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Games // Xenoblade Chronicles X Bist du zu schwach, ist es zu stark

Nur die Stärksten überleben in diesem Giganto-Rollenspiel. Nur die Stärksten stemmen die knochentrockene Open-World-Arbeit in diesem Game. Und nur die Stärksten können diesem Spiel trotz großer Sinnlosigkeit widerstehen.

Von: Franz Liebl

Stand: 07.12.2015

Feindliche Aliens haben die Erde zerstört. Nur wenige Menschen konnten auf einer Weltraum-Arche flüchten, bevor ihr Heimatplanet gesprengt wurde. Nach zweijähriger Odyssee im All werden die Überlebenden jedoch erneut angegriffen. Die Arche stürzt auf dem Planeten Mira ab und was für ein Zufall: Hier können Menschen leben. Jetzt ist es an mir und meinem Trupp, diese Welt zu erforschen und neues Leben aufzubauen. Aber dann kehren die Aliens erneut zurück.

Ich falle in der fremden Welt ein wie ausgehungerte Termiten

Spätestens jetzt fühlt sich für mich die Story des neuen „Xenoblade“ seltsam an. Die Aliens wollen auch auf diesem Planeten alles vernichten. Sie werden eindeutig böse dargestellt. Meine Leute hingegen werden eindeutig gut dargestellt. Dabei sind die Menschen auf diesem Planeten selbst Aliens – und verhalten sich kaum besser. Meine Truppe, mit der ich unterwegs bin, mit der ich mich identifizieren soll, macht sich ständig über die Einheimischen lustig, über ihre Sprache, ihr Aussehen, ihre Art und ihren Lebensstil. So quasi: Schaut euch diese komischen Eingeborenen an!

Außerdem schlachte ich hier alles ab, was nicht bei drei auf den Bäumen ist, weil sonst geht Nichts voran mit dem Projekt „Rette die Menschheit“. Ich brauche die hiesige Tierwelt als Rohstoff und auch der Boden ist vor mir nicht sicher. Ich baue so viele Mineralien ab wie nur möglich, denn sonst haben meine Kampfroboter keinen Treibstoff. Und den brauche ich, um noch mehr von Mira zu erobern. Kurz, ich verhalte mich wie ein Schwarm ausgehungerter Termiten und nehme mir, was ich möchte – ohne Rücksicht auf Verluste. Der stärkere Alien darf den fremden Planeten besitzen. Nach meinen vielen Stunden auf Mira habe ich noch keinen doppelten Boden in der Story erkennen können. Keinen zynischen Unterton wie in „Fallout“, das auch mit dem Recht des Stärkeren „spielt“. Also das gefällt mir nicht.

Von A nach B laufen, die meiste Zeit

Das Gute daran: Soviel Story gibt es gar nicht. Das Schlechte daran: Das macht es nicht unbedingt besser. Denn inhaltlich passiert hier eigentlich gar nichts. Stundenlang laufe ich von A nach B in zig Hol- und Bringaufgaben, Botengängen, Monsterjagden und Rettungsmissionen für alle möglichen Leute aus der Arche. Das ist wirklich die unterste Stufe an Open-World-Beschäftigung und genau deswegen bald Routine, Alltag, Langeweile. Das ist knallharte Arbeit, was einem die Vorgesetzten im Game ironischerweise auch immer wieder predigen. 

Eins aber rettet „Xenoblade“ und macht es dann auch noch zu einem richtigen Zeitfresser. Die gigantisch große, urzeitlich anmutende Spielwelt, vollgestopft mit fantastischen Tieren von käferklein bis dinosauriergroß. Die idyllischen Wasserfälle am Ende der weiten Steppe. Die bizarren Felsformationen im Sonnenuntergang. Die karge Wüste mit ihren außerweltlichen Bauten einer fremden Zivilisation. Der geheimnisvolle Pflanzenwald mit Blüten so groß wie Fußballplätze. Hier wandere ich einfach gerne herum. Und weil die vielen Kämpfe meiner Gruppe noch dazu fast von selbst ablaufen, stellt sich bei mir eine angenehme Dösigkeit bei „Xenoblade Chronicles X“ ein. Das Game lullt mich ein und ich vergesse die Zeit. Stunden vergehen wie nichts. Es geht mir gut hier. Und gleichzeitig ärgere ich mich: Denn wenn das passiert, dann war ich nicht stark genug, diesem eigentlich mittelmäßige Game zu widerstehen.

Xenoblade Chronicles X (Nintendo // für Wii U)


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Chris Berger, Montag, 07.Dezember 2015, 08:36 Uhr

1. mittelmäßig?

Also ich persönlich kann die Kritik nicht ganz verstehen. Ich finde das Spiel sehr abwechslungsreich,
und die böse Dargestellte Belustigung über die Einheimischen..
Ich interpretiere das als Humor.... Nicht umsonst steht United States auf dem Schiff... So was nennt man in meinen Augen Klischee..
Was das Stundenlange laufen angeht.... Das empfand ich im ersten Teil deutlich schlimmer. Dank der Schnellreisefunktion,
muss man eigentlich kaum mehr laufen.
Für mich ist es jedenfalls ein Zuckerstück. Besser als jeder FF Teil in den vergangenen 6 Jahren...
Die ersten paar Stunden sind defintiv ein wenig anstregend, da man sich erst mal die Spielweise verinnerlichen muss, aber danach
gehts einfach nur ab. Den Xenoblade Nerv hat es bei mir zumindest voll getroffen.