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TV & Serien // Weinberg Mystery made in Germany

Machen wir uns nichts vor: Serien aus Deutschland sind oft schlimm geschrieben, langweilig oder einfach nur uncool. Die neue Mysteryserie "Weinberg" mit Friedrich Mücke will anders sein als die Konkurrenz. Und schafft das sogar.

Von: Christian Alt

Stand: 06.10.2015

Bild aus Serie "Weinberg" | Bild:  TNT Serie/ Martin Rottenkolber

"Lassen Sie sich von der wunderschönen und einmaligen Landschaft des Ahrtals vor den Toren Bonns begeistern. Inmitten dieser malerischen Kulisse erleben Sie in einem der kleinsten Seitentäler des Rheins einen Urlaub, der unvergesslich sein wird."

www.ahrtal.de

Das Ahrtal, versteckt im Niemandsland zwischen Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen, gibt sich auf seiner Webseite gern idyllisch. In der Serie "Weinberg" sieht man von dieser Märchenlandschaft nichts: Statt lustigen Winzern wohnen hier verschlagene Dorfpatriarchen und überreligiöse Hausfrauen. Sogar die Sonne hat keinen Bock auf das Ahrtal: Dicke Nebelschwaden versperren die Sicht auf die steilen Weinberge. Dort wacht der namenlose Held (Friedrich Mücke) der Serie auf: Auf seiner Stirn klafft eine große Platzwunde und neben ihm hängt ein totes Mädchen. Mit schickem Kleid und einer Krone. Als er ins Dorf humpelt, wollen die Einheimischen nichts von seinem Fund wissen.

Die "tote" Weinkönigin (Sinha Melina Gierke)

Schnell ist klar: Irgendwas stimmt nicht in dem kleinen Kaff mit dem klingenden Namen Kaltenzell. Denn die Suchaktion, die der Bürgermeister anführt, bleibt ergebnislos. Keine Leiche, keine Blutspuren, nur jede Menge Fragen. Unser Held findet schnell raus: Die Leiche, die er gesehen hat, ist die Weinkönigin von Kaltenzell. Und diese ist noch quietschfidel. Als die Weinkönigin dann ein paar Tage später, pünktlich zum Weinfest, doch verschwindet, ist er schnell der Hauptverdächtige.

Mehr als nur das deutsche "Twin Peaks"

Als der Spartensender TNT vor einem Jahr angekündigt hat, eine deutsche Mysteryserie zu produzieren, haben viele die Nase gerümpft: Eine Serie aus Deutschland, die einen auf "Lost" oder "Twin Peaks" macht - das kann ja nur peinlich werden. Aber das Gegenteil ist passiert: "Weinberg" ist eine der ersten Produktionen aus Deutschland, die auch international mithalten kann. Die Serie sieht aus wie eine Hochglanzproduktion aus den USA. Die düstere und unterkühlte Ästhetik macht aus dem eigentlich hübschen Dorf im Ahrtal eine spooky Geisterstadt. Weinfeste, Landgasthöfe und Kneipen, alles wirkt hier wie aus einer gruseligen Paralleldimension, in der noch so gelebt wird wie vor 100 Jahren. David Lynchs "Twin Peaks" lässt grüßen.

Teil des  Erfolgsrezepts von "Weinberg“ sind auch die durchweg hervorragenden Schauspieler. Egal ob Friedrich Mücke als namenloser Held, Gudrun Landgrebe als seine Therapeutin oder Arved Birnbaum als ruchloser Bürgermeister - alle spielen, passend zur unterkühlten Stimmung, sehr zurückgenommen.

Liegt die Zukunft beim Pay TV?

Der Bürgermeister (Arved Birnbaum)

Wenn’s um Serien geht, gibt’s in den deutschen Medien seit Jahren eine kleine Tradition. Alle paar Monate erscheint irgendwo ein langatmiger Artikel darüber, warum es in Deutschland kein "Breaking Bad“ oder kein "The Wire" gibt. Wir wären ja schon mit dem Äquivalent zur zweiten Staffel "True Detective" zufrieden. Auch die Sender wollen gute Serien machen, kriegen das bisher aber noch nicht so hin.

"Weinberg" schafft den Spagat zwischen amerikanischem Look and Feel und urdeutschem Setting. "Weinberg" beweist, dass sich Experimente im deutschen Fernsehen lohnen. Dass die Experimente ausgerechnet von einem Pay-TV-Sender kommen, überrascht dann doch. Es ist ja nicht so, als ob das ZDF oder die ARD kein Geld für ein Projekt wie Weinberg hätte. Aber während die Produzenten bei TNT einfach mal machen und richtig abliefern, diskutiert man beim ZDF immer noch über das deutsche "Breaking Bad". Bis das dann kommt, ist "Weinberg" hoffentlich schon in seiner zweiten Staffel.

"Weinberg" startet am 6. Oktober bei TNT.


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