firmenlogos.

Ein Kamel für den Ersten

Das gesammelte Geld fließt aber nicht nur in die Finanzierung des Teams. 20 Prozent aller Sponsoreneinnahmen spenden die Hobby-Rallye-Fahrer an einen wohltätigen Verein. Alle Fahrzeuge der Rallye werden in Jordanien versteigert - das Geld kommt den Menschen dort zu Gute. Genauso wie der Preis für den Erstplatzierten: ein Kamel. Weil man das aus Jordanien ziemlich schlecht mit nach Hause nehmen kann, bekommt es in der Regel ein Beduine oder ein Bauer vor Ort geschenkt. Der gute Zweck steht bei der Allgäu-Orient-Rallye im Vordergrund, erklärt Laura: "Wir müssen auf dem Weg verschiedene Aufgaben lösen. Zum Beispiel zehn Gegenstände gegen Reis eintauschen, der dann an Flüchtlingseinrichtungen gespendet wird."

Beifahrersitz statt Pool-Liege

Dass der Drei-Wochen-Trip von Oberstaufen im Allgäu nach Jordanien nicht ganz einfach wird, ist klar. Fahrten durch die Wüste, fremde Sprachen, Nächte im Auto und vorprogrammierte Pannen – doch das ist dem Team Franken-Racing egal. Laura und die fünf Jungs können es kaum erwarten, dass es endlich losgeht – und am 9. Mai ist es soweit. Natürlich könnte man seinen Urlaub auch wesentlich entspannter verbringen, gibt Philip zu. "Aber was habe ich denn davon auf Malle am Pool zu liegen. Da liege ich lieber auf dem Beifahrersitz und fahre durch Jordanien. Da scheint auch die Sonne."


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