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TV & Serien // Wolf Hall Die Intrigen-Alternative zu Game of Thrones

Zwei Monate noch, dann startet endlich die neue Staffel "Game of Thrones". Für alle, die dringend neues Intrigenfutter brauchen, gibt es ab Donnerstag eine Alternative: In "Wolf Hall" geht es um den Frauenmörder Heinrich VIII.

Von: Christian Alt

Stand: 20.01.2016

Neulich bei den Golden Globes: Orlando Bloom und Bryce Dallas Howard vergeben den Preis in der Kategorie "Beste Miniserie". Klarer Favorit: "Fargo". Also die Serie, die so ziemlich jeder Kritiker als beste Serie des Jahres gefeiert hat. Orlando Bloom öffnet den Umschlag. Und der große Gewinner ist: "Wolf Hall".

Wie eine Doppelstunde Englisch-LK

Das zukünftige Königspaar (Claire Foy und Damian Lewis) hat viele Feinde.

Innerhalb von Sekunden dreht Twitter durch: "WTF is Wolf Hall?", heißt es da. "Wolf Hall" kennt keine Sau. Schade eigentlich, denn die britische Miniserie gehört tatsächlich zum Besten, was 2015 so zu bieten hatte. Und das, obwohl sich der Plot liest wie eine ausgedehnte Doppelstunde im Englisch-LK, geht es doch um den frauenmordenden König Heinrich VIII.

"Wolf Hall" spielt an dessen Thron im Jahr 1529. Heinrich ist noch verheiratet mit seiner ersten von sechs Frauen: Katharina von Aragon. Nur schenkt die ihm keinen Thronfolger. Am liebsten würde Heinrich seine Geliebte heiraten, Anne Boleyn. Aber Scheidung ist nicht, denn was Gott verbunden hat, das soll der Mensch nicht trennen. Heinrich versucht es aber trotzdem und sucht dafür Hilfe beim Anwalt Thomas Cromwell.

Eine halbe Stunde extra fürs Wikipedia-Bingen muss man einplanen

Thomas Cromwell (Mark Rylance) ist der treue Verbündete von Kardinal Wolsey.

Cromwell geht in die Vollen. In vier Jahren setzt er Kardinäle und Bischöfe neu ein und treibt es schlussendlich so weit, dass Heinrich VIII. eine neue Kirche gründen muss. Alles nur, damit Heinrich seine Anne heiraten kann. Auf die hat er dann zwar irgendwann auch keinen Bock mehr, aber das ist eine andere Geschichte.

"Wolf Hall" – oder wie sie auf Deutsch heißt: "Wölfe" – ist eine Wikipedia-Serie. Ständig tauchen hier scheinbar unwichtige Nebenfiguren auf, die sich beim Googeln als wichtige Strippenzieher am Hofe Heinrichs VIII. entpuppen. Daher lohnt es sich zwischen den einzelnen Folgen, eine halbe Stunde fürs exzessive Wikipedia-Bingen einzuplanen. Besonders Figuren wie Thomas Cromwells Gegenspieler Thomas Morus bekommen so eine ganz neue Farbe.

Anti-katholische Propaganda? So ein Quatsch!

Die Darstellung von Thomas Morus als feiger und hinterhältiger Gegenspieler Cromwells löste im letzten Jahr einen kleinen Skandal aus. Immerhin ist Morus ein Heiliger der katholischen Kirche. "Wolf Hall" sei aus diesem Grund anti-katholische Propaganda. Was natürlich Quatsch ist. Die Serie gibt sich lediglich Mühe, Thomas Cromwell nicht als den unbarmherzigen Strippenzieher zu zeigen, der er vielleicht war. Er ist eine Figur mit Ecken und Kanten, mit lauter privaten Problemen, die er sich aber nie anmerken lässt. Mark Rylance, den man eigentlich nur als Shakespeare-Schauspieler kennt, spielt Cromwell so gut, dass man ihm am liebsten Hof und Kirche verkaufen will. Wenn Rylance dann in voller Renaissance-Montur neben Heinrich VIII. vor einer prächtigen Kulisse steht, werden aus den Wikipedia-Artikeln von eben echte Menschen mit echten Problemen.

"Wolf Hall" – "Wölfe" läuft ab Donnerstag, 21. Januar, um 20.15 Uhr auf Arte


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