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Spielwiese // Game-Entwickler Die besten Spiele aus Bayern

Bayern und Games - geht das zusammen? Aber klar doch. Mittlerweile hat sich hier eine kreative Entwickler-Community etabliert. Wir stellen euch ein paar der interessantesten bayerischen Games und ihre Entwickler vor.

Von: Ralph Glander

Stand: 14.08.2015

Utopolis - Aufbruch der Tiere (Reality Twist)

Gemeinsam mit der Nemetschek-Stiftung haben die Münchner Game-Entwickler von "Reality Twist" das Spiel "Utopolis - Aufbruch der Tiere" geschaffen: eine kostenlose Multiplayer-App für Smartphones und Tablets. Wie in einer Fabel sind die Charaktere des Spiels Tiere wie Wölfe oder Wildschweine. Zusammen brechen die Spieler in ihren Tiergestalten in das titelgebende Utopolis auf, um von dort aus eine gefährliche und geheimnisvolle Kraft zu bekämpfen, die droht ihren kostbaren Lebensraum zu zerstören. "Utopolis" gewann 2015 den deutschen Computerspielpreis für das beste Serious Game. Die Firma "Reality Twist" wurde 2008 von Clemens Hochreiter und Thomas Wagner gegründet. Clemens studierte Dokumentarfilm an der Münchner Filmhochschule, Thomas Informatik. Seitdem wollen Reality Twist vor allem innovative und inhaltlich besonders anspruchsvolle Titel entwickeln. Momentan wird aber an etwas ganz anderem gearbeitet: Das Game-Deck "Mara und der Feuerbringer" - eine Rauminstallation, in der Szenen aus dem gleichnamigen Roman erleb- und nachspielbar gemacht werden sollen.

The Last Tinker: City of Colors (Mimimi Productions)

"The Last Tinker" ist ein buntes und ideenreiches 3D-Action Adventure. Angesiedelt in einer knallfarbenen und fröhlichen Welt namens Farbstadt, die aber plötzlich durch den fiesen Geist Bleiche ihrer schönen Farbenpracht entzogen wird. Als Spieler muss man nun mit dem schrägen Affenmann Koru gegen die zunehmende Farblosigkeit dieser Welt antreten. Das macht mächtig Laune und sieht verdammt gut aus. Schon während ihres Studiums an der Mediadesign Hochschule in München arbeiteten Johannes Roth und Dominic Abé an dem abgefahrenen und nostalgischen Jump n' Run. Durch eine Förderung von 80.000 Euro konnte der Prototyp dann endlich weiterentwickelt und finalisiert werden. Schließlich bekamen sie einen Publishing Vertrag und "The Last Tinker" wurde 2014 released. Gerade einmal zehn Leute waren an der Herstellung des Games beteiligt. Die schweißtreibende Arbeit hat sich aber gelohnt: Unter anderem gab es beim Deutschen Computerspielpreis den Award für das "Beste Gamedesign".

Ion Assault (Coreplay)

1979 wurde der Spielautomat "Asteroids" für Atari entwickelt und zu einem der größten Hits seit Anbeginn der Computerspiele. 30 Jahre später entstand in München eine Revitalisierung dieses Klassikers mit dem Namen "Ion Assault". Doch anders als beim seligen "Asteroids" reicht es hier nicht, einfach nur darauf loszuballern. Denn um volle Schusskraft zu erlangen, muss der Spieler ständig die umherfliegenden Partikel aus der Umgebung seines Raumschiffs aufsaugen. Die Entwickler und Designer von "Coreplay" haben daraus eine farbige und ziemlich surreale Partikelschlacht gemacht, die vor allem bei Game-Nostalgikern für gute Stimmung sorgt. "Ion Assault" war das erste deutsche Game, dass es in das Portfolio von X-Box Live-Arcade schaffte. 2013 machten die beiden Köpfe hinter "Coregame" - Peter Ohlmann und Andreas Drude - ihre Entwicklerschmiede dicht. Eine verdiente Fortsetzung für den Geheimtipp "Ion Assault" gab es daher leider bis heute nicht.

Angry Birds Epic (Chimera Entertainment)

Die blöden Schweine klauen die Vogeleier, die Angry Birds wollen sie zurück. Was also tun? Klare Sache: Mit Hilfe einer Schleuder schlechtgelaunte Birds Richtung Schweinekäfig ballern. Artillery-Game nennt man dieses so simple wie effektive Spielgenre, dass auch schon "Worms" in den 90ern zu einem Massenphänomen gemacht hat. Aber selten hat dieses Spielprinzip dermaßen vielen Menschen so viel Spaß gemacht, wie bei der irrsinnig populären Angry-Birds-Reihe. Die kommt aus der einst kleinen, finnischen Games-Schmiede "Rovio-Entertainment". Über zwei Milliarden Downloads konnte die Wutvogel-Saga bis 2014 verbuchen. Seitdem sind noch einige dazugekommen. Und einen nicht unwesentlichen Anteil daran haben die Münchner Game-Entwickler von der Firma "Chimera Entertainment". Da kam man bei der Entwicklung eines usprünglich anderen Games auf die Idee, sich mit den Angry-Birds-Machern zusammenzutun und die bekannten Charaktere der bunten und populären Schweine- und Vogelwelt zu verwenden. So kam es schließlich zu dem bayerisch-finnischen Angry-Birds-Spin-Off "Angry Birds Epic". Und am Ende stand der geglückte Genrewechsel eines geradlinigen Artillery-Game zum taktisch orientierten Rollenspielklopper.

Travian (Travian Games)

Die Geschichte eines der erfolgreichsten Browser-Games der Welt beginnt in der unterfränkischen Kleinstadt Hammelburg. 2004 begann der damals gerade mal 20-jährige Student Gerhard Müller hobbymäßig das Browser-Game Travian auszutüfteln. Ob als Römer, Gallier oder Germane: Bei "Travian" geht es darum, sein Gebiet zu erweitern - durch friedliche Besiedelung oder kriegerische Eroberung anderer Dörfer. Strategien müssen erdacht und Allianzen geschlossen werden. Im Zentrum des Spiels steht das Kommunikationsgeschick zwischen den Spielern. Was als kleines Nischengame programmiert von drei Teenagern in einem Hobbyraum im unterfränkischen Hammelburg mit gerade einmal 100 Spielern begann, ist längst ein Browserhit. Heute ist "Travian" ein Genre-Klassiker, wird täglich von Millionen von Spielern auf der ganzen Welt mit Leidenschaft gespielt. Und ein Ende der unterfränkischen Game-Erfolgsgeschichte ist nicht abzusehen. Die "Travian Games GmbH" mit Sitz in München ist heute einer der führenden Anbieter für browserbasierte Online-Spiele.

John Woo’s Bloodstroke (Wolpertinger Games, Chimera Entertainment)

Diese App bietet ein saftig blutiges Hack-and-Slay-Game, in dem man die Agentin Mai Lee - Codename Lotus - durch die gefährlichen Straßenzüge von Honkong und Peking steuert. Dabei müssen natürlich möglichst viele bewaffnete Gangster über den Haufen geschossen oder mit dem Schwert filetiert werden. Alles in einem stilvollen Graphic-Novel-Look. Entwickelt wurde diese Action-App von den Münchner Entwickler-Studios "Chimera Entertainment" und "Wolpertinger Games". Und zwar in enger Zusammenarbeit mit "Tiger Hill Entertainment" - dem Games-Studio des kantonesischen Action Regisseurs John Woo, der dort seit einiger Zeit versucht, seine filmische Action-Ästhetik auch auf Games zu übertragen. Hinter "Wolpertinger Games" steckt abermals ein Studententeam der Münchner Mediadesign Hochschule. Ihr Abschlussprojekt nach sechs Semestern war das First-Person-Jump-and-Run "Phobos", in dem man sich durch das unheimliche Gehirn eines Psychopathen bewegen muss. Damit gewannen die jungen Entwickler 2012 den Selected Project Award auf der Game Connection America in San Francisco. Das ehemalige Studententeam um Sebastian Bender gründete "Wolpertinger Games" als unabhängiges Entwicklerstudio gleich nach Abschluss der Hochschule im Jahr 2010.

Spielwiese

Mehr darüber, was in der bayerischen Games-Szene mittlerweile alles so geboten ist, erfahrt ihr auch in der nächsten Spielwiese. Wir haben mit Entwicklern und Gründern über ihren Werdegang und ihre Games geredet und nachgefragt, wie man sich am besten als Player im Games-Business etabliert.

Samstag, den 15. August ab 18:00 Uhr
Wiederholung: Sonntag, 16. August ab 12:00 Uhr.


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