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TV & Serie // Unbreakable Kimmy Schmidt - Staffel 2 Immer noch optimistisch gegen die Welt

Vom irren Sektenführer entführt, fängt Kimmy Schmidt in New York nach 15 Jahren im Bunker ein neues Leben an – klingt tragisch ist aber saukomisch. Jetzt kommt die zweite Staffel von Netflix' absurdester Comedyserie.

Von: Vanessa Schneider

Stand: 13.04.2016

Unbreakable Kimmy Schmidt - Staffel 2 | Bild: Netflix

Kimmy Schmidt wurde mit 14 entführt und 15 Jahre lang von einem durchgedrehten Prediger in einem unterirdischen Bunker gefangen gehalten – in dem Glauben, dass die Welt schon untergegangen ist und sie und ihre Mitgefangenen die einzigen Überlebenden sind. Aber: Die Welt ist noch da – und Kimmy muss ihr ganzes Leben neu sortieren. Das ist eigentlich bester Stoff für Melodramen und Krimiserien. Aber für Komödien? Nicht so sehr. Denkste!

Kimmys Story beginnt da, wo die Entführungsdramen aufhören

Da wo Krimis und Dramen aufhören – bei der Rettung aus dem Bunker – fängt Kimmys Leben erst an. Und damit auch die absurdeste Comedyserie des letzten Jahres: Kimmy und die drei anderen “Maulwurfsfrauen aus Indiana” sind gerade auf Medientour in New York, da beschließt sie einfach da zu bleiben. Sie will kein Opfer mehr sein und auch nicht mehr über den Bunker reden. Kimmy guckt nach vorne – und nie zurück.

Sie zieht mit einem schwulen, schwarzen Musicaldarsteller zusammen, arbeitet als Nanny  für eine High Society Blondine, die ihre indianischen Wurzeln verleugnet und ihre dauerkiffende Vermieterin ist so mit dem Kampf gegen die Gentrifizierung beschäftigt, dass sie vergisst sie nach der Miete zu fragen. Kimmys Probleme sind gemessen an ihrer Vergangenheit ziemlich klein und so lässt sie sich mit großen Augen und unerschütterlichem Optimismus durch New York treiben. Immer gut gelaunt - eben unbreakable. Das macht sie nicht nur äußerlich, mit roten Haaren und den knallbunten Klamotten, zu einer Art moderner Pippi Langstrumpf.

In den 90ern stecken geblieben

15 Jahre Bunker, das heißt: Manipulation, Abhängigkeit und Verzweiflung. Es heißt aber auch: Kimmy kann die Welt mit Ende zwanzig völlig unbefangen entdecken. Das Internet, der 11. September, Michael Jacksons Tod, Kim & Kanye, Handys und Selfies – was für alle Menschen um sie herum selbstverständlich ist, davon hat Kimmy Schmidt nichts mitbekommen. So entstehen absurde Alltagssituationen, die von Serienschöpferin Tina Fey (u.a. "30Rock" und "Saturday Night Life") natürlich gnadenlos überzeichnet werden.

Die Serie ist so prallvoll mit grandiosen Lines, dass man beim dritten Mal gucken immer noch einen neuen Witz entdeckt. “Unbreakable Kimmy Schmidt” ist einfach saukomisch – und manchmal auch erschütternd. Zum Beispiel dann, wenn Kimmy in einem Nebensatz erzählt, dass sie im Bunker missbraucht wurde oder wenn sie von elenden Stunden der Langeweile und von Gehirnwäsche spricht. Dass dieser Spagat sitzt, liegt vor allem an Hauptdarstellerin Ellie Kemper, der Kimmy wortwörtlich auf den Leib geschrieben wurde: Impro-erfahren, Stand-Up-gehärtet und mit einem Grinsen, das den Bildschirm wie ein Baustrahler erleuchtet.

In der zweiten Staffel ist die Witzfrequenz nicht mehr ganz so hoch wie in der Ersten. Das ist aber nicht schlimm, denn dafür erfahren wir mehr über Kimmys Freunde. Sie haben alle ihren eigenen Bunker, den sie verlassen müssen – nur, dass der nicht unter der Erde ist, sondern in ihren Köpfen. Erst mit der fünften Folge nimmt die Serie wieder Fahrt auf und kommt an die besten Momente der ersten Staffel heran. Wer Kimmy liebt, guckt weiter –  alle anderen haben nach drei Folgen aufgegeben. Denen ist eh nicht mehr zu helfen.

Unbreakable Kimmy Schmidt läuft auf Netflix. Am 15.05. kommt die zweite Staffel.


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