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Games // Uncharted 4 Das schönste Spiel aller Zeiten

Das neueste Game mit Abenteurer Nathan Drake ist eine optische und erzählerische Wucht. Man könnte fast vergessen, dass es nur ein Spiel ist. Würde sich nicht genau das ab und zu unangenehm in den Vordergrund drängen.

Von: Franz Liebl

Stand: 12.05.2016 | Archiv

Indiana Jones mit frecheren Sprüchen und flotterer Action, das ist die Uncharted-Serie. Und auch der vierte und derzeit offizielle Schlusspunkt der Reihe ist wieder genau das. Abenteurer Nathan Drake ist ein Dieb mit goldenem Herz auf spannender Schatzsuche. Dieses Mal ist es der größte Piratenschatz der Welt. Sein tot geglaubter Bruder platzt plötzlich in Nathans neues und völlig normales Leben als Familienmensch. Kurz darauf löst Nathan wieder archaische Rätselmechanismen in geheimnisvollen Höhlen, klettert wie ein Freeclimbing-Gott die Klippen idyllischer Karibikinseln hoch oder ballert auf die Bösen in verfallenen Dschungelruinen. Neuerdings kann Drake auch an Seilen schwingen, mit Jeeps und Booten fahren und sogar schleichen. Action-Adventure-Stuff auf höchstem Niveau. Und vor allem: Das hat noch nie besser ausgesehen.

Urlaub in „Uncharted 4“ – ein Traum

Es gibt im Moment kein schöneres Spiel als „Uncharted 4“. Punkt. Vor allem die Hügellandschaft Panamas, die karibischen Inseln mit ihrem dichten Dschungel und ihren verfallenen Ruinenstädten – das sieht alles so toll aus, dass ich niemals in der Realität dort hin will. Ich würde nur enttäuscht werden, weil es nicht so schön ist wie im Spiel. Das liegt auch an der Kamera, die mir immer wieder derart imposante Einstellungen zeigt, dass ich ständig das Gefühl habe: Hier erlebe ich etwas ganz Besonderes. Und das obwohl die Mischung aus Klettern, Rätseln und Ballern mittlerweile ein bisschen in die Jahre gekommen ist. Aber die Inszenierung! Die sucht einfach ihresgleichen. Die Action klatscht mir derart eindrucksvoll ins Gesicht, dass mir mehrmals der Atem gestockt ist beim Zocken. Oft bin ich aber auch bloß sinnlos herumgestanden, damit ich mir alles genau einprägen kann und nie vergesse, an welch außergewöhnlichen Orten ich war. Einfach nur fett!

Wunderschön – aber nicht immer logisch

Aber nicht nur die Optik saugt mich in dieses Spiel hinein. Es sind vor allem auch die tollen Charaktere. Nathan, sein alter Kumpel Sully, seine Frau Elena – die sind eh schon wie alte Freunde, die ich auf ein neues Abenteuer begleiten darf und ich freu mich wie ein Schulbub darauf. Aber auch der tot geglaubte Bruder Sam oder Nebenfiguren wie Drogenboss Alcazar – es gibt bloß lebendige authentische Figuren. Ich fühle mich mittendrin. Hier wirkt alles so echt, dass es mich immer dann kurz rauswirft, wenn sich das „Spiel“ in „Uncharted 4“ zu sehr in den Vordergrund drängt. Warum kann ich meinen Schwinghaken nur an speziell dafür vorgesehenen optisch krass hervorstechenden Ästen benutzen? Wer hat die hier mitten im Dschungel extra für mich hingestellt? Warum sind in dieser schottischen Höhle, die seit 300 Jahren keiner mehr betreten hat, Klettergriffe in die Wand eingeschlagen wie bei der Kletterwand vom Alpenverein bei mir zu Hause ums Eck? Dann macht die Illusion kurz Pause, weil ich den Realismus, den mir Grafik und Story vorgaukeln, vom Spiel nicht kriege. „Uncharted 4“ ist für mich deshalb ein Schlusspunkt auch in anderer Hinsicht. Die immensen grafischen Möglichkeiten und die Fortschritte bei Games hinsichtlich der Stories werden mit bald 20 Jahre alten Spielmechaniken nicht mehr zusammengehen. Das ist eine mögliche Zukunft. Im hier und jetzt sage ich: „Uncharted 4“ ist die Bombe!

Uncharted 4 – A Thief’s End (Sony // für PS4)


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