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"That Dragon, Cancer" Ein Computerspiel über Krebs - geht das?

"That Dragon, Cancer" ist ein Computerspiel über einen krebskranken Jungen, in dem man nicht handeln, sondern nur zuschauen und zuhören kann. Eine Art Doku zum Selberspielen also. Funktioniert das überhaupt?

Von: Christian Alt

Stand: 13.01.2016 | Archiv

Szene aus dem Spiel "That Dragon, Cancer" | Bild: Numinous Games

Wenn wir hier neue Spiele vorstellen, sind das meistens neue Shooter, Adventures oder Rollenspiele. Diesmal ist das anders. Gerade ist ein Spiel erschienen, das so noch nicht da gewesen ist: Es handelt von der Krebserkrankung eines Jungen, den es wirklich gegeben hat: Joel Green ist 2014 gestorben, im Alter von gerade mal fünf Jahren. Sein Vater hat jetzt das Spiel "That Dragon, Cancer" über die Krankheit seines Sohnes gemacht.

Man darf sich das natürlich nicht vorstellen wie "Super Mario". "That Dragon, Cancer" besteht aus 3D-Szenen, in denen man nicht viel machen kann. Man ist hier nur zu Gast und sieht sich echte Momente aus dem Leben der Familie Green an. Zum Beispiel die erste Szene: Am Anfang ist man mit dem Jungen im Park und füttert Enten am See. Zu hören ist aber nicht Joel, sondern seine Brüder. Die fragen die Eltern, warum ihr kleiner Bruder mit zwei Jahren noch nicht sprechen kann. Viele dieser Aufnahmen sind echt. Das haben die Kinder wirklich gefragt, als Joel ganz am Anfang seiner Krankheit stand.

Metaphorische Bäume, Dornbüsche und Tränenmeere

Es gibt keine Aufgaben zu erledigen in "That Dragon, Cancer". Man spielt keine richtige Figur, sondern schwebt über dem Geschehen, läuft herum, hört zu. In der Szene, in der die Eltern die Diagnose bekommen, dass es für Joel keine Hoffnung mehr gibt, kann man auswählen, in wessen Kopf man eintauchen will. Und man kann den Gedanken des Arztes zuhören.

Der leise Regenschauer im Hintergrund der Szene ist dabei nicht draußen, sondern im Behandlungszimmer: Stück für Stück steigt den Eltern das Wasser sprichwörtlich bis zum Kopf, bis die Szene wechselt und man in einem Tränenmeer Boot fährt.
Was Ryan Green hier in ein Computerspiel gesteckt hat, ist eine unglaubliche Leistung. Er hat den Krebs in Bilder und Metaphern verpackt. Es gibt immer wieder tiefschwarze Dornbüsche, die die Krankheit symbolisieren. Zuerst noch kleine Büsche, gegen Ende dann riesige schwarze Bäume - bevor der Junge dann stirbt.

Eine Doku zum Selberspielen

Es ist nicht Spaß, was man beim Spielen von "That Dragon, Cancer" sucht. Aber wenn man eine ernste Doku schaut, hat man per se ja auch keinen Spaß, ist aber trotzdem unterhalten. Genau so ist es hier: "That Dragon, Cancer" gehört zu den wichtigsten Spielen der letzten Jahre und beweist ganz deutlich, dass Games Kunst sein können. Wer sich auch nur ein bisschen für Computerspiele interessiert, sollte es unbedingt ausprobieren.

Aber seid gewarnt: Ihr werdet einen riesigen Kloß im Hals haben, wenn das Spiel zu Ende ist.

"That Dragon, Cancer" ist für Mac und PC verfügbar und kostet ca. 15 Euro.


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