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Fast-Fashion-Doku "The True Cost" Der wahre Preis der Billigmode

Ein T-Shirt für fünf Euro: Die meisten wissen, dass so billige Klamotten nicht fair produziert sein können, aber schlagen trotzdem zu. Die Dokumentation "The True Cost" zeigt, wer darunter leidet - auch außerhalb der Sweatshops.

Von: Juliane Frisse

Stand: 09.06.2015

Szene aus der Dokumentation "The True Cost" | Bild: Pressebilder The True Cost

Das Modejahr besteht nicht aus vier Kollektionen für die vier Jahreszeiten. Das Modejahr besteht aus 52 Wochen. Denn Fast-Fashion-Firmen wie H&M, Zara und Topshop liefern im Wochentakt neue Klamotten in ihre Filialen. Jeder Mikrotrend bekommt seine eigene Kollektion. Und die Kunden, also wir, wir kaufen. Inzwischen summieren sich unsere Einkäufe auf 80 Milliarden Kleidungsstücke pro Jahr weltweit.

Miese Löhne und vergiftete Baumwollfelder

Die Konsequenzen dieses Fast-Fashion-Wahnsinns zeigt die Dokumentation "The True Cost". Regisseur Andrew Morgan war in 13 Ländern unterwegs, um zu filmen, wer den tatsächlichen Preis eines bei uns fünf Euro billigen T-Shirts zahlt. Sein Film konfrontiert uns unter anderem mit Textilarbeitern aus Ländern wie Bangladesch und Kambodscha, die zu Hungerlöhnen unsere Klamotten nähen, und Kindern, die unter geistiger Behinderung leiden, weil die indischen Baumwollfelder mit hochgiftigen Pestiziden besprüht werden. Und während man noch darüber nachdenkt, wie viele Kleidungsstücke aus unbesprühter Biobaumwolle man eigentlich besitzt, versorgt Morgan uns bereits mit weiteren deprimierenden Fakten über die Modebranche. Zum Beispiel, dass sie direkt nach der Ölindustrie der größte Umweltverschmutzer ist, und dass jeder US-Amerikaner pro Jahr durchschnittlich 37 Kilogramm Textilien wegwirft.

Die einen sterben, die anderen shoppen

Auch wenn man nicht jede der präsentierten Zahlen kennt: Eigentlich weiß im Jahr 2015 ja wirklich jeder, dass billige Mode auf Ausbeutung basiert - allerspätestens, seitdem vor gut zwei Jahren die Rana-Plaza-Textilfabrik in Bangladesch eingestürzt ist und über 1100 Arbeiter ums Leben kamen. Trotzdem schockiert Morgans Dokumentation noch. Dadurch, dass er den Millionen Textilarbeitern Gesichter und Namen gibt, dadurch, dass er am Beispiel eines erfolgreichen öko-fairen Modelabels zeigt, dass Alternativen zu Fast Fashion existieren - und vor allem dadurch, dass er unkommentiert die Exzesse westlichen Konsumverhaltens ausstellt: YouTube-Shopping-Hauls, bei denen junge Frauen Tüten voller Billigmode stolz in die Kamera halten. Eine von ihnen sagt über ihren neuen Pullover, dass sie gar nicht weiß, ob sie ihn tatsächlich tragen wird.

Die Verantwortung der Konsumenten

Andrew Morgan hat für "The True Cost" laut eigener Aussage auch mehrere Unternehmen der Fast-Fashion-Branche kontaktiert und um ein Interview gebeten. Keine der Firmen hat sich dazu bereiterklärt. Auch wenn es an ihnen ist, für menschenwürdige Produktionsbedingungen zu sorgen - der Film erinnert uns daran, dass wir als Konsumenten genauso eine Verantwortung dafür tragen, wie unsere Klamotten hergestellt werden. Er erinnert uns daran, dass unsere Lieblingsausrede, öko-faire Mode sei zu teuer oder zu schwer zu bekommen, ein zynischer Witz ist gegenüber all dem Leid, das konventionelle Mode verursacht. Jeder, der auch nur ein einziges T-Shirt im Schrank hat, das eventuell in einem Sweatshop genäht wurde, sollte sich 92 Minuten Zeit nehmen und "The True Cost" ansehen.

Die Dokumentation "The True Cost" gibt es für 9,90 US-Dollar (ca. 9 Euro) als digitalen Download auf truecostmovie.com.


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