Jetzt mit Stephan Rehm und Simon Frontzek In die Nacht

Info Aus Liebe zu den Tönen starten wir Sonntag in die Nacht mit alternativen Klängen: Tomte-Keyboarder Simon Frontzek und Musikexpress-Redakteur Stephan Rehm legen jeden zweiten Sonntag aktuelle Hits und vergessene Geheimtipps auf.

LoveMilla // Serien im Social Web Vier Teenie-Serien, die das Fernsehen neu erfinden

Mit deiner Lieblings-Serienfigur befreundet sein, geht nicht? Geht doch. Gerade entwickeln sich neue, innovative Teen-Serien, die mit normalen TV-Serien kaum was zu tun haben. Was noch alles geht, zeigen diese vier Beispiele.

Von: Cosima Weiske

Stand: 14.02.2017 | Archiv

Pressebild aus der Serie LoveMilla | Bild: © Yle/It's Alive Films

Zu viele Folgen House of Cards geguckt und schon hat man das Gefühl das Frank Underwood sowas wie der krasse Onkel ist, den man viel zu lange schon nicht mehr gesehen hat. Solche parasozialen Beziehungen bauen wir sehr schnell zu Figuren aus unseren Lieblingsserien auf und sie fühlen sich sehr echt an – obwohl wir wissen, dass sie fiktiv sind.

Viele neue Teenserien machen sich diesen Effekt zu nutze und zeigen: Man kann wirklich mit seinen Serienhelden befreundet sein - zumindest auf Social Media. Fans und Serienhelden sind auf Facebook und Instagram Freunde, chatten über Whatsapp mit einander und werden so selbst Teil der Geschichte. Transmediales Storytelling nennt man das, wenn Serienmacher ihre Geschichten über mehrere Medien und Plattformen weitererzählen. Und genau das könnte die Zunkunft des Fernsehens werden. Wie das funktioniert, zeigen diese vier Formate:

1. Die beste Freundin auf Instagram: LoveMilla

Worum geht es?
Ganz grob: Die 17-jährige Milla lebt in einer finnischen Kleinstadt. Sie jobbt in einem Café, in dem es nicht mit rechten Dingen zugeht.  Im Laufe der Serie betrinkt sie sich zum ersten Mal, hat Stress mit ihrer besten Freundin – und findet raus, was es mit dem Café auf sich hat. Eine typische Teenie-Serie eben, nur unheimlicher.

Das Konzept
Statt einzelne Folgen auf der Website des finnischen Senders YLE zu veröffentlichen, wurden von Anfang an spezielle Inhalte für verschiedene Social Media Plattformen produziert. Hauptfigur Milla kommentiert Handlungsstränge aus der jeweiligen Folge mit Zeichnungen bei Instagram und Facebook und chattet mit ihren Fans. Andere Figuren erzählen auf Tumblr und eigenen Websites aus ihrem Leben.

Megaerfolgreich vor allem bei jungen Fans
In Finnland war die Serie sofort ein Riesenhit, vor allem bei den unter 20-Jährigen. Die entwickelten so enge Bindungen zu ihrer "Freundin" Milla, dass sogar Psychologen zum Einsatz kamen: Ein Mädchen hatte gedroht sich das Leben zu nehmen. Inzwischen wird die Serie auch von funk in Deutschland gezeigt auf Youtube - mit eigenen Social-Media-Kanälen.

2. Reality-Drama auf Facebook: Berlin Tag & Nacht

Worum geht es?
Die Serie verfolgt seit 2011 mehrere Leute in Berlin, zuhause in ihren WGs, in der Arbeit und beim Feiern. Klar, dass es da viel Drama gibt.

Das Konzept
Klassisch für Berlin Tag & Nacht sind die wackelige Kameraoptik und die Interviews mit den Protagonisten, die an Dokumentationen erinnern und authentisch wirken sollen. Die Serie lässt ganz absichtlich offen, was eigentlich "Scripted" und was "Reality" ist - auch auf Social Media.  Alle Figuren haben eigene Facebook- und Instagram-Profile, auf denen sie sehr aktiv sind. Sie posten Bilder und Clips aus ihrem Alltag und tauschen sich nicht nur untereinander sondern auch mit den Fans aus.

Dank Facebook zum Quotenschlager
Berlin Tag und Nacht holt die Fans da ab, wo sie sich eh am meisten aufhalten: bei Facebook. Da war anfangs die Fanbase viel größer, als die Einschaltquote der Fernsehfolgen. Mittlerweile ist Berlin Tag & Nacht aber auch da erfolgreich, mit zehn Prozent Marktanteil in der hart umkämpften Zielgruppe der 15-49-Jährigen.

3. Das Social-Tagebuch einer Literatur-Ikone: The Lizzie Bennet Diaries

Worum geht es?
Von Jane Austens "Stolz & Vorurteil" zu Youtube: Die moderne Lizzie Bennet studiert irgendwas mit Medien und vloggt aus ihrem Schlafzimmer. Hier erzählt sie den Zuschauerinnen von ihrer ersten Begegnung mit Mr. Darcy, von ihrer nervigen Mutter und dem Sex-Tape ihrer Schwester Lydia.

Wie wird das erzählt?
Die Handlung der Serie wird aus Lizzies Schlafzimmer heraus erzählt - aber nicht nur da. Insgesamt besteht das Serienuniversum von fünf YouTube-Kanälen und sage und schreibe 35 Social-Media-Profilen auf Twitter, Tumblr und Pinterest. Darunter nicht nur die einzelnen Serienfiguren, sondern zum Beispiel auch ein Twitter Account von Lydia Bennets Katze. Warum auch nicht? Auf den Social Media Plattformen bahnen sich Handlungen an, die dann wieder in den Youtube-Videos weitererzählt werden.

Der erste transmediale Emmy-Gewinner
Für ein Format, das über Kickstarter finanziert wurde, hat The Lizzie Bennett Diaries erstaunlichen Erfolg: Inzwischen gibt es zahlreiche, tolle Nachfolger - wie Frankenstein MD und Emma Approved. Und: Sie wurde als erste Webserie mit einem Emmy ausgezeichnet.

4. Das Leben einer Außenseiter-Clique in Echtzeit - Skam

Worum geht es?
Die Schüler Eva, Noora und Isak stehen im Zentrum der bisher drei Staffeln von Skam. Wir verfolgen den Alltag der drei und ihrer Freunde. Das klingt ziemlich banal, ist aber sehr mitreißend und vor allem super realistisch aus der Perspektive der jeweiligen Hauptfigur inszeniert.

Das Konzept:
Jede Folge von Skam wird unter der Woche in zehn-minütigen Happen in Echtzeit auf den unterschiedlichen Social Media Kanälen und der Website des norwegischen Senders NRK erzählt. Das heißt, wenn ein Teil der Folge in der Schulmensa spielt, dann wird dieser Teil zur selben Zeit ins Netz gestellt, wie er in der Serie passiert - also Mittags. Eine Partyszene taucht passenderweise nachts auf. Dazwischen stehen die Figuren ständig über Chats in Kontakt, die die Fans nachverfolgen können und posten auf ihren Instagram Accounts. Freitags werden die einzelnen Mini-Episoden dann als Fernsehfolge im TV ausgestrahlt.

Der internationale Überraschungserfolg
Neun Sterne auf IMDB – das schaffen sonst nur Serien-Klassiker wie Breaking Bad und The Wire – und eben Skam. Das liegt wohl auch daran, dass sie nicht nur gut, sondern vor allem transmedial erzählt wird. Obwohl die Serie nur auf Norwegisch ausgestrahlt wird, hat sind in kürzester Zeit eine riesige internationale Fangemeinde versammelt, die die Folgen übersetzt und untertitelt. Interessanterweise begeistert Skam vor allem Leute, die deutlich älter sind, als die Serienfiguren – die meisten Fans hat diese Serie bei 20-30 Jährigen. Inzwischen wurde die Serie ins Ausland verkauft, deshalb ist sie nur noch aus Norwegen legal abrufbar.