4

Interview // Sebastian Schipper Aus der Kategorie "Das hast du noch nie gesehen"

"Victoria" hat beim Deutschen Filmpreis sechs Lolas abgeräumt. Uns hat Regisseur Sebastian Schipper im Interview erzählt, warum er im Film komplett auf Schnitte verzichtet hat und was "Victoria" mit Grand Theft Auto gemeinsam hat.

Von: Dena Kelishadi

Stand: 03.06.2015

Victoria - Filmszene | Bild: Senator

PULS: Das Einzigartige am Film Victoria ist: Er wurde in einem Rutsch gedreht und es gibt während des ganzen Films, also über zwei Stunden lang, keinen einzigen Schnitt. Reduziert man Victoria auf seine Form, wenn man sagt, das ist das eigentlich Spannende?

Sebastian Schipper: Ich denke schon. Es geht hier ja nicht um eine "Wetten, dass..."-Wette oder darum, es ins Guinness Buch der Rekorde zu schaffen. Im Kino geht es immer nur um eine Sache: große, geile, glaubwürdige Gefühle - also Figuren, die einen zum Lachen bringen, mit denen man mitfühlen kann - und mit denen man hofft. Und ich glaube, das ist das, was Victoria besonders macht.

Warum hast du dich denn für einen Film ohne Schnitt entschieden?

Wenn wir über Filme reden, dann sagen wir immer "der ist ein bisschen so wie Bourne Identity….", "der erinnert mich an Der Pate" oder "der ist ein bisschen so wie das Weiße Band". Das heißt ja eigentlich immer, die Filme sind schlechter als die Filme, mit denen sie verglichen werden. Es geht immer um das Nachahmen, es geht immer darum möglichst gut das nachzumachen, was andere schon mal gemacht haben. Aber das ist von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Denn die, die du nachmachst, die haben nichts nachgemacht, sondern die haben volle Pulle etwas riskiert. Und ich glaube schon, dass Victoria aus der Kategorie "Das hast du noch nie gesehen" ist. Und das hat mich gereizt.

Wo hast du dir die Inspiration für Victoria geholt?

Ich hab irgendwann mal meine dreimonatige Vollgas-Grand-Theft-Auto-Phase gehabt. Und dabei ist Grand Theft Auto in meine DNA eingegangen und hat auf mich Einfluss gehabt. Und der Sog in dem Film hat für mich auch etwas damit zu tun.

Wie liefen die Dreharbeiten? Hattest du dein Team im Griff?

Der erste Take war ein langweiliges Null zu Null. Da dachte ich: diese Konzentrationsleistung und die darstellerische Leistung und dann soll noch alles mit der Kamera funktionieren - das geht nicht.

Es ging dann irgendwie doch - zum Glück. Wie habt ihr euch herangetastet?

Mein Kameramann Sturla Brandth Groøvlen und ich haben uns vorgestellt, wie es für Kameramänner ist, die als Kriegsreporter arbeiten. So denkt auch die Kamera: "What the fuck. Was ist denn jetzt auf einmal los?" Und dabei dachten wir uns, warum holen wir das nicht auf die "Ego-Shooter-Game-Ich-mach-das-jetzt-wirklich"-Ebene herunter.

Der Filmtitel "Victoria" ist gleichzeitig der Name der Hauptfigur. In Victoria steckt das Wort Sieg drin. Ist Victoria im Film eigentlich eine Siegerin?

Es wird schon hart, aber es ist kein Drama, bei dem man am Ende im Eimer ist. Ich finde, dass es in dem Film auch viel Euphorie gibt und das mochte ich auch an dem Namen.


4