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TV & Serien // Jane The Virgin Die unbefleckte Empfängnis der Jungfrau Jane

Jane wird beim Frauenarzt versehentlich künstlich befruchtet - als Jungfrau wohlgemerkt. Und der Samenspender wider Willen ist auch noch ihr neuer Chef. Die Serie "Jane The Virgin" versucht sich an der Amerikanisierung einer Telenovela.

Von: Juliane Frisse

Stand: 07.07.2015

Jane The Virgin | Bild: The CW Network, LLC

Für "Jane the Virgin", also Jane, die Jungfrau, gilt: kein Sex vor der Ehe. Für eine 23-Jährige ist das im 21. Jahrhundert zwar schon ein eher ungewöhnlicher Beschluss, aber natürlich noch keine differenzierte Charakterzeichnung. Über die junge Dame, gespielt von Gina Rodriguez, ist daher außerdem zu berichten: Jane Villanueva will Lehrerin werden. Sie ist verrückt nach überbackenen Käsesandwiches und schnulzigen Telenovelas. Und an ihrem Vorsatz, als Jungfrau in die Ehe zu gehen, ist ihre gottesfürchtige katholische Großmutter schuld. Jane hält sich dran, auch in ihrer inzwischen zwei Jahre zählenden Beziehung zu einem Polizisten. Schwanger wird die jungfräuliche Jane allerdings trotzdem.

Spermienspritze statt Abstrich

Da Jane nicht gegen ihre keuschen Prinzipien verstoßen hat, muss es eine andere Erklärung für den positiven Schwangerschaftstest geben. Sie ist keine Heilige, die ein Kind Gottes in sich trägt - wobei das für ihre religiöse Familie die naheliegendste Erklärung wäre. Stattdessen liefert "Jane the Virgin" eine andere, ähnlich unrealistische Erklärung für die unbefleckte Empfängnis: Eine emotional völlig aufgelöste Frauenärztin verwechselt zwei Patientinnen. Deshalb bekommt Jane, als sie eigentlich nur einen Abstrich machen lassen will, aus Versehen eine künstliche Befruchtung.

Mal Telenovela, mal Telenovela-Persiflage

Dass dieser Twist wie aus einer der von Jane geliebten Telenovelas klingt, ist kein Zufall. "Jane the Virgin" basiert auf einer: Die Serie ist das US-Remake von "Juana la Virgen", einer Telenovela aus Venezuela. Drama, Herzschmerz und weitere, vergleichbar wahnsinnige Verwicklungen gibt es auch auch in der neuen Version aus den Staaten. Wie sich das eben für eine Telenovela gehört. "Jane the Virgin" trippelt dabei allerdings immer genial hin und her, auf einem schmalen Pfad zwischen klassischer Telenovela und Telenovela-Parodie. Genial, weil das Geschehen eigentlich total abstrus ist, die Charaktere aber trotz aller Überzeichnung nicht wie eindimensionale Abziehbilder, sondern menschlich wirken. Daher gehen auch "Zufälle", wie dass Janes Samenspender wider Willen nicht nur ihr neuer Chef, sondern auch ein früherer Schwarm von ihr ist, total in Ordnung.

Wie ein überbackenes Käsesandwich: schlicht, aber gut

Selbstverständlich gesellen sich noch weitere merkwürdige Verwicklungen zwischen den Figuren dazu. "Jane the Virgin" ist also nichts für Realismus-, aber umso mehr für Romantik-Fans, die Lust auf etwas Leichtes, nicht allzu Tiefgründiges haben. Dafür ist "Jane the Virgin" warmherzig, bonbonbunt und witzig. Nur der allwissende Erzähler hat in der deutschen Synchronisation etwas an Charme verloren. Für ein Date vor dem Fernseher, am besten in Jane-Manier mit überbackenem Käsesandwich, ist aber insgesamt mehr als genug davon übrig.

Die erste Staffel von "Jane the Virgin" läuft seit 6. Juli montags um 20.15 Uhr auf Sixx.


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