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TV & Serie // Orange is the New Black, Staffel 4 Still the new black

Auch in der vierten Staffel ist "Orange is the New Black" eine der besten Serien, die gerade laufen. Der Grund: Sie erfindet sich immer wieder neu und hat keine Angst vor harten Themen.

Von: Christian Alt

Stand: 22.06.2016

Es gibt genau zwei Arten von Menschen: Entweder trinke ich Cola oder Pepsi, ich esse die Milchschnitte entweder ganz oder ich knibbel das braune Zeug ab und esse nur die Milchfüllung. Und entweder liebe ich den Titelsong von "Orange is the New Black" oder ich hasse ihn.

Ich gehöre zu letzterer Gruppe. Ich hasse, hasse, hasse diesen Song. Nach mehr als 52 Stunden schauen ist der Soundtrack immer noch so schlimm wie am ersten Tag. Manche Dinge ändern sich leider nie.

Blonde Nervensäge

Andere zum Glück schon. Als "Orange is the New Black" gestartet ist, war Piper der Star der Show. Wir sollten mit ihr mitfiebern - Piper Chapman, die nette, gebildete Blondine aus der Vorstadt, sollte uns in die brutale Welt des Frauenknasts einführen. Weil Piper mal Drogen geschmuggelt hat, musste sie ins Litchfield-Gefängnis. Inzwischen nervt sie aber nur noch.

Direkt nach der Ausstrahlung der ersten neuen Folge wurde Twitter zu einem Seismographen für den weltweiten Hass auf Piper Chapman. Niemand mag Piper. Das ist natürlich so gewollt. Über Jahrzehnte wurde uns Serienzuschauern folgendes eingetrichtert: Wenn ein Schauspieler weiß und oft im Bild ist, dann ist das der Held. Die Figur Piper wird von den Serienautoren Stück für Stück demontiert, damit wir checken, dass eigentlich alle anderen die wahren Helden der Serie sind. Schon seit Staffel eins beschäftigt sich "Orange is the New Black" einfühlsam mit Themen wie Identität, Sexualität, Vielfalt, Macht. Diese Staffel rückt die Religion in den Vordergrund. Das Litchfield-Gefängnis, in dem die Frauen einsitzen, bekommt seine erste Insassin mit Kopftuch.

Neue Machtverhältnisse

Der Grund für all den Beef: Das Gefängnis ist überbelegt, weil die Betreiber so mehr Geld verdienen. Die alten Insassen von Litchfield wie Piper, Tastee oder Red sehen sich einer Masse an Neulingen gegenüber. Die Karten werden neu gemischt, die Machtverhältnisse neu geordnet. Hier versteckt sich auch ein Kommentar auf die Flüchtlingskrise und unsere Angst vor "dem Fremden", wie auch immer man das jetzt definieren will.

"Orange is the New Black" macht auch in der vierten Staffel das, was die Serie am besten kann: Berührungsängste abbauen. In jeder Folge machen uns die Serienautoren klar: Die, die hier im Knast sitzen, das sind keine bösen Menschen. Es sind Frauen, die irgendwann mal vom Weg abgekommen sind und ihn seitdem nicht mehr wiedergefunden haben. "Orange is the New Black" ist eine riesige Empathiemaschine. Die einzig wirklich Bösen, die gehören zum System, zur Knastindustrie. Was auf den ersten Blick vielleicht kitschig erscheint, ist eine der wichtigsten Botschaften, die es gegen den Hass all der Trumps, Petrys und Pegidas gibt: Denn nur wenn man sich auf das Fremde einlässt und mal zuhört, wird der Blick frei auf die wirklichen Probleme. 

Die vierte Staffel von "Orange is the New Black" kann seit dem 17. Juni auf Netflix gestreamt werden.


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