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TV & Serie // Stranger Things Wenn Netflix einen auf Spielberg macht

"Stranger Things" will eine Serie für die sein, die in den 80ern noch klein waren. Die Macher bedienen sich dafür bei großen Filmen aus dem Jahrzehnt - und schicken uns ins Föhnfrisuren-Walkie Talkie-Phantasialand.

Von: Christian Alt

Stand: 19.07.2016

Stranger Things Still | Bild: Netflix

Vorhang auf für das postmoderne Verweistheater! Aka die neue Netflixserie „Stranger Things“. Dieses Gefühl von „Das hab ich doch schon mal gesehen“, das beginnt schon bei den vier Hauptfiguren: Will, Mike, Lucas und Dustin sind eine Bande 12-jähriger Meganerds. Sie interessieren sich für Raumfahrt, Chemie-Experimente und am Wochenende spielen sie Pen-and-Paper-Rollenspiele. Zehn Stunden am Stück.

Is this real life?

Im Rollenspiel kämpfen die vier Jungs gegen das fiese Boss-Monster, den Demogorgon. Aber Monster verstecken sich nicht nur im Spiel, sondern auch im echten Leben. Als Will vom Spieleabend heimradelt, wird er vom echten Demogorgon geschnappt, ein gesichtsloses Monster, das seine Opfer in eine Paralleldimension schleppt. Der Junge ist wie vom Erdboden verschluckt. Wills Mutter dreht durch, die Polizei schwärmt aus, die gesamte Kleinstadt hat Angst vor einem Kindermörder. Nur eine Person kann wirklich helfen: Eleven. Das kleine Mädchen mit kurzgeschorenen Haaren ist aus einer Forschungseinrichtung ausgebrochen und kann per Telepathie in die Paralleldimension reinschauen, in der Will gefangen ist.

Knallhartes Referenzgeballer

Die 80er ohne Walke-Talkie? UNDENKBAR!

Klar, wenn man den Plot so im Schnelldurchgang erzählt, klingt er ziemlich dumm. Dabei ist er nicht dümmer als die erfolgreichen Geschichten, von denen er abgeschrieben ist: Das Monster gibt’s so im Film „Poltergeist“, die Kinder in den Goonies, die Telekinese in jeder x-beliebigen Geschichte von Stephen King. Das Abkupfern kann Stranger Things wirklich sehr gut. Stranger Things sieht aus und fühlt sich an, wie eine Serie aus den 80ern: Vom Set-Design, über Frisuren, Figuren-Klischees bis zum Soundtrack sieht hier alles aus wie ein Spielberg-Film der 80er.

Die einzige Macke in der perfekten Fassade: Die deutsche Version ist grottenschlecht synchronisiert. In einer Szene hat Wills Mutter, gespielt von einer okayen Winona Ryder, ein riesiges Alphabet an die Wand gemalt. Ihr Sohn, der in einer anderen Dimension gefangen ist, kann nur mit ihr kommunizieren, indem er kleine Lämpchen über den Buchstaben zum Leuchten bringt. In der deutschen Version ist das Ergebnis des Rätsels „genau hier“. Während im Bild aber die Buchstaben für „right here“ zu sehen sind. Fail.

Wie ein Besuch im 80er-Phantasialand

Ist erst mal ein Loch in der schönen 80er-Fassade, fällt aber noch was auf: Dahinter ist gar nichts. Stranger Things ist wie eine Attraktion im Phantasialand: Wie Roboterzombies bewegen sich die Charaktere durch eine perfekte Kulisse. Erst wenn man genau hinsieht merkt man, dass hier alles ein kompletter Fake ist. Denn eine wirkliche Geschichte haben die Macher nicht zu erzählen. Acht Folgen hat die erste Staffel, die Story reicht aber nur für zwei. Alles andere ist aufgeblasen wie die Föhnfrisuren der Schauspieler.


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