Jetzt Tausend Formen Oehl

Info Das Austro-Isländische Duo Oehl vereint nordische Melancholie mit sinnlichem Elektro. Die malerisch klingende Musik geht aber auch textlich tief. Das hat Oehl sogar schon ins Vorprogramm von Herbert Grönemeyer befördert.

TV & Serie // Legion Diese Superheldenserie ist Kunst. Punkt.

Schluss mit Wolverine oder Professor X. Jetzt kommt "Legion", ein ganz neuer Supermutant. Sein einziges Problem: Er ist psychisch krank.

Von: Christian Alt

Stand: 07.02.2017

Artwork der Superheldenserie Legion | Bild: FX Networks

Eine Warnung gleich vorweg: "Legion" wird nicht jedem gefallen. "Legion" ist manchmal verspult, oft verwirrend und hin und wieder reinster Mindfuck. Aber meistens ist "Legion" auch einfach nur absolut genial. Der Grund dafür: Unsere Hauptfigur, David Haller, sitzt in der Psychiatrie. David glaubt, dass er Superkräfte hat - Telekinese. Seine Ärzte glauben, er ist verrückt. Sechs Jahre schmort David schon in der Anstalt, als er eines Tages eine Frau kennenlernt, die genauso merkwürdig ist wie er. Die junge Patientin Sydney.

Was ist real?

Die Romanze, die eher scheu beginnt, entwickelt sich noch in der ersten Folge zur ausgewachsenen Liebesgeschichte. Nur checkt man das zuerst nicht. Denn "Legion" ist nicht chronologisch erzählt. Wir bleiben ganz nah dran an unserer psychisch kranken Hauptfigur. Erst nach einer guten Stunde weiß man überhaupt, was hier gerade abgeht. Immer wieder biegt die Serie ab in irre Tagträume und Flashbacks. Wird David wirklich von irgendwelchen Bösewichten gejagt oder ist das nur ein Traum? Die Serie legt vor unseren Augen die Puzzlesteine hin, die wir später zusammensetzen müssen. Damit findet sie eine formale Entsprechung von Davids Superkraft. Denn der kann per Gedankenkraft ganze Gebäude in ihre Einzelteile zerlegen und wieder neu zusammensetzen. Kein Wunder, dass es Bösewichte auf seine Kraft abgesehen haben.

Eine mutige Serie

In den Geschichten über die X-Men geht es immer um das Anderssein: sie sind keine Helden für die Bevölkerung, sondern Mutanten. "Legion" treibt die Idee des Andersseins noch weiter und stellt einen Helden ins Rampenlicht, der psychisch krank ist. Das ist nicht nur für eine Superheldenserie mutig, sondern überhaupt: Psychisch kranke Menschen sieht man im Fernsehen kaum – und man sieht erst recht nicht, wie sie die Welt wahrnehmen. Das funktioniert nur, wenn man die richtigen Schauspieler hat. Dan Stevens, den man vielleicht als Cousin Matthew aus "Downton Abbey" kennt, spielt den Wahnsinn seiner Figur absolut überzeugend.

Frische Retro-Optik

Ob Serienerfinder Noah Hawley uns über acht Folgen eine Mindfuck-Welt bauen kann, ohne dass wir abschalten, muss man noch sehen. Aber: Man darf optimistisch sein, dass Hawley hier eine der besten Serien des Jahres abgeliefert hat. Die Serie ist nicht nur spannend und gut erzählt, sie hat auch einen echt coolen Look. Legion spielt in den 70ern und sieht aus, als hätte man ein Plattencover von Pink Floyd mit einer Agentenserie gekreuzt. Und es wimmelt vor Anspielungen auf die Filmexperimente der Beatles oder "A Clockwork Orange". Nie standen die Chancen so gut, dass eine Superheldenserie ganz große Kunst sein kann. 

Legion läuft ab 9. Februar immer Mittwochs auf FOX.