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Lesen // Comicjahr 2015 Die besten Graphic Novels im neuen Jahr

Es hagelt Bestenlisten aus 2014: Die besten Romane, die besten Biografien, die besten Kurzgeschichten. Wir schauen lieber nach vorne, spielen Kiosk-Orakel und sagen euch jetzt schon, was man 2015 lesen sollte - und warum.

Von: Katja Engelhardt

Stand: 15.12.2014

Das Kinderbuch als Stoner Comedy: "Hexe Total"

Simon Hanselmann hat Charaktere aus einem Kinderbuch in die reale halberwachsene Welt katapultiert: Die Hexe Megg, ihr Kater Mog und eine Eule werden von niedlichen Figuren zu obszönen Junkies. Die Eule hat einen deprimierenden Job im Callcenter und Hexe Megg leidet unter Depressionen. Der Comic-Band "Hexe Total" ist so witzig wie abgründig.

Vorfreude-Alarm
Autor und Zeichner Simon Hanselmann ist eine der spannendsten Personen im Comic-Zirkus. Der Crossdresser erzählt offen vom Aufwachsen im testosterongeschwängerten Tasmanien und seiner drogensüchtigen Mutter, die er als Kind mehr als ein mal bewusstlos auf dem Badezimmerboden gefunden hat. Der Band "Hexe Total" wird garantiert Kult.

"Hexe Total" erscheint in der ersten Februarwoche 2015 im avant-verlag.

Der Comic ohne Bilder: "Der Ewige"

Der Vampir Ferdinand geht am liebsten Schallplatten kaufen, hasst Partys auf Friedhöfen und ist seine Rückenschmerzen durch regelmäßiges Schwimmen losgeworden. Ferdinand ist mit all seinen Spleens und Marotten der wahrscheinlich menschlichste und spießigste Vampir der Welt. In den Geschichten über ihn stecken Anspielungen auf Literatur, Popkultur und auch schwere Themen wie Ausgrenzung.

Vorfreude-Alarm
Eigentlich ist die Geschichte vom skurillen Vampir Ferdinand abgeschlossen. Aber Zeichner und Autor Joann Sfar bringt 2015 seinen ersten Roman raus und der gilt als schriftliche Fortsetzung. Von Ferdinands Heimat Litauen in den 20er-Jahren geht’s ab nach New York und in die Gegenwart. Auf dem Cover des Romans "Der Ewige" ist auch eine Skizze von dem Vampir. Wieviel Ferdinand wirklich drin steckt, wissen wir, wenn das Buch endlich da ist.

"Der Ewige" erscheint am 12. März 2015 im Eichborn Verlag.

Der Tatsachen-Comic: "Ghetto Brother"

In den 70ern wird die Bronx von Banden regiert. Ohne eine Gang lebt man unsicher - die Gang ist eine zweite Familie. Der Comic "Ghetto Brother" erzählt die Geschichte von Benjamin Melendez, dem Anführer der Gang "Ghetto Brothers". Melendez hat damals für Frieden zwischen den Gangs gesorgt.

Vorfreude-Alarm
Während man mit den Ghettobrüdern mitfiebert, erlebt man auf 128 Seiten ein Stück wahre Bronx-Geschichte mit. Die Fakten hat Reporter und Fotograf Julian Voloj gesammelt, umgesetzt hat sie die Zeichnerin Claudia Ahlering. Die geladene Stimmung in der Bronx kommt durch die groben schwarz-weißen Skizzen bestens rüber. Dabei wird fast alles ausgeschöpft, was die Comic-Erzählkunst hergibt: übertrieben Darstellungen, zeitliche Querverweise und politische Erklärungen.

"Ghetto Brother" erscheint Mitte März 2015 im avant-verlag.

Der Comic, der Geschichte schrieb: "Valentina"

"Valentina" von Guido Crepax | Bild: avant-verlag

Mailand in den Swinging Sixties. Valentina ist Fotoreporterin und sieht aus wie die italienische Version des britischen Supermodels Twiggy: groß, sehr schlank und extrem modisch. Die Graphic Novel "Valentina" - damals noch "Erwachsenencomic" genannt - stürzt sich auf alles Extreme der 60er.

Vorfreude-Alarm
In Deutschland kam "Valentina" bisher nur einzeln und unregelmäßig raus - dabei ist sie längst Kult. Geschrieben wurde "Valentina" schon in den 60ern, den vollständigen Sammelband gibt es für die deutschen Fans erst jetzt. Die revolutionäre Sexyness der Zeit wird in der Graphic Novel zumindest stilistisch abgemildert: Immer wieder mischen sich zur Realität auch Tagträume und Erinnerungen. Der Zeichner von "Valentina", Guido Crepax, war Architekt und das sieht man dem Comicband auch an: Er ist durchgeplant und hochästhetisch. 2015 feiert "Valentina" 50-jähriges Jubiläum.

"Valentina - Sammelband 1" erscheint Ende Mai 2015 im avant-verlag.

Der cheesy Groschenroman: "Death Experience"

Eine amerikanische Milliardärin lässt sich von einem Forscherteam ein Raumschiff bauen, mit dem sie der Seele ihres Sohnes folgen kann, der sterbenskrank ist. Kurz: Es geht um eine technisch erzeugte Nahtoderfahrung. Ja, das klingt cheesy - ist es auch.

Vorfreude-Alarm
"Death Experience" ist eine obskure Mischung aus Science Fiction, Philosophie und gewollter dramatischer Überspitzung - auch grafisch. Optisch ist "Death Experience" genau die Art Graphic Novel, um die man mit zwölf herumgeschlichen ist, die aber damals zu sehr nach kompliziertem Erwachsenenkram aussah. Zum Glück sind wir jetzt alt genug.

"Death Experience - Die Barke des Ra" erscheint am 1. April 2015 im Splitter Verlag.


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reload, Sonntag, 04.Januar 2015, 12:18 Uhr

1. 2015

ich hoffe ja immer noch auf den 4. teil von steam noir...